(* 31. Januar 1892 in Walsum bei Hamborn/Rheinland, + 23. Januar 1946 in Rheinberg) war Lehrer und wurde im Ersten Weltkrieg Jagdflieger. Er verlor bei einem Luftkampf das linke Auge und hatte bis Kriegsende 36 Abschüsse zu verzeichnen.
Heinrich Bongartz wurde am 31. Januar 1892 in Walsum geboren. Sein Vater war Landwirt. In seinem Geburtsort besuchte Heinrich Bongartz das Realgymnasium und später das Lehrer-Seminar. In der Hohenzollernschule in Hamborn nahm er eine Stelle als Lehrer an. Von April 1913 bis April 1914 absolvierte Bongartz dann seine militärische Dienstzeit beim Hacketäuer Infanterieregiment Nr. 16 in Mühlheim.
Von Kriegsbeginn bis August 1916 und machte er Fronteinsätze als Infanterist beim Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 13 mit, u.a. in der „Hölle von Verdun“. Hier wurde er zum Offizier befördert. Seinem Gesuch, Flieger zu werden, wurde im Juli 1916 stattgegeben. Gleichzeitig wurde Bongartz zur Feldfliegerabteilung 5 Hannover versetzt. Im August 1916 begann seine Ausbildung zum Flugzeugführer in Hamburg-Fuhlsbüttel und Hannover. Er benötigte dafür die kürzeste Frist und erhielt eine Sonderprämie.
Im Oktober 1916 wurde Bongartz als Flugzeugführer in den Westen beordert und gehörte während der großen Sommeschlacht als Bombenflieger zu dem von Hauptmann Pfeiffer geführten Kampfgeschwader 5 der Obersten Heeresleitung (OHL). Nach dessen Ablösung wechselte er von Januar bis März 1917 zur Schutzstaffel 9 (Schusta 9). Auf Vorschlag des PlM-Fliegers » Albert Dossenbach wurde Bongartz zu dessen neu aufgestellter Jagdstaffel 36 versetzt. Am 6. April 1917 verantwortete Bongartz den ersten Abschuss, Anfang November 1917 bereits den zwanzigsten. Nach Genesung von einer schweren Verletzung wurde er mit der Führung der Jagdstaffel 36 beauftragt, am 2. Dezember 1917 folgte sein 27. Abschuss. Der Kaiser verlieh ihm daraufhin am 23. Dezember 1917 persönlich den Orden » Pour le Mérite.
Im Frühjahr 1918 nahm Bongartz, dessen Staffel dem Jagdgeschwader 3 von » Bruno Loerzer zugeteilt worden war, an den Luftschlachten während der großen Kaiserschlacht teil. Hier erhöhte er die Zahl seiner Abschüsse auf 33 und wurde damit nach dem Tod von » Manfred von Richthofen derjenige der lebenden Kampfflieger mit den meisten Abschüssen.
Am 29. April 1918 erhielt Bongartz bei einem heftigen Luftkampf mit seinem Fokker-Dreidecker DR.I gegen ein englisches Marinegeschwader (der gegnerische Schütze war Clive Glynn mit seiner S.E.5a.) über dem Kemmel einen Kopfschuss und verlor das linke Auge. Dies war seine sechste Verletzung als Flieger während des Krieges. Bongartz hatte bisher 36 Abschüsse zu verzeichnen.
Nach seiner Heilung wurde er Leiter der Flugzeug-Prüfstelle in Adlershof, wo er von der Revolution überrascht wurde. Er kämpfte gegen die Spartakisten und wurde am 9. November 1918 wieder schwer verwundet. 1919 schied Bongartz daher aus dem Heeresdienst aus, blieb aber bei der Fliegerei. In Gelsenkirchen war er Flugplatzleiter bei der Deutschen Luftreederei (DLR). Bei einem Schauflug stürzte er ab und überlebte.
Als in Folge des Versailler Vertrages Gelsenkirchen als Stützpunkt des sich entwickelnden deutschen Luftverkehrs aufgehoben werden musste, wechselte Bongartz zu einer norddeutschen Mineralölraffinerie und wurde Verkaufsdirektor. Während des rechtsgerichteten Kapp-Putsches beteiligte sich Hauptmann Bongartz auch an den Ruhrkämpfen. Danach zog er sich in das Zivilleben zurück, blieb jedoch begeisterter Flieger und betätigte sich später als Berater der neu gegründeten Luftwaffe.
Im Zweiten Weltkrieg war er als Oberleutnant von 1941 bis 1942 in Pleskau (Pskow (russisch: Псков) an der Ostfront, wurde dann Nachtjägerkommandant in Grove/Dänemark und übernahm 1944 ein Nachtjägerkommando in Finnland. Heinrich Bongartz überlebte den Zweiten Weltkrieg, starb am 23. Januar 1946 in Rheinberg und wurde auf dem Friedhof in Duisburg beigesetzt.
|


