(* 20. Februar 1877 in Görlitz, + 25. Februar 1956 in Ottenhain/Region Zittau-Görlitz) war Flugzeugführer im Ersten Weltkrieg, für den Bau von ca. 40 Militär-Flugplätzen zuständig, Berater der bulgarischen Fliegereinheiten und Helfer bei der Rettung jüdischer ZwangsarbeiterInnen im Zweiten Weltkrieg.
Horst v. Minckwitz wurde am 20. Februar 1877 in Görlitz geboren. Er war das zweite Kind von Elisabeth v. Minckwitz geb. Wolff von Schutter und ihrem Ehemann Benno. Die Familie lebte auf ihrem Gut in Nowosiolki in den Galizischen Karpaten. Da wegen des abgelegenen Wohnortes ein Schulbesuch nicht möglich war, wurden Horst v. Minckwitz und seine Geschwister von Privatlehrern im Gut unterrichtet.
Ostern 1889 schickten ihn seine Eltern in das Königlich-Sächsische Kadettencorps nach Dresden. Im März 1897 beendete v. Minckwitz als Fähnrich die dortige Ausbildung und wurde in das Füsilierregiment „Prinz Georg 108“ übernommen. Im November 1897 wurde er zur königlichen Kriegsschule nach Neiße geschickt, an der er 1898 das Abschlusszeugnis erhielt.
Im August 1898 wurde Horst v. Minckwitz zum Unterleutnant (Sekonde-Lieutenant) befördert und als Bataillonsadjutant für vier Jahre nach Dresden zur Munitionsfabrikation versetzt. Zwischenzeitlich erhielt er ein Truppenkommando und wurde zum Oberleutnant befördert. Nach fünfjährigem Dienst bei der königlich-preußischen Gewehrprüfungskommission in Berlin-Spandau wurde v. Minckwitz bei diversen anderen Einheiten eingesetzt und meldete sich dann bei den Fliegertruppen.
In Leipzig erhielt er eine Ausbildung zum Flugzeugführer und Beobachter. Danach wurde er in Döberitz Leiter der 3. (K.S.) Kompanie des Fliegerbataillons I, das im März 1914 nach Großenhain verlegt wurde.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Horst Benno v. Minckwitz mit der Feld-Flieger-Abteilung (FFA) 24 als Führer und Beobachter an die Westfront kommandiert. Bei dieser Einheit flog er bis zum Dezember 1914 diverse Einsätze. Während dieser Zeit fungierte v. Minckwitz auch als Stabsoffizier als Berater der 3. Armee und erhielt hier das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse (EK II). Anschließend wurde er damit beauftragt, beim Aufbau der Fliegertruppe in Großenhain behilflich zu sein. Den dortigen Flugplatz baut er zu einer riesigen Ersatz-Abteilung aus und wurde Vorgesetzter der später berühmten Flieger, wie z. B. Manfred von Richthofen und Rudolf Windisch.
Im August 1915 wurde v. Minckwitz auf Befehl der Obersten Heeresleitung (OHL) nach Berlin versetzt, um im dortigen Bauausschuss mitzuwirken. 1916 folgte seine Versetzung zum Leiter der Bauabteilung-Inspektion-Fliegertruppen nach Berlin. Hier leitete v. Minckwitz den Auf- und Ausbau von ca. vierzig Flugplätzen im Deutschen Reich. 1917 wurde er zusätzlich Kommandeur der Königlich-Sächsischen Fliegerersatzabteilung (FEA) 6 in Großenhain. Während dieser Tätigkeit wurde v. Minckwitz auch Berater des Bulgarischen Militärs und unterstützte dort die bulgarischen Verbündeten bei der Planung zum Bau und zur Einrichtung eines Fliegerstandortes in Sofia. Dort entstand eine Pilotanlage für die ebenfalls neue bulgarische Fliegertruppe, die für das Balkangebiet als mustergültig galt.
Zu Ende des Krieges wurde er als Brigadekommandeur nach Dresden versetzt, zuständig für die Fliegertruppen „Flieger im Heimatgebiet Nr. 5“.
Horst Benno Adolf v. Minckwitz heiratete am 18. April 1917 Lonny v. Wilmowski.
1919 schied v. Minckwitz hochdekoriert * aus dem aktiven Militärdienst aus und erwarb in der Nähe von Großenhain ein landwirtschaftliches Areal mit einem Gartenbaubetrieb, den er professionell ausbaute. 1927 wurde der Betrieb verpachtet. 1937 zog die Familie nach Ottenhain/Oberlausitz.
Im Zweiten Weltkrieg musste sich v. Minckwitz als Oberstleutnant z.b.V. reaktivieren lassen. Militärisch war er in dieser Zeit nicht aktiv. Im Bereich der Heeresgruppe Mitte wurde er mit der Aufsicht über die gärtnerischen Anlagen mehrerer Güter beauftragt, die für die Lazarettversorgung zuständig waren. Hier soll er erfolgreich jüdischen und polnischen Zwangsarbeitern geholfen haben. Auf Grund dieser Tatsache musste er verbittert "aus Altersgründen" seinen Abschied nehmen. Danach wurde er Leiter der Werksküchengärtnerei Hyrawka bei der Karpaten Öl AG in Lemberg. Hier mussten auf 45 ha ca. 150 - vor allem jüdische - ZwangsarbeiterInnen schuften.
Der Leiter der gesamten Anlage war der Gebietslandwirt aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie, Major Eberhard Helmrich, der dort mit seiner Ehefrau Donata lebte. Die Ehepaare v. Minckwitz und Helmrich (Eltern der FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen) versuchten, jüdische ZwangsarbeiterInnen zu retten und setzten damit ihr Leben aufs Spiel. In der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem wird Eberhard Helmrich als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.
Horst v. Minckwitz musste seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beenden und zog mit seiner Familie wieder nach Ottenhain.
In einer Familienchronik wird über den Umgang des DDR-Regimes festgehalten:
„Das sog. Mühlengrundstück mit 1600 qm in Lausitz im Kreis Löbau wurde 1948 aufgrund des SMA-Befehls 124 (Anm.: Sowjetische Militäradministration) enteignet, weil er der 'Träger eines bekannten adeligen Namens' war. Schikanös und entwürdigend waren die Hausdurchsuchungen, die im Juni und Juli 1950 durchgeführt wurden. In dem Bericht der Volkspolizei vom 20.06.50 heißt es dazu: 'Alle Räumlichkeiten des Horst v. Minckwitz zeigen noch bis ins kleinste Winkelchen den alten preußischen Geist. Als ehemaliger hoher Offizier ist Minckwitz jetzt noch durch und durch Militarist.' Und in einem Schreiben der Volkspolizei an das MfS Dresden vom 10.07.50 wird Horst v. Minckwitz als 'alter reaktionärer Offizier vom preußischen Typ charakterisiert. Die Durchsuchungen, die mit Beschlagnahmungen und Versiegelungen von Schränken usw. einhergingen, fanden statt in Anwesenheit des inzwischen 73 Jahre alten Horst Benno, seiner Ehefrau und seiner schwangeren Tochter Gisela.“
Horst Benno Adolf v. Minckwitz starb am 25. Februar 1956 in Ottenhain. Zu seinen Ehren wurde die Straße, die am Flugplatz vorbei führt, in "Major v. Minckwitz-Allee" umbenannt.
* an v. Minckwitz im Ersten Weltkrieg verliehene Orden:
- Kgl. preuß. Roter Adlerorden 4. Klasse
- Kgl. preuß. Kronenorden 4. Klasse
- Eisernes Kreuz 2. Klasse
- Eisernes Kreuz 1. Klasse
- Ritterkreuz 1. Klasse des Kgl. sächs. Albrechtsorden mit Schwertern
- Ehrenkreuz für Heimatverdienste des Großherzogtums von Sachsen-Weimar-Eisenach
- Ritterkreuz 1. Klasse des Herz. Ernest Hausordens mit Schwertern
- Ritterkreuz 1. Klasse des Württ. Friedrich-Ordens mit Schwertern
- Lübeckisches Hanseatenkreuz
- Ritterkreuz des österr. K.u.K. Franz-Joseph-Ordens
- Kgl. bayerischer Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern
- Kgl. preuß. Militär-Verdienst-Orden 4. Klasse mit Krone und Schwertern
- Beobachterabzeichen
- Offizierskreuz d. Rum. Kronenordens
- Grossherzogl. Mecklenburgischer Greifen-Orden
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