(* 16. Juni 1890 in Wolfenbüttel + 1946 in Augsburg) war ein deutscher Beobachtungsflieger im Ersten Weltkrieg und erhielt den Pour Le Merite am 23. Dezember 1917.
Am 17.06.1890 geboren, besuchte Fricke das Wolfenbütteler Gymnasium, wurde dann als Neunzehnjähriger Fahnenjunker und 1911 Leutnant beim I.R. 77. Im Sommer 1912 fanden die großen Manöver am Truppenübungsplatz in Münster statt, wo Fricke erstmals Gelegenheit hatte zu fliegen.
Im Juli 1914 wurde er in die Fliegerschule Johannisthal kommandiert und machte einen Monat später seine erste Pilotenprüfung. Sofort danach meldete er sich als Beobachter an die Front. Am 5. September kam er mit seiner Abteilung ins Feld. Dort waren die Fronten schon erstarrt, aus dem Bewegungskrieg wurde der Stellungskrieg. Als Fricke den Auftrag erhielt, die Stellung einer feindlichen Batterie zu erkunden, dies aber mit bloßem Auge während des Fluges nicht erkennen konnte, verwendete er die Fliegerkamera, die während des Bewegungskrieges unnötig geworden war. So wurde Fricke einer der ersten, die Aufnahmen von feindlichem Gebiet machten. Fricke wollte nie Jagdflieger werden, sondern versuchte als Beobachter, die im Schützengraben kämpfende Artillerie zu unterstützen. Aus diesem Grund ließ er sich im Herbst 1915 zeitweise zu einem Infanterieregiment kommandieren, um hier Erfahrungen für seine weitere Beobachtertätigkeit zu sammeln.
Im Winter 1916/17 erhielt er den Auftrag, bei der 1. Armee eine Stabsbildabteilung einzurichten. Nach Definition des kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte (KoGenLuft) » von Hoeppner hatten die Fliegerabteilungen die Aufgabe, die feindlichen Stellungen bis weit in deren Tiefzonen hinein im Lichtbild aufzunehmen, um der Führung das Material für den Angriff zu liefern. Die Vermessungsabteilungen mussten dann diverse notwendige Karten herstellen: mit eingezeichneten Stellungen, mit Fernzielen für schwerstes Flachfeuer und Bombengeschwader (Bahnhöfe, Brücken etc.), mit Informationen über die verschiedenen Teile des Trichterfeldes, über den Zustand der Straßen hinter der feindlichen Front, mit dem feindlichen Fernsprechnetz, um es nach dem Durchbruch für eigene Zwecke zu verwenden, mit den Lager-Einrichtungen der Gegner. Die feindlichen Flughäfen konnten auf diese Weise bereits vor dem Angriff auf die einzelnen Gruppen verteilt werden. Außer den Karten wurden Lichtbilder in großen Mengen hergestellt, die entsprechend den Angriffsstreifen das gesamte Feindgelände wiedergaben und an Truppen, bis zu den Kompanien hinab, ausgegeben wurden.
Inzwischen war die » Fototechnik bedeutend fortgeschritten und schuf den » Filmapparat, der die Aufstellung von „Reihenbildzügen“ mit sich brachte. Mit großer Mühe und Arbeit führte Fricke den Reihenbildzug seit Mai 1917, flog selbst mit in den Kämpfen um Flandern, um seine Mannschaft anzuspornen. Am 23. Dezember 1917 hatte der Kaiser ihm in Anerkennung seiner Leistungen den » Pour le Mérite verliehen, kurz darauf übernahm Fricke die Führung der Fliegerabteilung 3, die sich ganz besonders mit fotografischen Aufnahmen zu befassen hatte, 15 Flugzeuge unterstanden Fricke.
Nach der großen Märzschlacht 1918 meldete der Heeresbericht am 2. April, die Fliegerabteilung 3 unter Führung des Oberleutnants Fricke habe durch die Fernaufklärung von der Küste bis südlich der Somme „Außergewöhnliches geleistet“.
Fricke überlebte den Krieg. Zunächst ging er als Beobachter zum Fliegerfreikorps Hannover, übernahm dann eine MG-Abteilung bei einem anderen Freikorps. Im Mai 1919 leitete er eine technische Hundertschaft der damaligen Berliner Sicherheitspolizei. 1925 kehrte er wieder, nachdem er inzwischen einen kaufmännischen Beruf hatte, zur Fliegerei zurück, wurde Geschäftsführer der Sportflug GmbH. Seit 1923 war Fricke Leiter der Abteilung Luftfahrt der Staatlichen Hauptstelle für den naturwissenschaftlichen Unterricht. In verschiedenen Schriften und in der Praxis (bei Wolf Hirth machte er den Segelflugschein) warb er für die deutsche Luftfahrt und begeisterte Jugendliche für die Ziele der Fliegerei.
Er starb in Augsburg in einem Gefangenenlager im Alter von 56 Jahren.
(Diese Information stammt von dem Neffen von Hermann Fricke, Februar 2010)
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