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(* 11. September 1894 in Anholt / Westfalen, + xx.xx.198x. in ?) war deutscher Beobachter, später Jagdflieger und schoss im Ersten Weltkrieg sieben gegnerische Flugzeuge und vier Ballone ab.

Ein Portrait von Gastautor Rainer Absmeier.

Heinrich Arntzen studierte vor dem Krieg Maschinenbau und Aerodynamik an der Technischen Hochschule in Aachen. Er entwarf vor dem Ersten Weltkrieg mehrere Eigenbau-Flugzeuge und erwarb 1913 das FAI-Flugzeugführer-Patent Nr. 518. Er wurde Ballonflieger und Besatzungsmitglied eines Lenkluftschiffes mit einer Sonderausbildung in Meteorologie und als MG-Schütze. 1913 trat er in die Luftschiffertruppe, anschließend in die Fliegertruppe ein und wurde dort vorzeitig zum Offizier (Leutnant) befördert.

Arntzen flog ab September 1914 bis 1915 bei der Feldfliegerabteilung 34 und dann bei der Feld-Fliegerabteilung 2 (FFA 2) als Beobachter. Am 20. März 1915 wurde er bei der FFA 2 im Luftkampf verwundet. Am 1. April 1916 schoss er seinen ersten Gegner über Verdun mit Unteroffizier Schwalbe als Pilot ab. Weitere Informationen über die ersten vier Abschüsse sind nicht bekannt.

Von Januar bis März 1917 war Heinrich Arntzen Bildoffizier eines Korps. Nach seiner Flugzeugführerausbildung wurde er im Juli 1917 der Jagdstaffel 15 (Jasta 15) zugeteilt, bei der er später Technischer Offizier wurde. Die Jasta 15 wurde zu diesem Zeitpunkt von Oblt. Max Reinhold geführt und lag in Habsheim, im südlichsten Abschnitt der Westfront, wo die Staffel gegen französische Gegner kämpfte. Als persönliches Kennzeichen wählte Arntzen das schwarz-weiße Schachbrettmuster mit roter Umrandung, welches dem Preußischen Beobachterzeichen nachempfunden war. Bei der Jasta 15 schoss er seine ersten beiden Gegner als Jagdflieger ab: Am 13. August 1917 mit seiner » Albatros D.V eine französische Caudron und am 15. Oktober 1917 folgte mit seiner Pfalz D.III sein erster französischer Fesselballon der 82. Compagnie d’Aérostières. Die beiden Beobachter, Asp. Prouvost und Sgt. Topart konnten sich dabei mit dem Fallschirm aus dem brennenden Ballon retten.

Foto Nr. 2 & 3 via Rainer Absmeier 


Am 13. Januar 1918 wurde Arntzen zum Staffelführer der neu aufgestellten Jagdstaffel 50 ernannt. Die Jasta 50 wurde am 23. Dezember 1917 in Bromberg bei der Fliegerersatzabteilung 13 aufgestellt und mit veralteten Albatros D.III ausgerüstet. Am 11. Januar wurde die Jasta 50 nach Autremencourt im Frontabschnitt der 7. Armee geschickt, wo Arntzen hauptsächlich gegen französische Gegner eingesetzt wurde. Am 25. Januar 1918 schoss er bei der Jagdstaffel 50 einen weiteren Fesselballon ab. Die Besatzung von der 43. Compagnie Aérostières überlebte. Vier Tage später schoss er eine britische RE8 der 16. Squadron des Royal Flying Corps ab und am 12. Februar 1918 ein weiterer französischer Ballon, welcher brennend zu Boden fiel. Dies waren die ersten drei Luftsiege der Jasta 50 und für Arntzen die Abschüsse sieben bis neun. Aufgrund des schlechten Flugmaterials und fehlender französischer Gegner in der Luft griff Arntzen immer wieder feindliche Fesselballone an. Diese wurden mit MGs und Flak gesichert und waren ein gefährliches Ziel. Am 21. März 1918, dem Tag der letzten deutschen Offensive des Krieges, schoss Arntzen einen französischen Ballon bei Nanteuil brennend ab. Am 12. April 1918 wurde ihm die Bestätigung einer abgeschossenen Breguet verweigert und am 23. April 1918 schoss er seinen elften und letzten Gegner, eine Breguet 14 ab.

Unter der Führung von Heinrich Arntzen schoss die Jagdstaffel 50 vom 13. Januar 1918 bis 27. Mai 1918 insgesamt acht gegnerische Flugzeuge ab, bei denen er an fünf beteiligt war. Die Jasta 50 verlor vier Piloten im Luftkampf und durch Abstürze. Ein Pilot geriet in Gefangenschaft.

Am 27. Mai 1918 flog er gegen einen französischen Fesselballon bei Villosnes und wurde dabei durch die gegnerische Flugabwehr schwer am Kopf verwundet. Er schaffte es aber noch zu den eigenen Linien zurück und wurde im Lazarett behandelt. Er verlor ein Auge und den Berichten zufolge, entfernte man ihm aus seinem Schädel ein Schrapnellstück, welches er dann als Souvenir aufhob. Arntzen flog danach keine Einsätze mehr.

Nach dem Krieg trat Arntzen im August 1923 in die Junkers-Flugzeugwerke ein und wurde dort Assistent des Technischen Direktors. Seit 1924 war er dort verantwortlicher Leiter der JFAG-Koordinierungsstelle mit den Auslandswerken in Fili (Russland) und Limhamn (Schweden). Als Mitglied der JFAG-Vertriebsabteilung organisierte Arntzen 1927 eine Jemen-Expedition. Im Jahr 1928 schlug er ein Ganzmetall-Sportflugzeug vor, das seiner Erfahrung am Markt entsprach. Dieses Flugzeug wurde schließlich von Pohlmann als Junkers A 50 entwickelt. Im Januar 1930 verließ Arntzen die Firma Junkers und trat in die Dürener Metallwerke AG ein. 1935 gründete er dann seine eigene Firma, die „Arntzen-Leichtbau KG“ in Brackwede (heute: Bielefeld), die 1945 von den Alliierten aufgelöst wurde. Im Jahre 1950 startete er einen Neubeginn mit eigenem Ingenieurbüro für Leichtmetallkonstruktionen und thermodynamische Anwendungen mit Sonderaufgaben in der Wärme- und Energiewirtschaft, Leichtbau-Konstruktion und Orgelbau.

Heinrich Arntzen starb an einem noch unbekannten Datum und Ort in den 1980iger Jahren.

Siehe auch:
» Abschussliste von Heinrich Arntzen

Kommentar: 2 von Reinhard Kastner erstellt am : 17.06.2010 20:26 gespeichert
Hier eine Korrekture zu Rainers Ausführungen.
Heinrich Arntzen war kein "Alter Adler" mit der FAI Nr.518.
Dieser falsche Hinweis befindet sich auch auf der Homepage über Flugzeugführer die Junkers F 13 Maschinen flogen.
(http://www.ju-f13.de/F13/person.html)
Es gibt zwei Arntzen mit FAI Lizenzen, Georg Arntzen (Nr.459) und Dr.Orla Arntzen (Nr.27).
Kommentar: 1 von Admin erstellt am : 15.06.2010 09:28 gespeichert
Zur Ergänzung:
Bei der Firma Arntzen-Leichtbau KG von Heinrich Arntzen wurden im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Firma stellte Flugzeugteile für die Rüstungsindustrie her und wurde 1945 von den Allierten demontiert. Somit gehörte die Arntzen-Leichtbau KG zu einer der Firmen, die im Zweiten Weltkrieg das verbrecherische System unterstützten. In folgendem Buch im Abschnitt 6.1 finden Sie den Artikel:

Der "Fremdarbeitereinsatz" in der Bielefelder Wirtschaft 1939-1945
"Unterbringung und Behandlung der „Fremdarbeiter“ bei der Firma „Arntzen-Leichtbau KG."
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