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Im bulgarischen Kriegshafen Varna errichteten deutsche Soldaten eine Seeflugstation und unterstützten die bulgarischen Verbündeten beim Bau einer eigenen Station am See Devnensco. Als Unterkünfte für Offiziere und Mannschaft dienten in Varna die bulgarischen Dampfer „Boris“ und später der geräumigere und schönere „Zar Ferdinand“.

Kurz nach der Einnahme von Konstanza, dem mit Ostende vergleichbaren Ort am Schwarzen Meer, im Herbst 1916, erhielt auch Seeflieger Lehmann das damals begehrte Kommando zum Balkan. Nach Meldung beim deutschen Flugstationsleiter in Varna fuhr er im Auto über die Schlachtfelder der Dobrudscha nach Konstanza und von hier zum See von Tuszla, wo die 3. Deutsche Seeflugstation, hauptsächlich für Torpedoflugzeuge, vorgesehen war. An Stelle von Tuszla wurde jedoch später die Seeflugstation Duingi errichtet, mit dem Stützpunkt in Badalag, unmittelbar am Donaudelta.

Ende August 1917 kam Lehmann als Ae.O. (Aeltester Offizier, Vertreter des Flugstationsleiters) zurück nach Varna und Ende November zur deutschen Seeflugstation am Ägäischen Meer bei Xanthi (Mazedonien). Anfangs begegneten die Bulgaren den deutschen Seefliegern mit Zurückhaltung. Nach den ersten erfolgreichen Flügen gegen die russische Flotte und im Aufklärungsdienst entwickelten sich jedoch herzliche Zuneigung und Freundschaften. Beispiele für das gastfreundliche und taktvolle Verhalten:

  • Bei Proviantmangel halfen die bulgarischen Soldaten den deutschen gern aus.
  • Am 22. November 1917 musste Lehmann auf dem Flug von Xanthi nach Konstantinopel in Höhe der Insel Samothraki wegen Heißlaufens von 3 Zylindern des sonst zuverlässigen Motors im Ägäischen Meer notlanden und erreichte durch Rollen den Strand Dikilitas westlich des Hafens Degeagatsch. Auf Maultieren wurden er und sein Copilot in das bulgarische Lager gebracht und dort fürsorglich betreut.
  • Weihnachten musste Lehmann auf ärztliche Anordnung in das deutsche Lazarett nach Sofia. Vor Abfahrt des Zuges wurde er in das bulgarische Offizierskasino eingeladen und, obwohl nur Oberleutnant, neben dem General platziert. Bei der Fahrt im bulgarischen Militärzug teilten bulgarische Offiziere ihre Decken und Mahlzeiten mit ihm.

Insgesamt zeigten sich nicht nur die Offiziere, sondern auch die Mannschaften sowie die ganze bulgarische Bevölkerung von liebenswürdiger Gastfreundschaft gegenüber den Deutschen. Diejenigen, die zum Stützpunkt Sozopol an der Bucht von Burgas kommandiert waren, fühlten sich dort sofort heimisch, fast wie bei einem Familienbesuch.

Frei nach Dr. Lehmann, Liegnitz aus "Der Frontsoldat erzählt" Nr. 12
5. Jahrgang 1938

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