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(* 15. Mai 1894 Gut Kreuzkapelle/Siegkreis im Rheinland, + 29. Juli 1978 in München) war der überlebende Kampflieger nach Ernst Udet mit den meisten Abschüssen.


Am 15. Mai 1894 wurde Jacobs auf dem Gut Kreuzkapelle im Rhein-Sieg-Kreis geboren. Sein Vater war Oberlehrer. Nach dem Abitur studierte Josef Carl Peter Jacobs Ingenieurwissenschaften. Jacobs besuchte die Fliegerschule von Bruno Werntgens in Bonn-Hangelar. Zu einer Abschlussprüfung kam es durch den tödlichen Absturz des Fluglehrers Werntgens jedoch nicht.

Sanke Postkarte Nr. 680

Im August 1914 meldete sich Jacobs als Freiwilliger trotzdem zur Flieger-Ersatz-Abteilung 3 in Darmstadt. Am 1. Juni 1915 kam er zur Feldfliegerabteilung 11 und im August 1915 zur Jagdstaffel 22. Schon ohne Pilotenschein flog er damals eine Fokker. Am 26. März 1917 überlebte er bei einer Tiefflughöhe von 200m den Beschuss einer vier Geschütze starken Batterie südlich von Crony. Jacobs erlitt mehrere Verwundungen, u.a. bei 2 Zusammenstößen in der Luft - in 200m Höhe mit einem deutschen und in 4500m Höhe mit einem englischen Flugzeug. Nach seinem 5. Abschuss am 16. April 1917 wurde Jacobs Führer der Jagdstaffel 7. Insgesamt schoss er 48 Flugzeuge ab. Er war der letzte Träger des » Pour le Mérite der deutschen Fliegertruppe 1914–1918 und als Flieger der Jagdgruppe 6 nach » Ernst Udet der überlebende Kampfflieger mit den meisten Abschüssen. Als Oberleutnant der Reserve beendete Jacobs seine Laufbahn bei der Wehrmacht.

Es folgten diverse sportliche Aktivitäten als Rennfahrer, Bobfahrer und Flieger: Auf Brennabor-Wagen gewann er das Avus-Rennen 1922, auf Fafnir wurde er Eifelsieger auf dem Nürburgring, an weiteren Autorennen beteiligte er sich erfolgreich. Ebenfalls mit Erfolg nahm er 1925 am Deutschlandrundflug teil, gewann hohe Anerkennung als Bobfahrer und stellte auf seiner "Gotha-Taube" Rekorde auf.

Jacobs arbeitete später als Verkaufsdirektor einer süddeutschen Automobil- und Flugzeugfabrik in Berlin. Er starb am 29. Juli 1978 in München und wurde auf dem Friedhof Perlacher Straße beigesetzt.

Folgender Nachtrag zum Portrait von Josef Jacobs inkl. der Fotos erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Peter Freiherr von Zschinsky
» http://roter-baron-fliegervereinigung.aero-auktion.com

Freiherr von Zschinsky schreibt an Flieger-Album:
„Jacobs / Köbes, war für mich über mehrere Jahre ein guter alter Freund! Ich hatte das Vergnügen, mit ihm in meiner Tiger Moth noch einen gemeinsamen Flug vorzunehmen!“
Jagdflieger im 1. Weltkrieg, letzter "Pour-le-merite-Träger" (Blauer Max) 1894-1978

Jacobs genannt Köbes

Im Alter von 84 Jahren ist der "Alte Adler" in München als Sozialhilfeempfänger gestorben. Ein großer Held war er, der kleine Mann mit den blitzenden dunklen Augen: Als Chef der Jagdstaffel 7 schoss der spätere Major in seiner "Fokker" Dreidecker 48 feindliche Flugzeuge ab. Doch von all seinen Erfolgen an der Seite des "Roten Baron" » Richthofens und » Udet hat Josef Jacobs nie viel Aufhebens gemacht. Im Gegenteil "Son Gedöns damals", sagte der alte Adler einmal zu seinen Clubmitgliedern auf einem Clubabend. "Wie der Wilhelm mir das Ding » (Blauer Max) umgehängt hat: Wat bist du doch für'n armet Aas....."Er war immer ein bescheidener Held. Lebte völlig verarmt und zurückgezogen, von einer kleinen Sozialrente bis zu seinem Tot in München. Er war sozusagen das letzte große Flieger-As aus dem 1. Weltkrieg. Der "Rote Baron" Fliegerclub, war für den "Alten Adler" seine letzte Zufluchtsstätte, wenn es um seine Anerkennung und Freundschaften ging.

Albatros D.II von Josef Jacobs bei der Jasta 22 im Frühjahr 1917. Deutlich zu erkennen ist seine persönliche Kennung "Köbes".

Eine Erzählung aus der Erinnerung von Jacobs
Zusammenstoß in 2400 m Höhe mit Unbekannt.

Wir schrieben den 18. Dez 1917. An der englischen Front mit meiner Staffel entlangfliegend, bemerkten wir ein englisches Geschwader von 18 bis 20 Einheiten. Die untere Kette mit Leutnant » Paul Billik als Führer greift, etwas weiter vorn, sofort an. Ich folgte mit meiner Kette, habe mir schnell den "Wimpelmann", den Führer des gegnerischen Geschwaders herausgesucht und bemerke bei meiner ersten Salve, dass er stark zeichnet und versucht den rettenden Hafen zu erreichen. Bei meiner zweiten Salve, die ich im Sturzflug hinterher feuerte, stürzte er senkrecht ab und schlägt in einem Gewässer auf. Während ich mich nach meinen Kameraden umsehe, versuchte ich die Front, über die ich infolge des Windes etwas hinüber versetzt war, wieder zu erreichen. Mir entgegen schaukelte ein Engländer, der scheinbar auf schnellstem weg nach Hause will. In einer scharfen Kurfe greife ich ihn an, hörte plötzlich Beschuss, es klirrt in meiner Fokker Maschine, ich packe meinen Steuerknüppel, ein fürchterliches Krachen, ich etwas Undefinierbares, dann ein Schlag auf dem Kopf - ich träume. Ich spüre dann Wasser im Gesicht, öffne meine durch Oel verklebten Augen und stelle fest, dass mich jemand über den Haufen gerammt hat. Ein Teil meines Baldachins mit Flächenkühler ist weg, der Propeller mit Teilen des Motors fehlt, die linke Verwindungsklappe ist verschwunden. Meine Maschine stürzt nicht, sondern trudelt langsam nach unten. Ich orientiere mich zuerst einmal und merke, dass ich mich über einem See in der Nähe von Depren befinde.

Archiv: Freiherr von Zschinsky

Mittlerweile tauchte auch mein treuer Begleiter Unteroffizier Bohne auf, der mir später erzählt, dass ich von einem Flugzeug gerammt wurde, dass sein Fahrgestell verloren hatte. Mein Selbsterhaltungstrieb zwingt mich, kümmerlichen Rest meines Steuerknüppels zu ergreifen und festzustellen, dass Höhen und Seitensteuer vollkommen in Ordnung sind, die Maschine also notdürftig steuerbar sein wird. In langsamer fahrt, in Richtung Heimat, gehe ich zur Erde und bin gespannt, ob ich unsere Front noch erreichen werde. An eine glückliche Landung ist kaum zu denken, denn unter mir reiht sich ein Bombentrichter an den anderen. Dennoch scheine ich es doch zu schaffen, höre ab und zu Beschuss, der mir scheinbar gilt, die erde kommt immer näher. Mit der rechten Hand steuere ich, die linke, geschützt durch den dicken Handschuh, lege ich zum Schutz vor mein Gesicht, bis zum Aufschlagen, ein kurzes Anziehen meines Knüppels, die Maschine schwebt noch ein Stück, die rechte Fläche schlägt an einen Baumstumpf, der aus dem Gelände herausragt auf, der Rumpf dreht sich um sich selber, ich spüre einen Schlag auf meinem Schädel, ein Krachen über meinem Kopf, ich bin vollkommen in Dunkelheit gehüllt, hänge scheinbar mit dem Kopf mit dem Rumpf in einem Bombentrichter, ob bei Feind oder Freund ist mir gänzlich schleierhaft. Losschnallen kann ich mich nicht, da das Furnierholz des Rumpfes gebrochen ist und mir den Kopf eingeklemmt, sodass jede Bewegung sehr schmerzhaft ist. Die Stunden werden zur Ewigkeit, ich höre Maschinengewehrfeuer, dann ein Dröhnen und nach einer Weile eine undeutliche Stimme, die sich nach einiger Zeit mit mir dahingehend verständigen kann, dass ich auf deutscher Seite gelandet bin. Die größte Sorge bin ich los, Ich bitte um weitere Hilfe, da der Retter den Rumpf alleine nicht heben kann und er mir möglicherweise das Genick abrechen würde.

18. VII. 1918
Lt. d. Res. Jacobs
Führer Jagdstaffel 7


Seine Majestät haben Ihnen in Anerkennung Ihrer vorzüglichen Leistungen als Jagdflieger den Orden 'Pour le merite' verliehen. Freue mich, Ihnen davon Mitteilung machen und Sie zu dieser hohen Auszeichnung durch Ihren allerhöchsten Kriegsherrn beglückwünschen zu können.
d. kommandierende General
v. Hoeppner

(Archiv: Freiherr von Zschinsky) 

Wieder Maschinengewehrfeuer, dann lange Zeit nichts, dann Stimmen und langsam hebt sich der Rumpf etwas, sodass ich wieder Luft und Licht bekommen kann. Dann zerrte man mich heraus, schleppte mich ein Stück von meinem Flugzeug weg, ich erhole mich bald und bin bereit, springen, das heißt von Bomben und Granattrichter zu Trichter zu laufen, da der Feind uns sehen und beschießen kann. Es geht trotz meiner Verwundung ganz gut und bald lande ich, freundlich empfangen bei den Vorposten des Infanterie - Regiments 188. Ich war an dem vorgeschobenen Zipfel der deutschen Stellung, etwa hundert Meter von den Belgiern entfernt heruntergekommen. Mein Begleiter war bis 500 m mit heruntergegangen, hatte meinen Aufschlag beobachtet und war dann mit der Meldung nach Hause geflogen, dass ich vielleicht noch am Leben bin.

Später erfuhr ich, dass man eine deutsche Maschine ohne Fahrgestell habe in der Luft herumtoben sehen, die später im Granattrichtergelände ebenfalls notgelandet sei. Da sich die Ereignisse überhäuften, war ich nicht in der Lage, diese Meldung nachzugehen, bis ich im Juli 1933 in Breslau zufälligerweise mit dem "Übeltäter" zusammen kam, einem Leutnant W. meiner früheren Nebenstaffel, der mir treuherzig versicherte, dass er es nicht mit Absicht getan hätte, erst am Boden habe er bei der Landung bemerkt, dass er kein Fahrgestell mehr hatte, außerdem sei seine linke Tragfläche hinter der Außenstrebe weggerissen worden, er müsse anscheinend im Luftkampf mit einem anderen Flugzeug zusammengestoßen sein. Ich konnte ihn dann weitgehend aufklären, wir haben jedenfalls den gegenseitigen Abschuss begossen.

Archiv: Freiherr von Zschinsky

Quelle: Peter Freiherr von Zschinsky

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