Der Luftkrieg ist eine Form der Kriegsführung, bei der militärische Operationen hauptsächlich aus der Luft durchgeführt werden.
Man unterscheidet:
Krieg aus der Luft:
Aufklärung und Bekämpfung von Bodenzielen durch Aufklärungsflugzeuge und Bomber
Krieg in der Luft:
Bekämpfung feindlicher Flugzeuge durch eigene Jagdflugzeuge
Krieg gegen Luftstreitkräfte:
Bekämpfung feindlicher Flugzeuge durch bodengestützte Flugabwehr.
Im Ersten Weltkrieg wurden die meisten der Luftkriegskonzepte entwickelt, die den Luftkrieg bis zum Vietnamkrieg und teilweise auch darüber hinaus ausmachten.
Luftaufklärung
Zu Beginn des Krieges konzentrieren sich die Mittelmächte und die Entente hauptsächlich auf die operative Fernaufklärung. Im Laufe des Krieges wurden Reihenbildgeräte entwickelt, die die Grundlage der Bildaufklärung legten.
Wie bereits vor dem Krieg wurden auch Tauben mit Kameras ausgestattet, die an eine Zeitschaltuhr gekoppelt waren. Während des Kriegs wurde von einem Schweizer sogar eine Gasmaske für Tauben entworfen.
Der erste entscheidende Erfolg der Luftaufklärung bestand in den Meldungen des britischen Royal Flying Corps (RFC), die es möglich machten, den deutschen Vorstoß in Richtung der Marne abzufangen. Dies sorgte dafür, dass der Schlieffenplan nicht mehr erfüllbar war und der Krieg sich an der Westfront zu einem langen Grabenkrieg entwickelte.
Als sich der Stellungskrieg anbahnte, wurden Fesselballons und zweisitzige, mit Funk ausgerüstete Flugzeuge zur Lenkung des Artilleriefeuers eingesetzt. Es wurden besonders von den Briten Versuche unternommen mit Ballons und Flugzeugen Spione hinter den feindlichen Linien abzusetzen.
Luftüberlegenheit
Es entwickelte sich die Erkenntnis, dass Ballons und Aufklärer direkt aus der Luft angegriffen werden mussten, da es an ausreichenden und praktischen Möglichkeiten der Luftverteidigung vom Boden aus mangelte. Die Entwicklung echter Jagdflugzeuge, mit denen ein Pilot ohne die Hilfe eines mitfliegenden Schützen in Richtung Flugzeuglängsachse feuern konnte, ging vom französischen Piloten Roland Garros aus. Er befestigte ein nach vorne gerichtetes Maschinengewehr an einer Morane-Saulnier L und verstärkte die Propellerrückseite, so dass er durch den Propellerkreis hindurch feuern konnte, ohne die Maschine zu beschädigen. Ein von Fokker entwickeltes Unterbrechergetriebe stellte eine sinnvolle Weiterentwicklung dieser Methode dar. Die damit ausgerüstete Fokker E-III gilt als erstes in Serie gefertigtes Jagdflugzeug der Welt.
Auf alliierter Seite behalf man sich zunächst mit einer Druckpropelleranordnung, später mit starr montierten, über den Propellerkreis hinweg ausgerichteten Waffen. Die Strukturen zur Führung von Verbänden im Kampf wurden der Kavallerie entlehnt und kontinuierlich weiterentwickelt. Der englische Pilot Lanoe Hawker setzte sich früh für einen disziplinierten Verbandsflug beim RFC ein. Auf alliierter Seite blieb man bei der Aufteilung in Schwadronen (engl. squadron), auf deutscher Seite kam es zur Aufstellung von Staffeln, was zahlenmäßig einer Schwadron entspricht, und Geschwadern, die mehrere Staffeln zusammenfassten.
Die Alliierten stellten ihre Verbände im Verlauf des Krieges als separate Streitkräfte auf, die unabhängig von der Heeresleitung operieren durften. Wenig später kamen regelmäßige Patrouillenflüge hinzu, durch die die Franzosen und Briten die gesamte Westfront kontrollieren konnten.
Die Deutschen antworteten darauf mit der Durchführung von „Sperrflügen“. Bei dieser Taktik mussten die deutschen Besatzungen nahe der Front stationiert werden, um den Luftraum durch ständige Überwachungen zu sperren. Allerdings waren für ein solches Vorgehen sehr viele Jagdflugzeuge notwendig, die konzentriert in einem engen Gebiet operierten und deshalb für andere Aktionen nicht verfügbar waren.
Im Oktober 1916 erfolgte auf Anregung des erfahrenen Kampffliegers Oswald Boelcke eine Umstrukturierung der deutschen Luftwaffe, die nun als eigenständige Streitkraft neben Heer und Marine aufgestellt wurde. Des weiteren wählte Boelcke einige herausragende Flieger in den eigenen Reihen, die er persönlich im Luftkampf ausbildete und in der legendären Jagdstaffel 2 zum Einsatz brachte. Um seine Erfahrungen weiterzugeben, fasste er in der Dicta Boelcke die wichtigsten Grundlagen des Luftkampfes zusammen.
Als 1918 die Amerikaner eintrafen, konnten die alliierten Luftstreitkräfte die Deutschen durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit zurückdrängen. Sie mussten sich darauf beschränken, wenigstens in einem begrenzten Gebiet die Luftüberlegenheit zu erringen.
Strategische Bombardements
Bomben und Propaganda-Material wurden von Flugzeugen bereits zu Beginn des Krieges über feindlichen Städten abgeworfen.
Als erste Städte wurden am 6. und 24. August 1914 Lüttich und Antwerpen von einem deutschen Zeppelin bombardiert. Der erste erfolgreiche deutsche Bombenabwurf über britischem Boden gelang einem Flieger am 24. Dezember bei Dover. Am 19. Januar 1915 wurde der erste Bombenangriff auf London geflogen.
Fast zeitgleich wurden die ersten Bombenzielgeräte entwickelt, wie das Dorana-Bombenzielgerät und das Lafay-Zielgerät. Sie waren zwar noch sehr primitiv, aber die Trefferwahrscheinlichkeit konnte dadurch erheblich verbessert werden.
1916 wurden die Bombenattacken verstärkt. Nun wurden zusätzlich zu den Sprengbomben auch Brandbomben eingesetzt, mit denen besonders in England großer Schaden angerichtet wurde. Die verheerendsten Angriffe führten die Deutschen in der Zeit vom 31. März bis zum 6. April durch, wodurch die Briten gezwungen waren, ihre Arbeitsstätten bei Gefahr zu verdunkeln oder ganz stillzulegen.
Zunächst setzten die Deutschen besonders Zeppeline für die Bombardierung ein. Ab 1917 wurden in Deutschland Großflugzeuge, später auch Riesenflugzeuge, als strategische Bomber gebaut. Sie lösten die Zeppeline als wichtigstes Mittel zur Bombardierung ab. Die Großflugzeuge waren schneller und damit schwieriger abzufangen.
Insgesamt betrachtet, hatten die Bombardierungen einen militärischen und strategischen Nutzen, der weit über die materiellen Schäden hinausging. Großbritannien musste erhebliche Mittel in den Aufbau einer Luftabwehr stecken und eine große Zahl von Fliegereinheiten für die Heimatverteidigung statt für den Kampf an der Front einsetzen. Die Produktionsausfälle durch Bombenalarme waren ebenfalls größer als der direkt angerichtete Schaden.
Erdkampfunterstützung mit Schlachtflugzeugen
Im Ersten Weltkrieg wurden Jagdflugzeuge bereits zur Bekämpfung von Infanteristen und Panzern eingesetzt. Um gegnerische Soldaten anzugreifen, machten die Jagdpiloten nicht nur vom Bord-MG Gebrauch, sondern warfen mitunter lange, dicke Nägel, sogenannte Fliegerpfeile (französisch: Fléchettes), aus dem Flugzeug. Im Einsatz gegen Panzer verwendeten die Jagdpiloten Bomben, die sie zunächst manuell auf ihr Ziel warfen. Im späteren Verlauf des Kriegs wurden die Bomben von der Unterseite des Flugzeugs ausgeklinkt.
Im Kriegsjahr 1917 stellte man auf deutscher Seite sogenannte Schlachtstaffeln auf, deren Flugzeuge speziell für den Einsatz gegen Bodenziele gedacht waren. Die Flugzeuge der Schlachtstaffeln waren an ihrer Unterseite gepanzert und griffen tieffliegend in Bodenkämpfe ein. Durch ihre Spezialisierung auf die Unterstützung der Infanterie war der Nutzen der Schlachtstaffeln jedoch beschränkt. Auf alliierter Seite setzte man reguläre Jagdflugzeuge für derartige Zwecke ein, die zusätzlich in Luftkämpfe eingriffen.
Flugabwehr
Da vor dem Krieg nur in Deutschland an Flugabwehrkanonen geforscht wurde, mussten die Frontsoldaten improvisieren, bis auf allen Seiten entsprechende Waffen zur Verfügung standen. Mit einfachen Maschinengewehren fehlte es an der Möglichkeit richtig zielen zu können. Besonders feindliche Ballons konnte man schlecht abschießen, weshalb der Kampf in der Luft zunächst eine größere Bedeutung hatte.
Am 22. August 1914 wurde das erste britische Flugzeug von Gewehrfeuer getroffen, worauf es über belgischem Gebiet abstürzte. Manfred von Richthofen fiel angeblich Gewehrfeuer vom Boden zum Opfer.
Romantisches Heldenbild
Im Ersten Weltkrieg wurde von der französischen Presse der Begriff Fliegerass für Piloten mit mindestens 5 Luftsiegen geprägt. Das erste Fliegerass war Adolphe Pégoud, die drei führenden Asse des ersten Weltkrieges waren Manfred von Richthofen (Deutschland), René Fonck (Frankreich) und Billy Bishop (Großbritannien). Die Presse (später auch der Film) schuf das romantische Bild von "Fliegerassen" als modernen Rittern der Lüfte. Das berühmteste Beispiel dafür ist der Bericht von » Ernst Udet über seinen Kampf gegen Georges Guynemer.
Quelle: » www.wikipedia.de
Orginal: » Link
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