(* 05. Oktober 1887 in Blindgallen/Ostpreußen (16.7.1938 umbenannt in Schneegrund Blindischken, heute Polen), + 11. Dezember 1928 über Stendal) wurde zum Flugzeugführer ausgebildet und überlebte er an der Westfront zwei Abstürze.
Gustav Dörr wurde am 5. Oktober 1887 in Blindgallen/Ostpreußen geboren. Sein Vater war der Bauunternehmers Johann Dörr. Nach dem Besuch der Bauschule trat Gustav Dörr 1905 bei der Firma Krupp in Essen ein und lernte Maschinenbau. Im Herbst 1908 wurde Dörr zum Militärdienst beim Infanterie-Regiment 176 in Thora eingezogen. Nach einem Jahr wurde er Gefreiter, im zweiten Jahr zum Unteroffizier befördert.
Im August 1914 rückte Dörr mit der 1. Kompanie seines Regimentes als Sergeant in den Krieg und wurde am 20. August 1914 in der Schlacht bei Gumbinnen durch Beckenschuss schwer verletzt. Im Dezember 1914 rückte er zum zweiten Mal aus und wurde am 17. Februar 1915 bei einem Sturmangriff an der Rawka durch Bajonettstich in die rechte Hüfte zum zweiten Mal verletzt. Am 1. Mai 1915 wurde er aus dem Garnisonslazarett Naumburg als geheilt zu seinem Ersatz-Batl. I.R. 176 entlassen. Auf ein Rundschreiben des Kriegsministeriums meldete er sich noch im Mai 1915 zur Ausbildung als Flugzeugführer und wurde im Juli 1915 nach Döberitz einberufen.
Seine Ausbildung erfolgte in Döberitz und Gotha bei der Flieger-Ersatz-Abteilung 3 bis Februar 1916. Am 10. März 1916 rückte er als Flugzeugführer zum Park B zur Westfront aus. Nach acht Tagen erfolgte seine Versetzung zur Feldfliegerabteilung 68 nach Habsheim, bei der sich auch » Ernst Udet noch als Vizefeldwebel befand. Im Juli 1916 wurde er, zu Beginn der Somme-Schlacht, als Engländer und Franzosen die Luftherrschaft besaßen, mit seinem Beobachter, Oberleutnant Serger zur Fliegerabteilung 6 dorthin versetzt. Noch vor der Versetzung erhielt Dörr das Eiserne Kreuz der 2. Klasse und das Flugzeugführerabzeichen.
Bei der Abteilung 6, später 257, stürzte Dörr im Juni 1917 bei einem Frontflug an der Aisne aus 1400 m Höhe infolge Höhensteuerbruchs ab. Dabei zog er sich einen 6-fachen Unterkieferbruch zu, sein Beobachter, Leutnant Bohn, war tot. Am 22. Dezember wurde Dörr zum Offizierstellvertreter befördert und erhielt bald darauf das Eiserne Kreuz der 1. Klasse.
Nach dreimonatiger Behandlung in der Universitätsklinik Halle wurde Dörr als wieder hergestellt zur Flieger-Ersatz-Abteilung (FEA) 1 nach Altenburg versetzt. Hier war er von November 1917 bis Februar 1918 als Einflieger in der Werft tätig. Im Februar 1918 ging er wieder freiwillig als Jagdflieger an die Westfront, zur Jasta 45 der 5. Armee. Am 17. März 1918, bei seinem zweiten Frontflug als Jagdflieger, schoss er nach längerem Luftkampf (7 Deutsche gegen 26 Franzosen und Engländer) einen englischen Sopwith-Einsitzer über dem Hessenwald bei Verdun ab. Später wurde die Staffel zur 7. Armee versetzt und Dörr schoss an der neuen Front im April 1918 als erster der Staffel ein zweites Flugzeug ab. Beim Vormarsch gegen die Marne am 28. Mai 1918 wurde Dörr beim 3. Abschuss von französischen UR-Doppelsitzern aus 400 m Höhe mit der Albatros DVa brennend abgeschossen und musste zwischen der französischen und der deutschen Stellung, die nur max. 400-500m voneinander entfernt waren, bei Fismes notlanden. Trotz heftigen Beschusses überlebte Dörr mit nur geringen Brandwunden. Am 29. August 1918 wurde ihm nach dem 18. Abschuss das goldene Militär-Verdienstkreuz verliehen, mit dem 21. Abschuss wurde er zum Offizier vorgeschlagen und nach dem 30. Abschuss dann befördert. Am 25. Oktober 1918 erfolgte seine Eingabe zum Pour le mérite. Am 4. November 1918 schoss Dörr seinen letzten Gegner, den 35., ab. Am 17. Januar 1919 erhielt Dörr nachträglich den Orden » Pour le Mérite.
Mit Schaffung des deutschen Luftverkehrs wurde Dörr Verkehrsflieger und hatte für die Deutsche Lufthansa bis 1928 bereits 580.000 km zurückgelegt. die. Mit einer dreimotorigen Junkers G 31-Schlafwagenmaschine, D 1473 „Rheinland“, stürzte Dörr am 11. Dezember 1928 aus unbekannter Ursache über Stendal ab. Der einzige Passagier konnte sich retten. Flugzeugführer Dörr, der Bordmonteur Müller und der Funker Orgel starben in den Flammen. Er wurde auf dem Invalidenfriedhof in Berlin beigesetzt.
|


