Seit der Entstehung des Jagdflugzeuges durch die Verwendung starr nach vorne gerichteter Bewaffnung stehen dessen Piloten im Blickfeld der Propaganda.
Teilweise wurde die Tradition der romantischen Heldenverklärung des Mittelalters auf die „Ritter der Lüfte“ übertragen. Tatsächlich wurden die ersten militärischen Kampffliegereinheiten aus Kavallerieeinheiten gebildet und übernahmen deren Verbandsbezeichnungen wie Rotte, Staffel und Geschwader. Die Übernahme ritterlicher Tugenden in eine Zeit des industrialisierten Krieges entsprach offenbar dem Bedürfnis, der Entmenschlichung des Krieges entgegenzuwirken. Nicht selten wurden Luftkämpfe als fairer Zweikampf dargestellt, bei dem der zur Gegenwehr unfähige Gegner pardoniert wurde. Solche Darstellungen, wie zum Beispiel der von Ernst Udet beschriebene Luftkampf gegen Georges Guynemer 1917, hielten zwar der historischen Prüfung nicht stand, wurden aber von der Presse und der Filmindustrie der Zwischenkriegszeit aufgenommen.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges entfernte sich die Realität des Luftkrieges noch mehr vom romantischen Bild des Fliegerhelden. Durch den Einsatz einer großen Anzahl schneller Jagdflugzeuge schwand die Gelegenheit eines Zweikampfes von „Mann zu Mann“. Die erfolgreiche Koordination aller Kräfte und die Art des Einsatzzieles bestimmten den Ablauf. Über Sieg oder Niederlage im Luftkampf entschied selten nur persönliche Leistung der Piloten, sondern hauptsächlich technische oder konzeptionelle Vor- oder Nachteile. Dennoch, und gerade deshalb, konnten eine große Anzahl von Piloten bis dahin unerreichte Abschusszahlen erreichen.
Die Veröffentlichung der Abschusszahlen des Gegners und der eigenen Kräfte durch die Presse, beispielsweise während der Luftschlacht um England, wurde von den Luftstreitkräften toleriert, jedoch nicht präzisiert.
Das Bekanntwerden von Abschusszahlen der Gegner oder der eigenen Kameraden führte mitunter zu der Auffassung, dass die Piloten einen sportlichen Wettkampf bestritten. Der an individuellen Abschusszahlen gemessen erfolgreichste Jagdflieger der Royal Air Force, James Edgar Johnson, rechtfertigt sich in seinem autobiografischen Buch „Wing Leader“ zu Verdächtigungen, er hätte sich zu sehr um die seine Abschusszahl zu Lasten seiner Einheit gekümmert. Durch das von der Presse betriebene Heroisieren kam es bei den Alliierten Luftstreitkräften teilweise zur Desolidarisierung mit anderen Bestandteilen der Streitkräfte. Bomberbesatzungen fühlten sich teilweise im Lichte der Öffentlichkeit zu wenig beachtet, es entstand der Spruch: „Fighter pilots make movies, bomber pilots make history.“ (Deutsch: „Jagdflieger machen Kinofilme, Bomberpiloten machen Geschichte.“).
Ein berühmter französischer Jagdflieger berichtete schockiert über Beschimpfung durch Gäste eines Pariser Cafés nach Kriegsende. Er hätte sich aus dem Staub gemacht und den „feinen Herren“ gespielt, während seine Landsleute im Widerstand kämpften und starben.
Tatsächlich war die Aussicht auf Überleben für Mitglieder von Flugzeugbesatzungen während des Zweiten Weltkrieges nicht ermutigend. Über 60 % aller Besatzungen fanden den Tod, nur die Besatzungen deutscher U-Boote hatten eine höhere Verlustrate. Um Kriegsmüdigkeit und Erschöpfung zu bekämpfen, wurden sowohl von den Alliierten als auch von den Achsenmächten den Piloten Amphetamine mit der Absicht der Leistungssteigerung bis hin zum Missbrauch verabreicht.
Quelle: www.wikipedia.de
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