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von Gastautor H. Hampe © 2008
Der erste Mensch, der mit einer Maschine flog, die „schwerer als Luft“ war, war ein Deutscher, Otto Lilienthal. Seine Flugmaschine war mehr ein Gleiter als ein Flugzeug, aber er unternahm mehr als tausend Gleitflüge bis zu seinem tödlichen Unfall im Jahre 1896. Die Gebr. Wright in den Vereinigten Staaten wurden berühmt mit ihrem ersten nachgewiesenen und dokumentierten Motorflug am 17. Dezember 1903.

courtesy Vic Diehl

Nach diesen Ereignissen gab es eine stürmische Entwicklung auf dem Gebiet der Luftfahrt. In allen zivilisierten Nationen wurden Fliegerclubs und Organisationen gegründet, um die Entwicklung der Luftfahrt voranzutreiben. So wurde auch am 21. Dezember 1907 der deutsche AERO-Club in Berlin gegründet. Dieser Club, der später zum kaiserlichen AERO-Club avancierte, besaß ein Club-Haus auf dem Flugplatz Johannisthal. Dies war der erste deutsche Flugplatz, der am 26. September 1909 eröffnete. Im Jahre 1910 führte der Club einen Club-Anzug für seine Mitglieder ein. Es handelte sich um eine dunkelblaue Jacke mit passender Weste und Hose. Die Jacke hatte zwei Reihen von Metallknöpfen, die das herausgearbeitete Club-Emblem zeigten. Dieser Club-Anzug war weder eine Uniform noch wurde irgendein Dolch in einer der Bekleidungsvorschriften des Clubs erwähnt, weder im Jahre 1914 noch im Jahre 1918. Selbstverständlich dienten Mitglieder des Clubs während des ersten Weltkrieges als Piloten und Beobachter in den deutschen Fliegertruppen.

Erst im Jahre 1910 wurde das deutsche Kriegsministerium auf Flugzeuge mit Motoren, die nach dem Prinzip „schwerer als Luft“ funktionierten, und auf ihre mögliche militärische Bedeutung aufmerksam. Am 04. Juli 1910 wurde daher das Fliegerkommando Döberitz eingerichtet. Dieser Nukleus der deutschen Fliegertruppen wurde ein wenig stiefmütterlich behandelt. Dies lag an der Bevorzugung der deutschen Luftschiffe und des Gründers dieser Luftschiffe, v.Zeppelin. Man glaubte seinerzeit beim Luftschiffbau einen strategischen Vorteil errungen zu haben und wollte die Mittel zum Erhalt dieses Vorteils nicht aufsplittern. Im Jahre 1911 begann die kaiserliche Marine mit ihren ersten Versuchen, Flugzeuge auf dem Wasser zu landen.

Im Jahre 1912 rief Kaiser Wilhelm II zu Spenden für die deutsche Luftfahrt auf, weil die Entwicklung weit hinter Frankreich und anderen Länder zurücklag. Diese Spenden erzielten 7,5 Millionen Goldmark, eine bemerkenswerte Summe in der damaligen Zeit. Mit diesem Geld wurden ab 1912 Piloten und Beobachter in immer größer werdender Zahl ausgebildet. Die Einrichtung in Döberitz wurde völlig unzureichend, dies machte es für das Kriegsministerium notwendig, zusätzlich mit zivil ausgebildeten Piloten und Beobachtern Verträge für eine militärische Verwendung abzuschließen. Diese zivil ausgebildeten Flieger konnten die erste Gruppe von Soldaten sein, die den AERO-Dolch führten, welcher vom Dolch des kaiserlichen Automobilkorps weiterentwickelt wurde.

Fliegerdolch des Herstellers Weyersberg, Kirschbaum & Co., um 1912. Weltweit der einzige bekannte Dolch mit der Abbildung früher deutscher Militärflugzeuge. Elfenbeingriff, Parierstange und Krone aus Silber. Lederscheide mit Silberbeschlägen. Propelleremblem auf der Parierstange. Eine Weiterentwicklung des Dolches des Kaiserlichen-Freiwilligen Automobil-Corps.

Die Klinge des Dolches ist auf beiden Seiten mit frühen deutschen Militärflugzeugen verziert. Seite 1 = Albatros Doppeldecker

Seite 2 = Etrich Taube

Bereits vor und auch während des Ersten Weltkrieges wurden Angehörige traditioneller militärischer Einheiten zu den Fliegertruppen abkommandiert. Diese Soldaten trugen die traditionellen Seitenwaffen ihrer früheren Einheiten weiter. Dazu wurden oft Soldaten direkt in die Fliegertruppen hinein rekrutiert. Diesen Männern ermangelte es an einer traditionellen Blankwaffe als Seitenwaffen, z.B. im Vergleich mit einem früheren Kavallerieoffizier.

Somit haben wir zwei Gruppen von Fliegern, denen wir diesen AERO-Dolch zuordnen können:
Zivil ausgebildete und vertraglich gebundene Piloten und Beobachter, die in den Fliegertruppen Dienst taten, sowie Flieger, die direkt in die Fliegertruppen hinein rekrutiert wurden, ohne vorherigen formellen Dienst in anderen militärischen Einheiten.

Basierend auf der Bekleidungsvorschrift des AERO-Clubs haben Sammler diese Seitenwaffen irrtümlich als AERO-Club-Dolche verstanden. Es erscheint nun wahrscheinlicher, dass diese seltenen Dolche die ersten deutschen Luftwaffen-Offiziersdolche überhaupt waren, da sie ausschließlich von Piloten und Beobachtern geführt wurden.

H. Hampe © September 2008
» www.germanautoandaerocorps.com

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