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(* 13. August 1891 in Freiburg, + 18. Juni 1978 in Freiburg) war deutscher Jagdflieger bei verschiedenen Flieger-Abteilungen im Ersten Weltkrieg und später Pilot bei der Lufthansa.

Ein Portrait von Gastautor Rainer Absmeier.

Vor dem Ersten Weltkrieg nahm Leopold Anslinger Flugstunden bei den Goedecker-Werken am Großen Sand nähe Mainz. Am 14. Oktober 1913 erhielt er die deutsche Piloten-Lizenz Nr. 566 und galt somit als einer der „Alten Adler“. Danach flog er für die Goedecker-Werke bei Wettbewerbsveranstaltungen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldete sich Anslinger als Kriegsfreiwilliger und wurde sofort der Fliegertruppe zugeteilt. Seine militärische Ausbildung erhielt er bei der Fliegersatz-Abteilung 3 (FEA 3), die ihren Hauptsitz damals noch in Darmstadt hatte. Durch sein fliegerisches Können wurde ihm schon Ende August 1914 sein Flugzeugführer-Abzeichen ausgehändigt. Am 28. November 1914 wurde er zum Unteroffizier und am 25. Januar 1915 zum Vizefeldwebel befördert. Mitte Februar 1915 kam Anslinger an die Ostfront und wurde dort der Feldflieger-Abteilung 54 (FFA 54) zugeteilt. An der Ostfront wurde er nur zu wenigen vereinzelten Luftkämpfen eingesetzt. Doch Anslinger wurde für seine wichtige Aufklärungsarbeit und seine Bombenflüge ausgezeichnet. Am 17. April 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse (EK 2) und am 8. Mai 1915 wurde er, rückwirkend zum 22. März, zum Leutnant befördert. Am 18. August 1915 erhielt Anslinger das Eiserne Kreuz 1. Klasse (EK 1) verliehen. Von den österreichisch-ungarischen Verbündeten erhielt er am 30. September 1915 das Feldpiloten-Abzeichen und wurde am 5. Dezember 1915 mit dem Militärverdienst-Kreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.

Am 18. Januar 1916 schoss er ein russisches Flugzeug ab. Einen Monat später, am 14. Februar 1916, folgte sein zweiter Abschuss. Am selben Tag erhielt er den bayerischen Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern und am 28. Februar 1916 den badischen Orden vom Zähringer Löwen Ritterkreuz 2. Klasse verliehen. Am 24. Juli 1916 brachte er mit seinem Beobachter eine russische Voisin unversehrt hinter den deutschen Linien herunter. Am 28. August 1916 Anslinger ein weiteres russisches Flugzeug abschießen und wurde mit bis dato vier Abschüssen der erfolgreichste deutsche Pilot an der russischen Front. Am 11. Januar 1917 wurde die Feldflieger-Abteilung 54 in Flieger-Abteilung 24 (FA 24) umgewandelt. Im März dieses Jahres wurden die Luftkämpfe in einem wöchentlichen Bericht festgehalten, dem so genannten "Nachrichtenblatt" und Abschüsse wurden für die Zeit ab Januar 1917 abgedruckt. Leider wurden diese Listen ab August 1918 nicht mehr veröffentlicht, obwohl die Berichte im Wochenblatt weitergeführt wurden.

Am 12. April 1917 berichtete das Wochenblatt, dass die Besatzung Lt. Anslinger und » OffStv. Wilhelm Frickart der FA 24 eine Voisin bei Potutory abschossen. Dieser wurde als Anslingers vierter (nicht fünfter) und Frickarts erster Abschuss geführt. Obwohl das Nachrichtenblatt nicht als unfehlbar erachtet werden sollte, scheint es so, als konnte ein Abschuss von Anslinger aus dem Jahr 1916 nicht mehr aufrechterhalten werden. Seine nächsten vier Abschüsse wurden ihm aber allesamt im Nachrichtenblatt bestätigt. Diese beinhalteten drei Stück im Mai 1917 und nachdem er zur Flieger-Abteilung (A) 242 (FA(A) 242) versetzt wurde, ein weiterer im Juni 1917. Sein erster von den Mai-Abschüssen wurde ihm am 6. Mai 1917 im Wochenblatt mit der Bemerkung, dass er bei einer Kampfeinsitzer-Staffel flog, bestätigt. Der volle Name dieser Einheit war „Kampfstaffel II Süd Armee“, eine Einsitzer-Einheit, die der FA(A) 242 unterstellt war. Er war somit seit dieser Zeit nur noch Einsitzer-Pilot. Sein Gegner vom 6. Mai war eine Nieuport. Die anderen beiden Abschüsse im Mai, eine Voisin am 17. und ein Fesselballon am 31., wurden ihm auch nur alleine bestätigt. Dies zeigt an, dass er bei diesen Begebenheiten auch Solo flog. Seinen letzten Abschuss konnte Anslinger am 29. Juni 1917 melden. Es war wieder eine russische Nieuport. Dies war sein achter offizieller Abschuss eines gegnerischen Flugzeugs. (Es sollte aber bemerkt werden, dass die Autoren von Above the Lines Leopold Anslinger zehn bestätigte Abschüsse zuerkennen. Zusätzlich zu dem einen im Jahr 1916 wird noch einer am 30. Juni 1917 über eine Nieuport aufgeführt).

Nach der Kapitulation Russlands kam Anslinger zur Kampfeinsitzerstaffel 9 (Kest 9) in die Heimatverteidigung, um die Gebiete in Westdeutschland zu schützen. Anslinger erhielt noch folgende Auszeichnungen verliehen: das Ritterkreuz des Hohenzollern-Hausorden und den österreichisch-ungarischen Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit Kriegsdekoration.

Noch bis zum zweiten Weltkrieg war Anslinger als Fluglehrer tätig, zeitweise in Freiburg und wurde dann Berufspilot bei der Lufthansa. Er verstarb am 18. Juni 1978 in Freiburg. Sein Bruder Franz Anslinger war ebenfalls bei der Fliegertruppe und flog u. a. bei den Jagdstaffeln 11, 35 und 56 und schoss bei diesen Einheiten drei gegnerische Flugzeuge ab.

Einheiten:
• Fliegersatz-Abteilung 3 (FEA 3)
• Feldflieger-Abteilung 54 (FFA 54) später umgewandelt in:
• Flieger-Abteilung 24 (FA 24)
• Flieger-Abteilung (A) 242 (FAA 242)
• Kampfstaffel II Süd Armee der FA(A) 242 unterstellt
• Kampfeinsitzerstaffel 9 (Kest 9)

Auszeichnungen:
• Eisernes Kreuz 2. Klasse (EK 2)
• Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK 1)
• Militärverdienst-Kreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration
• Bayerischen Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern
• Badischen Orden vom Zähringer Löwen Ritterkreuz 2. Klasse
• Ritterkreuz des Hohenzollern-Hausorden
• Österreichisch-ungarischen Orden der Eisernen Kr. 3. Klasse mit Kriegsdekoration

Abschüsse:
01. - 18.01.1916 - FA 54 - EA Russ. - bei Tarnapol
02. - 14.02.1916 - FA 54 - EA Russ. - bei Grobla, nordwestl. von Tarnapol
03. - 24.07.1916 - FA 54 - Voisin - westl. von Burkenow
04. - 28.08.1916 - FA 54 - EA Russ. - bei Burstyn
05. - 12.04.1917 - FA 24 - Voisin - Pututory
06. - 06.05.1917 - FA 24 - Nieuport - Kuropatniki
07. - 17.05.1917 - FA 24 - Voisin - nordöstl. von Potok
08. - 31.05.1917 - FA 24 - Ballon - südwestl. von Litiatyn
09. - 29.06.1917 - FA 242 - Nieuport - Folwsenkow
10. - 30.06.1917 - FA 242 - Nieuport - Szybalin-Rucken

(Über die genaue Zahl der Abschüsse gibt es unterschiedliche Mitteilungen – vermutlich wurden zwei Abschüsse offiziell nicht bestätigt.)

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