(* 23. Februar 1892 in Berlin + 1. Oktober 1915) war Flugzeugführer im Ersten Weltkrieg und kam nach einem Flugunfall am 26. September 1915 auf dem Flugplatz Breslau-Gandau ums Leben.
Chasanowicz wurde im Jahre 1892 als Sohn russisch jüdischer Migranten geboren. Er studierte an der Technischen Hochschule in Charlottenburg, wo er auch sein Diplom-Ingenieur-Examen ablegte. Zu Beginn des des Krieges meldete er sich, obwohl er Russe war – sein Vater stammt aus Grodno – freiwillig als Motorradfahrer bei verschiedenen Truppen, wurde aber abgewiesen, da er herzkrank sei. Er ließ sich in die Königl. Charité in Berlin daraufhin untersuchen, und hierbei wurde festgestellt, daß zwar eine beträchtliche Herzneurose, aber kein ausgeprägter Herzfehler vorliege. Daraufhin meldete er sich nochmals bei der Fliegerabteilung in Adlershof-Johannisthal; er wurde zum 1. Februar 1915 eingestellt. Zuerst wurde er als Infanterist in Alt-Glienicke bei Adlersdorf ausgebildet. Auf der Fliegerschule in Johannisthal machte er sein Pilotenexamen und wurde dann als Flugzeugführer zur Artillerie-Beobachterschule nach Jüterborg, Altes Lager, abkommandiert. Von dort aus unternahm er größere Überlandflüge. Auf einem solchen Flug verunglückte er am 26. September 1915 beim Aufstieg auf dem Flugplatz in Breslau (Gandau) und starb im dortigen Lazarett am 1. Oktober 1915. Er wurde 5 Tage später nach der Verlustmeldung 349 in Weißensee auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt .Über seine Fahrt nach Breslau gibt sein letzter Brief vom 25. September 1915 näheren Aufschluß:
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Beslau, den 25. August 1915 Liebe Eltern! Nach einer durch wunderschönes Wetter begünstigten Fahrt von vier Stunden bin ich glücklich in Breslau angekommen. Eine solch schöne Fahrt habe ich noch nie gemacht, denn heute konnte ich recht die Freuden des Luftsportes kennen lernen. Ich flog über den Spreewald, über die Schlesische Seenplatte und die großen schlesischen Städte, die sich endlos an den Chausseen entlangziehen. Doch den schönsten Anblick genoß ich, als sich am Himmel, immer deutlicher werdend, das Riesengebirge dunkelblau schimmernd vom hellblauen Himmel abhob. Hoch hinaus ragte die Schneekoppe, der ich zu gern einen Besuch in der Luft abgestattet hätte. Wunderschön kam dann hinter dem Riesengebirge das Glatzer Bergland und die Böhmischen Höhenrücken hervor, so daß ich das schönste Panorama genoß. Als ich die Oder erreichte, auf der die Schiffe wie kleine Punkte aussahen, wurde es zwar schlechtes Wetter, doch ich kam glücklich in Breslau an. Wenn auch der Flug etwas anstrengend war, so war er doch der schönste, den ich bis jetzt gemacht habe. Ich habe einen Leutnant mit, der gerade nicht allzu nett ist, aber das stört mich nicht. Er kam nämlich auf diese Weise per Flugzeug zu seiner Großmutter zu Besuch, um ihr zu ihrem heutigen 75. Geburtstage zu gratulieren. Er wird sich sicherlich schon genug dort aufgeblasen haben, was er alles kann; sich sein Flugzeug anspannen lassen und dann „Kutscher auf, nach Breslau geflogen“…. Den zweiten Genuß bot mir die Stadt Breslau. Ja, wenn ich nun hier längere Zeit bleiben könnte, um das alles in mich aufzunehmen, was die Stadt architektonisch bietet, und was ich jetzt erst richtig verstehen uns schätzen kann, dann würde ich unendlich viel lernen. Vielleicht, daß ich bitte, mich für einige Wochen nach Breslau zu versetzen. So konnte ich nur alte Erinnerungen auffrischen und konstatieren, daß ich recht viel behalten habe, so daß ich sogar die Straßen und die Lage der einzelnen Gebäude noch wußte. Hier merkt man auch sehr wenig vom ‚‘Krieg. Die Leute bummeln auf den Hauptstraßen wie auf der Tauentzien, und auch ich werde mit heute abend den Rummel ansehen. Ich wohne direkt fürstlich gegenüber dem Soldatenquartier in dem feinsten Hotel, in einem Damensalon mit Waschtoilette, Frisierspiegel und Toilette; Spiegelschrank und noch ein paar Spiegel, Damenschreibtisch mit zierlichen Möbeln, elegantes Bett mit wundervollen Gobelin-Dekorationen darüber und lauter feine Sachen, natürlich ekektrisch, Telephon, Bad, das ganze Zimmer mit Friesteppich ausgelegt, also wie ein Fürst, und das ganze auf Rechnung meines Leutnants, als Kutscherlohn für die Reise. Morgen früh geht es nach Dresden weiter und werde dort am Sonntag über bleiben. Vor allem danke ich für das Paket und die „süßen“ Wollsachen, die leider schon alle sind. Nun seid alle vielmals gegrüßt und geküßt von Eurem Arthur, Königl. Luftkutscher |
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