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(* 27. September 1894 in Breslau, + 04. Juli 1922) war ein deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Lothar-Siegfried Freiherr von Richthofen war der jüngere Bruder des Jagdfliegers Manfred von Richthofen.


Ein Portrait von Gastautor Rainer Absmeier.

Nach Abschluss des Gymnasiums ging Lothar von Richthofen zum Militär. Wie sein Bruder » Manfred von Richthofen war Lothar zuerst Kavallerist und zwar als Leutnant beim Dragoner-Regiment von Bredow (1. Schlesisches) Nr. 4.

Die Mobilmachung traf ihn auf der Kriegsschule in Danzig. Eigenmächtig reiste er zu seinem Regiment nach Lüben und ging mit ihm nach Belgien und Frankreich. Später wurde das Regiment an die Ostfront in Russland versetzt, wo es den Winter über blieb. Bald wollte Lothar von Richthofen Flieger werden und ließ sich zur Fliegertruppe versetzen. Im Dezember 1916 wurde er zur Kampfstaffel 23 (Kasta 23) des Kampfgeschwaders der obersten Heeresleitung 4 (Kagohl 4), die an der Westfront über Verdun und der Somme Einsätze flog, versetzt. Als sein Bruder Manfred Führer der Jagdstaffel 11 wurde, holte dieser Lothar Anfang März 1917 zu seiner Staffel. Wie es oft der Fall ist, waren die beiden Brüder völlig unterschiedlich. Manfred verkörperte den preußischen, reservierten und starren Aristokraten mit Geduld und Auge eines Jägers. Er griff den Feind nur aus einer vorteilhaften Position aus an, der nur selten unnötige Risiken einging. Er suchte auch nicht um jeden Preis den Sieg. Seine Devise war: „ein anderer Tag, eine andere Gelegenheit.“ Lothar dagegen war impulsiv, aggressiv und kümmerte sich wenig um den strategischen und taktischen Aspekt des Luftkampfes, kurz gesagt er war ein richtiger „Heißsporn“. In wenigen Wochen lernte er ein hervorragender Jagdpilot zu werden und meldete bald seine ersten Abschüsse. Unter den wachsamen Augen seines Bruders Manfred schoss er innerhalb von 47 Tagen 24 Abschüsse. 15 Abschüsse während der britischen Offensive bei Arras und Vimy Ridge im April 1917. Unter seinen Opfern soll am 7. Mai 1917 auch der berühmte englische Jagdflieger Albert Ball (44 LS) gewesen sein. Im nach hinein wird dises allerdings angezweifelt. Lothar von Richthofen machte kurz nach diesem Luftkampf eine Notlandung. Es wird angenommen, dass Ball zuerst Lothar abgeschossen hatte und kurz darauf dann aus irgendeinem Grund bewusstlos wurde. Es könnte gut sein, dass Ball von einer Munitionstrommel am Kopf getroffen wurde, während er sein Lewis-MG nachlud, dass auf der obersten Tragfläche der SE5 angebracht war.

Leutnant Lothar von Richthoven mit seinem Vater Major Albrecht von Richthoven vor der Fokker D.VII 244/18 (Juli 1918). Diese Maschine wurde vorher von Leutnant Heldmann bei der Jagdstaffel 10 (Jasta 10) geflogen. 


Am 13. Mai 1917 wurde Lothar von Richthofen bei einem Luftkampf mit einer britischen BE2 schwer am Oberschenkel verwundet und musste mehrere Monate in das Lazarett nach Douai. Hier erhielt er einen Tag nach seiner Einlieferung den Orden » Pour le Mérite verliehen. Nach seiner Genesung kam er am 24. September 1917 als Führer der Jagdstaffel 11 (Jasta 11) an die Front zurück, die seit Ende Juni 1917 dem neu aufgestellten Jagdgeschwader I unter der Leitung seines Bruders Manfred angehörte. Die weiteren Monate verbrachte Lothar von Richthofen mehr mit „Papierkrieg“, als das er selber Einsätze flog und im Winter ließ die allgemeine Wetterlage kaum Einsätze zu. Dieses war der Grund, warum ihm bis Anfang März 1918 nur fünf weitere Gegner abschoss. Am 13. März 1918 wurde Lothar erneut getroffen. Bei einem Luftkampf mit britischen „Brisfits“ löste sich in 4000 Meter Höhe die oberste Tragfläche seines Dreideckers, woraufhin er sofort mit seiner Fokker in einen flachen Senkflug überging. Kurz vor der Landung musste er die Maschine noch einmal hochziehen, um einer Stromleitung auszuweichen, wobei die Fokker nach diesem Flugmanöver endgültig abstürzte. Mit mehreren Brüchen an Stirn, Nase und Kiefer kam er in die Aaper Waldklinik bei Düsseldorf, wo ihm am 21. April 1918 die Nachricht vom Tod seines Bruders überbracht wurde.

Abschiedsfoto zur Entlassung von Lothar von Richthofen am 19. Juli 1918 aus der Aaper Waldklinik bei Düsseldorf, die auf Schädelfrakturen spezialisiert war. Lothar von Richthofen sitzt in vorderster Reihe an zweiter Stelle von links. Links neben ihm sitzt » Paul Bäumer von der » Jagdstaffel 2, der mit einem Kieferbruch Ende Mai 1918 in die Aaper Waldklinik eingeliefert wurde. (Foto: Rainer Absmeier Collection) 

Aus dem Tagebuch von Lothar Freiherr v. Richthofen im Orginaltext

Letzter Frontflug
Nach meiner Verwundung im Frühjahr 1918 riß ich aus dem Lazarett in Düsseldorf nach vorne aus, da die Ärzte mich nicht mehr k.v.* schreiben wollten. Manfred war gefallen und ich hatte ihm nicht geholfen! Ich mußte nach vorn. Es gelang; und während die Ersatzabteilung sich schon überlegte, ob Stubenarrest als Strafe für den Deserteur genüge, stand ich mit meinem dreißigstem Luftsieg, dem fünfhundertsten des Jagdgeschwaders Richthofen, schon im Heeresbericht.
….Einige Großkampfwochen folgten. Ich flog viel mit » Loewenhardt, der dann leider auch fiel. Der Tag nach meinem vierzigsten Luftsieg war der 13. August 1918. Morgens beim Aufwachen wurde mir noch klar: heute ist ja der 13., dein Pechtag, an dem du schon zweimal verwundet worden bist. Abergläubisch darf man nicht sein. Ich wollte nun gerade fliegen, mir die letzten Bedenken wegen des 13. vertreiben. An einem anderen Tag wäre ich vielleicht gar nicht gestartet, denn ich hatte als Geschwaderführer drei verschiedene dringende Autofahrten zu erledigen. Aber nein, heute muß der Bann mit dem 13. gebrochen werden!
….Den Tag flog Just leider nicht mit, weil seine Maschine einen Schaden hatte. Eine Menge Engländer an der Front. Ich greife einen Doppelsitzer an, sehe in meinem Feuer den Beobachter zusammenbrechen, in den nächsten Sekunden muß das Flugzeug fallen. Der Führer scheint auch schon verwundet. Da sehe ich mich nach meiner Staffel um. Stattdessen verfolgen mich sechs Lords. Schnell lasse ich notgedrungen von meinem Opfer ab, um nun meinerseits auszureißen. Dies gelingt auch ganz gut. Sie lassen denn auch alle von mir ab, nur einer folgt auf mehrere hundert Meter Zwischenraum. Ich lasse mich zunächst verfolgen, um ihn von den anderen zu trennen und dann mit ihm allein zu tun zu haben. Auf etwa sechshundert Meter schießt der Kerl auf mich. Ich fliege ganz ruhig weiter, denn auf die Entfernung kann man ja nicht treffen. Plötzlich ein wahnsinniger Schmerz in meinem rechten Bein. Ich hatte meinen Schuß weg. Der einzige Treffer in der ganzen Maschine.
….Ich hatte zunächst solche Schmerzen, daß ich unfähig war, mein Steuer zu bedienen. Mein rechtes Bein war aus dem Steuer rausgefallen, ich konnte es nicht bewegen und hielt es mit beiden Händen fest. Nachdem ich einige tausend Meter so abgestürzt war, kam die Erde in bedenkliche Nähe. Ich sah nach dem Höhenmesser: nur noch 500 Meter hoch. Also war es Zeit, meine Maschine wieder in die Hand zu bekommen. Dem Fallschirm traute ich nicht, auch hatte ich nicht mehr die Kräfte, hinauszuspringen. Einen Augenblick schien es, als verließen mich die Kräfte und Sinne. Da nahm ich mein rechtes Bein in beide Hände und stellte es in das Seitensteuer. Nun konnte ich die Maschine wieder aufrichten und geradeaus fliegen. Ich landete, wo ich zufällig war, erwische einen Fleck im Trichtergelände der alten Sommeschlacht, wo die Landung möglich war. Durch den Blutverlust war ich so geschwächt, daß ich mich keine Minute länger mehr hätte in der Luft halten können. Tags zuvor war ein Herr meiner Staffel durch Blutverlust mit einer ganz leichten Verwundung tödlich abgestürzt.

* kriegsverwendungsfähig

Quelle: "Flieger am Feind" von Werner v. Langsdorff © 1934 


Nun wollte Lothar von Richthofen so schnell wie möglich wieder an der Front Einsätze fliegen. Seine Ärzte schrieben ihn "nicht kriegsverwendungsfähig" und der Kommandierende General der Luftstreitkräfte bot ihm eine angenehme Adjutantenstelle an. Man wollte nicht noch einen Richthofen verlieren. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, telefonierte mit dem Kommandierenden General, erzählte ihm, dass er wieder gesund sei und reiste ins Hauptquartier. In Unkenntnis der Vorgänge wurde er wieder als Führer zu seiner Staffel geschickt, bei der er am 19. Juli 1918 eintraf. Um seine Frontflugfähigkeit auch praktisch zu beweisen, schoss er knapp eine Woche später seinen 30. Gegner ab und wurde daraufhin im Heeresbericht erwähnt. Es war der 500. Abschuss des Jagdgeschwader I.

Die Jagdflieger treffen sich zur Abnahme neuer Maschinen in Berlin 1918.
v.l.n.r: F.W. Seekatz (Mitarbeiter von Fokker), » Hptm. Bruno Loerzer, » Hptm. Hermann Göring, Lothar von Richthofen, » Lt. Hans Kirschstein, » Lt. Constantin Krefft, Lt. Friedrich von Mallinckrodt, » Lt. Friedrich Schubert 


Bis zum 12. August 1918 schoss er noch zehn weitere Gegner ab. Acht davon während der Schlacht um Amiens zwischen dem 8. und 12. August 1918. Sein letzter Gegner war der englische Führer der 209. Squadron RAF, Captain John Summers (8 LS). Einen Tag später, wurde Lothar zum dritten Mal abgeschossen und schwer am linken Bein verwundet. Er wurde noch im Hospital zum Oberleutnant befördert, kehrte aber bis Kriegsende nicht mehr an die Front zurück. Wahrscheinlich war entweder Lt. Field Kindley oder Lt. Georg Sebold von der 148th Pursuit Squadron USAF sein Gegner in diesem Luftkampf.Abzüglich seiner Hospital- und Krankenhausaufenthalten und rund einem Monat Urlaub zwischen Januar und Februar 1918, war Lothar von Richthofen als Jagdflieger etwa acht Monate aktiv an der Front. Mit seinen vierzig Abschüssen war er somit einer der effektivsten Jagdflieger des 1. Weltkrieges.

Nach dem Krieg widmete er sich zuerst der Landwirtschaft und fand dann eine Anstellung in der Industrie. Im Juni 1919 heiratete er Doris, Komtess von Keyserlingk, mit der er zwei Kinder zeugte, bevor die Ehe annulliert wurde. Schließlich kehrte er zur Fliegerei zurück und wurde Pilot der „Deutschen Luftreederei“. Hier flog er in regelmäßigem Dienst Postmaschinen von Berlin nach Hamburg. Am 4. Juli 1922 verunglückte Lothar von Richthofen bei einer Notlandung kurz vor dem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel. Nachdem der Motor seiner LVG C.VI ausgesetzt hatte, flog er mit hoher Geschwindigkeit in eine Baumreihe, wobei seine Maschine völlig zerstört wurde. Auf dem Weg zum Krankenhaus erlag er dann seinen Verletzungen. Seine beiden Passagiere überlebten den Absturz schwer verletzt.

Das Richthofenmuseum in Schweidnitz
Die Mutter Richthofen, entschied sich im Jahr 1933 in der leergewordenen Villa der Familie eine Gedenkstätte für ihre beiden Söhne zu errichten. So entstand das Richthofen-Museum, das am 29. April 1933 eröffnet wurde. Zur Museumseröffnung wurde die Striegauer Straße" in "Manfred-von-Richthofen-Straße" umbenannt. Die Gegenstände aus der Villa Richthofen verschwanden nach der Besetzung der Stadt durch die Rote Armee am 8. Mai 1945. Gerüchte besagen, sie seien auf Veranlassung Stalins in die Sowjetunion verbracht worden.
v.l.nr.: Maschinengewehr von Captain Ball mit Einschuss von Lothar von Richthofen, erbeutete Propeller von Gegnern, Bild von Captain Ball  


Auszeichnungen:

• Fliegerabzeichen
• Eisernes Kreuz 2. und 1. Klasse (1914)
• » Pour le Mérite

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Kommentar: 1 von raineranton erstellt am : 01.01.2011 13:02 gespeichert
Bzgl. seiner Verwundung am 13. Mai 1917 (Oberschenkel bzw. Beckenschuss): Er war zunächst im bayerischen Reserve Lazarett 54 im Hotel Dien (?) in Douai, kam dann ins Feld Lazarett 26 in Sechin, am 17. Juni 1917 wurde er nach Hamburg überführt und schließlich war er vom 10. August bis 25. September 1917 zur weiteren Behandlung bei San. Friederici in Breslau. Quelle: Stammrolle des bayer. AFP6
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