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(* 20. Juni 1893 in Berlin; + 09. Oktober 1955 in Berlin) war Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, als Rittmeister letzter Staffelführer der Jagdstaffel Boelcke und wurde später ziviler Fluglehrer.


Carl Bolle (auch Karl Bolle) wurde am 20. Juni 1893 in Berlin geboren. Sein Vater war der Kaufmann Johann Bolle, sein Großvater der berühmte Carl Andreas Julius Bolle (1832-1910, Milch-Bolle/Berlin), sein Vetter der Botaniker Friedrich Franz Bolle.

Carl Bolle besuchte das Humanistische Gymnasium in Berlin und machte 1912 das Abitur. Anschließend studierte er Nationalökonomie an der Universität Oxford. Hier zeichnete er sich durch seine sportlichen Leistungen besonders aus. Nach der Rückkehr aus England meldet er sich am 1. Oktober 1913 als Einjährig-Freiwilliger zum Halberstädter Saydlitz-Kürassier-Regiment Magdeburg Nr. 7. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er mit diesem Regiment an die Westfront versetzt, war in Belgien und Frankreich eingesetzt und erhielt als Vizefeldwebel das Eiserne Kreuz II. Klasse. Später war er Patrouillenreiter, bis er im Sommer 1915 infolge eines Hitzschlags nach Deutschland zurückkehren musste.

Im Winter 1915 wurde er zurück an die Westfront nach Dünaburg kommandiert. Da ihm der zum Grabenkrieg gewordene Erdkrieg nicht zusagte, meldete sich Bolle eigenmächtig mit Pallasch, Helm und in Reiterstiefeln beim Kommandeur der Flieger-Ersatzabteilung Döberitz, der ihn zunächst nicht übernehmen wollte. Im Januar 1916 jedoch wurde er der Fliegerabteilung I zugewiesen. In der Fliegerschule in Johannisthal erhielt er die Ausbildung zum Einsitzerflieger. Im April 1916 erfolgte die Versetzung zur Flieger-Ersatz-Abteilung 5 nach Hannover und im Juni 1916 zum Flugpark West in Tergnier. Dort war eine eigene Schule für Kampfgeschwader eingerichtet worden.


Im August 1916 wechselte Bolle an die Front zum Kampfgeschwader 4 (Kagohl 4). » Lothar von Richthofen, der später berühmt gewordene Bruder des bekannten Kampffliegers » Manfred von Richthofen, war zeitweise sein Beobachter. Bolles Gesuch, Jagdflüge auf schnellen wendigen Einsitzern durchzuführen, wurde abgelehnt. Bei einem Angriff fünf französischer Jagdeinsitzer wurde Bolles Maschine vollständig zerschossen; er musste notlanden, konnte seinen ebenfalls verletzten Beobachter noch bis zum nächsten Unterstand schleppen. Von April 1917 bis 20. Februar 1918 war Bolle Offizier zbV bei der Jagdstaffel 28, die Leutnant Karl-Emil Schäfer führte. Am 18. August 1917 schoss er über Kachten einen englischen de Havilland ab. In dieser Zeit lernte Carl Bolle auch den Offizierstellvertreter » Max Müller kennen, der nach einer Verletzung zur Abteilung kam.


Dem Staffelführer Hartmann, dem Nachfolger Schäfers, folgt Leutnant » Emil Thuy, der nun Carl Bolle zu seinem Stellvertreter ernannte. Nach einer Verletzung Thuys übernahm Bolle für kurze Zeit die Staffel. Am 20. Februar 1918 wurde er, nach „nur“ 5 Abschüssen, Führer der Boelcke-Staffel. Am 25. April 1918 hatte er nach einer Neuorganisation dieser Staffel seinen hier ersten und damit den 212. Abschuss der „Boelcke-Staffel“ erreicht. Am letzten Kampftag, dem 4. November 1918, schoss Carl Bolle in einem englischen Sopwith-Snipe bei Escanaffles seinen 36. Gegner ab und erhöhte damit die Staffel-Abschüsse auf 336. Neben dem Mecklenburgischen Militär-Verdienstkreuz erhielt Carl Bolle den Hohenzollern-Hausorden und am 21. August 1918 den » Pour le Mérite. Die Jagdstaffel „Boelcke“ führte er bis zur Demobilmachung in Braunschweig am 23./24. November 1918.

Danach bereitete Bolle in Deutschland die Schaffung einer Friedensfliegertruppe vor. Durch den Vertrag von Versailles wurde die Realisierung jedoch verboten. Bolle trat in die Reichswehr ein und kam zum Allgemeinen Luftfahrtüberwachungs-Kommando. Nebenbei versuchte er, sein Studium weiter zu führen. Am 13. April 1923 schied er als Rittmeister aus der Reichswehr aus und trat 1916 als Direktor in die Deutsche Verkehrsfliegerschule ein. In dieser Zeit unternahm er verschiedene Versuche mit Schweröl-Flugmotoren. Als 1933 das Reichsluftfahrtministerium aufgebaut wurde, wurde Carl Bolle zur Mitarbeit aufgefordert. Da ihm diese nicht zusagte, zog er sich in einen privaten Beruf zurück.

Während des Zweiten Weltkrieges war er Berater der Luftwaffe. Nach dem Krieg arbeitete er als Fluglehrer und wurde Direktor der deutschen Flugtransportschule. Carl Bolle starb am 9. Oktober 1955 in Berlin, wurde nach Hamburg-Blankenese überführt und auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.

Siehe auch:
» Datenbank der Jagdstaffel 2

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