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(* 06. April 1891 in Brilon, + 17. Mai 1964 in Münster) war Beobachter bei der Bombenstaffel 12 (Bogohl 2) und erhielt nach Kriegsende rückwirkend den Orden „Pour le Mérite“ verliehen.

Ein Portrait von Gastautor und Enkel Dr. Mark Oliver Kersting.

Rudolf Kersting wurde am 6. April 1891 in Brilon als Sohn des Hauptlehrers Theodor Kersting und dessen Ehefrau Auguste Kloke geboren. Nach Besuch von Volksschule und Gymnasium in Brilon (Sekundarreife) wollte er zunächst Ingenieur werden. Zur Vorbereitung auf diesen Beruf absolvierte er ein 9 monatiges Praktikum bei einer Schlosserei. Wegen befürchteter Überfüllung des Ingenieur – Berufszweigs entschloss er sich dann, Lehrer zu werden, einen Beruf, den er später zeitlebens ausübte. Nach dreijährigem Lehrerseminar in Küthen bestand er am 12. August 1914 die erste Lehrerprüfung.

In seiner ersten Verwendung zu Beginn des ersten Weltkrieges wurde er vom 26. November 1914 bis zum 21. Dezember 1914 bei der Infanterie an der Ostfront in Galizien eingesetzt, wo er verwundet wurde. In den letzten Augusttagen 1915 reiste er von Mainz an die Westfront in Frankreich und nahm dort bis zum Waffenstillstand am 30. November 1918 an den Kämpfen teil.


Die Einzelheiten der rückwirkenden Verleihung des » Pour le Mérite sind noch nicht abschließend aufgeklärt. Nach Überlieferungen in der Familie ist die Auszeichnung im Zusammenhang mit den Bombardierungen von Paris, insbesondere einem Angriff, bei dem sich das Flugzeug von Rudolf Kersting allein über Paris befunden haben soll, erfolgt. Nach französischen Quellen (Jules Poirier, Les Bombardements de Paris 1914-1918, Payot, Paris 1930) gelang es bei der zweiten Angriffswelle in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 1918 um 1:24 morgens von 30 angreifenden deutschen Bombenflugzeugen in der Tat nur einem deutschen Flugzeug, die Sperrgütel zu durchbrechen und unter anderem zwei Bomben auf den Bahnhof von Austerlitz abzuwerfen; eine Bombe traf die Bahnhofshalle, die andere verursachte einen großen Bombentrichter auf den Gleisen. Nachdem die Aushändigung des Ordens wegen des eingetretenen Kriegsendes zunächst nicht mehr erfolgen konnte, wandte sich Rudolf Kersting an den Kronprinzen, der über seinen Adjutanten Müldner von Mülnhausen aus seinem Exil in Wieringen mitteilen ließ, dass er die Verleihung nicht mehr selbst vornehmen könne, sich aber wegen der Verleihung des Ordens an das Kriegsministeriums wenden werde. Inwieweit Rudolf Kersting den Kronprinzen im Kriegsverlauf persönlich kennengelernt hatte und dieser sich deshalb besonders für die nachträgliche Aushändigung des Ordens einsetzte ist nicht bekannt. Nach einem Zeitungsausschnitt vom 28. März 1920 erfolgte die Verleihung dann am 27. März 1920. Die Verleihungspapiere wurden leider schon durch Rudolf Kersting selbst verloren, der Orden ist bis heute in Familienbesitz.

Ende des Jahres 1916 wechselte er von der Infanterie zur Fliegertruppe und absolvierte vom 19. Dezember 1916 bis zum 20. Januar 1917 die Ausbildung zum Beobachter an der Beobachter Vorschule in Breslau (Oder). Danach war er Beobachter und stellvertretender, technischer Offizier bei dem Bogohl 2 Bombenstaffel 12, die durch Oberleutnant Niezoldi geführt wurde. Die Einheit war zunächst in Metz Freskaty stationiert, ab dem 21. Oktober 1917 in Clermont les Fermes. Neben seinen Beobachtereinsätzen beschäftigte sich Rudolf Kersting mit allen praktischen Arbeiten des Flugzeug-Aufbaus, Reparaturen und Überholen von Motoren, allen vorkommenden Schweiß-Arbeiten sowie allen Arbeiten in der Stellmacherei, im Flächenbau, in der Waffen-Meisterei und beim Autobau.


Nach Kriegsende war Rudolf Kersting ab Januar 1919 als Lehrer an der katholischen Volksschule „Prinz von Preußen“ in Altenbochum tätig. Im November 1919 heiratete er Victorine Helmer, die er während seiner Stationierung in Metz kennengelernt hatte. Am 29. November 1921 legte er die zweite Lehrerprüfung ab. Vom 1. Dezember 1922 an lehrte er an der gewerblichen Berufsschule in Bochum zunächst auftragsweise. Die Gewerbelehrer-Prüfung bestand er nach einem begleitenden Studium an der philosophischen Fakultät der Universität in Köln am 31. Juli 1924. Im November 1924 fand er eine feste Anstellung als Gewerbeoberlehrer an der gewerblichen Berufsschule in Bochum. Dort leitete er unter anderem eine Jungfliegergruppe. 1938 übernahm er als Direktor der Städtischen Berufsschule in Castrop-Rauxel deren Leitung.

Rudolf Kersting besaß seit 1934 – für die damalige Zeit ungewöhnlich - einen Ford V 8 Roadster und unternahm mit Frau und Sohn zahlreiche Reisen, unter anderem nach Österreich.

Während des 2. Weltkriegs war er aufgrund seiner Lehrtätigkeit unabkömmlich gestellt. Gegen Kriegsende musste er im Volkssturm noch an den letzten Kampfhandlungen teilnehmen und geriet in französische Gefangenschaft.

Nach dem 2. Weltkrieg war er bis zu seiner Pensionierung in Castrop Rauxel als Lehrer an der dortigen Berufsschule tätig.

Datum  Ereignis 
24.09.1914   als Ersatz-Rekrut Ersatz-Bataillon Füsilier Regiment R 80 
26.11.1914  Zum Reserve-Infanterie-Regiment 223 
16.12.1914  Sturmangriff auf Bedkow 
20.03.1915  I. Ersatz-Bataillon Infanterie-Regiment 97 
24.08.1915 bis
05.10.1915 
Kämpfe zwischen Maas und Mosel am Montsec 
06.10.1915 bis
17.03.1916 
Im Bois Brulé 
31.05.1915 bis
06.08.1915 
Ausbildungskurs für Offiziers-Aspiranten Truppen-Übungsplatz 
05.07.1915   Zum Unteroffizier befördert 
30.07.1915  Zum Vizefeldwebel befördert 
07.08.1915  Zum Leutnant der Reserve befördert 
24.08.1915  Zum XXI Armee-Korps Saarbrücken ins Feld 
26.08.1915  Im Feld 7. Garde-Infanterie-Regiment 
19.03.1916 bis
11.04.1916 
Fresnes 
12.04.1916 bis
23.04.1916 
Champlon 
24.04.1916 bis
29.08.1916 
Schlacht vor Verdun 
09.05.1916 bis
31.06.1916 
Kämpfe im Chapitrewald 
23.07.1916 bis
31.08.1916 
Kämpfe zwischen Maas und Mosel 
08.12.1916  Kommandiert zur Flieger-Ersatz-Abteilung 11 gemäß Kdo fea II 283 198a vom 08.12.1916 
10.12.1916 bis
13.12.1916 
Stellungskämpfe vor Verdun 
13.12.1916  Zum 6. Garde-Infanterie-Regiment versetzt 
03.03.1917  Gemäß Kdo Schul II 732523 vom 3. 3. 1917 bei Flieger-Ersatz-Abteilung 4 zur Ausbildung als Beobachter eingestellt 
10.03.1917 bis
21.05.1917  
Doppelschlacht Aisne-Champagne 
20.03.1917  Gemäß Kofea 4/250 421/10.1 zum Kampf-Geschwader 2 versetzt 
23.05.1917 bis
12.08.1917  
Luftangriffe auf das Industriegebiet von Nancy 
13.08.1917 bis
19.10.1917  
Stellungskämpfe vor Verdun 
20.10.1917 bis
23.10.1917  
Stellungskämpfe am Chemin de Dames 
24.10.1917 bis
02.11.1917  
Nachhutkämpfe an der südlichen Ailette 
24.11.1917 bis
29.11.1917  
Tankschlacht bei Cambray 
30.11.1917 bis
07.12.1917  
Angriffsschlacht Cambray 
08.12.1917 bis
18.12.1917  
Kämpfe in der Siegfriedstellung 
19.12.1917 bis
06.02.1918  
Stellungskämpfe bei Reims 
08.03.1918 bis
09.03.1918 
Geschwaderangriff auf die Stadt Paris  
21.03.1918 bis
09.04.1918 
Grosse Schlacht in Frankreich 
10.04.1918 bis
26.05.1918 
Stellungskämpfe nördlich der Ailette 
27.05.1918 bis
28.05.1918 
Geschwaderangriff auf die Stadt Paris 
27.05.1918 bis
23.06.1918  
Schlacht bei Soisson und Reims 
14.06.1918 bis
11.11.1918  
Stellungskämpfe zwischen Oise und Somme, und Rückzugskämpfe bis zum Waffenstillstand 
30.11.1918  Vom Ersatz/6. Garde-Infanterie-Regiment nach Brilon Bochum Meschede entlassen 


Auszeichnungen:

  • Eisernes Kreuz der 2. Klasse am 07.11.1915
  • Beobachter-Abzeichen am 21.05.1917
  • Eisernes Kreuz der 1. Klasse am 11.02.1918
  • Kreuz der Ritter des königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern am 06.11.1918
  • Verwundetenabzeichen in Schwarz am 18.09.1918
  • » Pour le Mérite am 27.03.1920
Orden "Pour le Mérite"

Hier sehen Sie ein Foto des Orginal Ordens der nachträglich für die fünf Bombenangriffe auf Paris an Rudolf Kersting verliehen wurde. Der Orden ist heute im Besitz der Familie. Die Verleihungsdokumente sind leider nicht mehr vorhanden und wurden bereits von Rudolf Kersting verloren. Der Orden wurde vermutlich nachträglich am 27. März 1920 auf Antrag des Kronprinzen durch den Kriegsminister verliehen.  


Der Verfasser dankt Dieter H. M. Gröschel und Steve Beth Suddaby aus dem Expertenforum von » www.overthefront.com für wertvolle Hinweise zur Entschlüsselung des Kriegsranglistenauszugs und den Hintergründen zu den Bombenangriffen auf Paris.

Siehe auch:
» Fotoalben von Rudolf Kersting (412 Bilder)

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Kommentar: 1 von Charlotte Lugmayr-Frantz erstellt am : 03.06.2010 13:15 gespeichert
Danke für den sehr interessanten Bericht.
Mit lieben Grüßen aus Österreich
Charlotte Lugmayr - Frantz
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