StartseiteBlogFotoalbenTagebuchSanke KartenGeschichteDatenbankPresseLinks

Frei nach einem Aufsatz von Fritz Kohler.

Immer wieder wird heute über die Flieger des Weltkrieges, die den Pour le mérite verliehen erhielten geschrieben, aber wenig hört man von denen, die keine Abschüsse zu verantworten hatten. Zu diesen gehört auch Gunther Plüschow, der Flieger von Tsingtau.


Von einer Studienreise aus London nach Schwerin zurückgekehrt, wurde Gunther Plüschow im August 1913 als erster Marineflieger zur Marinefliegerabteilung kommandiert. Im Februar 1914 bestand er nach nur 5-tägiger Ausbildung in Johannisthal die Pilotenprüfung. Da die für Tsingtau vorgesehene Rumpler-Taube noch nicht fertig war, übte sich Plüschow zusammen mit dem Piloten Linnekogel in der Zwischenzeit im Höhenflug und erreichte mit 5500 Metern den Welthöhenrekord.

Während Plüschow per Eisenbahn in den Fernen Osten reiste, wurden die beiden Flugzeuge für ihn und Leutnant Müllerskowski auf dem Seeweg über Indien nach Tsingtau befördert. Dort fanden zu dieser Vorkriegszeit noch Fußballwettspiele zwischen Engländern vom Flagschiff „Good Hope“ und deutschen Matrosen statt. Ein halbes Jahr später ging die „Good Hope“ in der Seeschlacht von Coronel unter.

Mitte Juli 1914 kamen die beiden Flugzeuge in Tsingtau an. Zwei Tage später startete Plüschow zum Probeflug. Am 30. Juli traf unerwartet der Befehl „Sicherung“ ein, am 1. August die Meldung „Drohende Kriegsgefahr“ und am 2. August die Bestätigung „Krieg“ – gegen Russland, dann Frankreich und England. In der deutschen Kolonie und Festung Tsingtau unter der Leitung von Gouverneur Meyer-Waldeck wurde eine Bedrohung durch Japan befürchtet.

Bei einem Erkundungsflug stürzte Plüschow ab, da sein Flugzeug nicht für die Verhältnisse in tropisch feuchter Luft konstruiert war. Trotz verschimmelter Ersatzteile und verzogener Propeller gelang es Plüschow und seinen Leuten, die Rumpler Taube wieder zu reparieren. Bald wurde Tsingtau von japanischen Doppeldeckern, Wasserflugzeugen mit großer Spannweite, angegriffen. Zuerst wurde der Flugplatz bombardiert. Zum Schutz für seine Rumpler Taube baute Plüschow einen neuen Schuppen an einem Berghang, tarnte ihn mit Erde und Gras und lenkte die japanischen Flieger auf eine Flugzeug-Atrappe ab.

Nach weiteren heftigen Angriffen japanischer Flieger erhielt Plüschow von seinem Kommandanten den Auftrag, Geheimdokumente der Festung Tsingtau in Sicherheit zu bringen. Am 6. November 1914 flog Plüschow mit seiner Taube Richtung Süden nach Hai-Dschou. Beim Landungsversuch blieben die Räder im Lehmboden stecken, die Maschine zerschellte. Auf einer Dschunke fuhr er nach Nanking, floh weiter und traf am 30. Dezember mit dem Dampfer in San Franzisco ein. Am 2. Januar 1915 nahm er den Zug nach New York und reiste am 31. Januar 1915 mit gefälschtem Pass als Schweizer Schlossergeselle Ernst Suse auf dem neutralen italienischen Dampfer „Duca degli Abruzzi“ nach Europa. Nach seiner Entdeckung in Gibraltar kam er in englische Gefangenschaft. Ende März wurde er in ein Offizierslager gebracht, traf dort mit den Geretteten des Kreuzergeschwaders „Graf Spee“ zusammen und wurde später in das Offizierslager Donington Hall überführt. Am 4. Juli 1915 gelang Plüschow und seinem Begleiter Treffz die Flucht. Von London aus reiste Plüschow als blinder Passagier im Rettungsboot mit dem Schiff „Pinzeß Juliana“ nach Holland und erreichte von Vlissingen nach 9-monatiger Flucht Deutschland. Dort erhielt er als kaiserlichen Dank das Eiserne Kreuz erster Klasse. Nach einigen Wochen Erholung wurde Plüschow wieder Flieger. Der Kapitänleutnant wurde Kommandeur einer Marineflugstation im Osten.

Nach dem Krieg versuchte Plüschow sich in zwölf Berufen und wurde schließlich Reiseschriftsteller und Journalist. Mit Kamera, Heinkel-Flugzeug D 1313 und Segelkutter reiste er, begleitet von seinem Kameraden Dreblow, zum zweiten Mal nach Patagonien, um das Land noch genauer zu erforschen, in dem er bereits den Film „Silberkondor über Feuerland“ gedreht hatte. Am 28. Januar 1931, auf einem Flug am äußeren Südende des Lago Rico nach Maria Antonia am Lago Argentino, brach das Höhensteuer. Beim Absprung blieb Plüschows Fallschirm hängen, der von Dreblow öffnete sich zu spät. Beide starben.

Günther Plüschow hat seine Erlebnisse in einem Buch festgehalten, das erstmals 1916 als Taschenbuch mit dem Titel „Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau“ im Verlag Ullstein, Berlin, erschienen ist.

www.Flieger-Album.de besitzt eins der noch vorhandenen seltenen Exemplare mit einer original Widmung & Signatur von Günther Plüschow aus dem Jahre 1920. 

Lesen Sie zu diesem Beitrag auch das » Portrait von Gastautor Gerhard H. Ehlers.

Keine Kommentare | Neuer Eintrag