(* 10. März 1867 in Flensburg; + 05. August 1942 auf Sylt) war als Chef des Flugwesens im Generalstab des Ersten Weltkrieges für die Integration und Ausstattung der neuen Flieger-Waffengattung zuständig.
Hermann von der Lieth-Thomsen stammt aus einer friesischen Bauernfamilie und wurde am 10. März 1867 in Flensburg geboren. Dort besuchte er das Gymnasium und machte 1887 Abitur. Mathematik, Physik und Geografie waren seine Lieblingsfächer.
1887 trat Lieth-Thomsen als Fahnenjunker in das Pionierbataillon Nr. 9 in Rendsburg ein. 1889 wurde er zum Leutnant befördert und war bis 1897 Pionieroffizier in der Garnison Metz. 1897–1900 zur Kriegsakademie nach Berlin kommandiert, wechselte er anschließend 1901 in den Großen Generalstab nach Berlin. Diesem gehörte er bis Kriegsbeginn an, mit Ausnahme der Jahre 1903–1905, in denen er Kompaniechef im Pionier-Bataillon Nr. 19 in Straßburg war.
Schon in den ersten Kriegsmonaten wurde es für notwendig erachtet, die Fliegerwaffe, die nun erstmalig eines der Kriegsmittel war, für die verschiedenen Zwecke (Erkundung, Bombenangriff, Luftkampf) in Sonderformationen einzuteilen und sie entsprechend mit Erkundungs-, Kampf- und Angriffsmitteln auszustatten. Mit dieser Neuorganisation wurde Major Lieth-Thomsen, zum Feldflugchef ernannt, im März 1915 beauftragt.
Im Krieg war Hermann von der Lieth-Thomsen zunächst Generalstabsoffizier in Posen. Zu seinen Aufgaben gehörten die operative Auswertung der Aufklärungsfahrten des Luftschiffes Z5 gegen Warschau und die Erkundung des Vormarsches der Narew-Armee. Im September 1914 wurde er erster Generalstabsoffizier (Ia) beim Generalkommando des neu aufgestellten Reservekorps XXIV, das in den Schlachten um Ypern und an der Ostfront bei Lodz und Tomaschow sowie seit Anfang 1915 an der Karpatenfront eingesetzt war.
| Exzellenz » Ernst von Hoeppner, kommandierender General der Luftstreitkräfte und sein Oberstleutnant Hermann von der Lieth-Thomsen (Sanke Postkarte Nr. 600) |
Mit der Berufung zum "Chef des Flugwesens" im März 1915 kam Lieth-Thomsen in das Große Hauptquartier und wurde der Obersten Heeresleitung (OHL) zugeteilt. Im Herbst 1916 wurde er bei der Bildung des Stabes eines Kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte zum Chef des Generalstabs (Kogohl) der Luftstreitkräfte ernannt. 1918 erfolgte seine Beförderung zum Oberst.
Als Feldflugchef ab Frühjahr 1915 unterstand Lieth-Thomsen die Neugliederung der Flugverbände an der Front und in Deutschland, deren technische Entwicklung und Ausstattung, die Verbesserung der Ausbildung und Schulung der Flugzeugführer und Beobachter. Hinzu kamen die straffere Gestaltung des Nachschubes, die Mobilisierung der deutschen Luftfahrtindustrie, die Anbindung der Heimatverbände an die Frontverbände und ihren erhöhten Personal- und Materialbedarf sowie später noch der Ausbau des Heimatluftschutzes, vor allem im Westen Deutschlands und die Versorgung der Verbündeten mit Flugzeugen und Flug-Personal. Zunehmende Schwierigkeiten ergaben sich im Kriegsverlauf durch die Knappheit an Rohstoffen und Betriebsmitteln.
Nach Auflösung der deutschen Fliegertruppen schied Lieth-Thomsen 1919 aus dem Heer aus und arbeitete bis 1928 im In- und Ausland als Luftfahrtsachverständiger.
Hier bekannte Stationen in der Zeit des Naziregimes:
1934: auf Erlass des Luftfahrtministers Ernennung zum „Ehrenführer der Luftfahrt“ Oktober
1935: bei der Eröffnung des Neubau des Reichsluftfahrtministeriums: besondere Ehrung als Führer der Feldflieger (zusammen mit Siegert), Büsten wurden enthüllt und zwei Lufthansa-Maschinen auf ihren Namen getauft
November 1935: Ernennung zum Generalmajor unter gleichzeitiger Anstellung in der Luftwaffe
5. August 1942: Tod im Alter von 75 Jahren; obwohl erblindet, bis dahin noch immer aktiver Luftwaffenoffizier, als „Vater der Luftstreitkräfte“ bezeichnet. Lieth-Thomsen wurde auf dem Invalidenfriedhof Berlin bestattet.
Während seiner Dienstzeit erhielt er folgende Orden:
Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
Königlicher Hausorden von Hohenzollern
Ritterkreuz mit Schwertern
Pour le Mérite (8. April 1917)
Ehrenkreuz für Frontkämpfer
Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. bis I. Klasse
Gemeinsames Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen
|


