(* 01. Januar 1887 in Rottenburg, + 09. Januar 1918) Der Spenglermeister Max Müller - vom einfachen Soldaten zum Jagdflieger, befördert zum Offizier und in den persönlichen Adelsstand erhoben, sprang 1918 nach einem gegnerischen Treffer aus 400 m in den Tod.
Max Müller wurde am 01. Januar 1887 in Rottenburg an der Großen Laaber in Niederbayern geboren. Er erlernte den Beruf des Spenglers und wurde durch seine waghalsigen Arbeiten an den Kirchtürmen, immer unangeschnallt, bekannt. Die Meisterprüfung bestand er mit dem Prädikat "hervorragend".
1907 meldete sich Müller als Rekrut zur technischen Truppe, wurde aber wegen seiner Größe von 1,56m der 6. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments zugeteilt. Nach einem Jahr wurde er wegen guter Führung und gewandten Auftretens zum Unteroffizier befördert. Trotz Begeisterung für seinen zivilen Beruf blieb Müller weiterhin beim Militär. 1911 schied er wegen ungünstiger Beförderungsverhältnisse aus der Infanterie aus und trat in das Kraftfahrkorps ein. Am 1. Dezember 1913 wurde er auf seinen Wunsch zur Ausbildung als Flugzeugführer zugelassen und mit elf weiteren Unteroffizieren der Bayerischen Armee nach Schleißheim kommandiert.
Gleich am ersten Übungstag erhielt Müller von seinem Fluglehrer, Oberleutnant Götz, ein dreitägiges Startverbot. Müller hatte mit seinem Einsitzer-Schulflugzeug, anstatt mit laufendem Motor am Platz zu rollen, mit Vollgas abgehoben, in 30m Höhe eine Runde geflogen und war ohne Bruch gelandet. Auf einem Fernflug nach Regensburg am 22. April 1914 mit Beobachter Oberleutnant Spatz setzte der Motor von Müllers Flugzeug aus, er musste zur Notlandung ansetzen.
Anfang Mai 1914 kam Müller als einer der ersten seines Kurses nach Grafenwöhr. Er flog mit seinem Beobachter, Oberleutnant Jägerhuber, in 2½ Stunden bei schwerem Hagelwetter von Schleißheim nach Grafenwöhr. Dort war er bis Kriegsbeginn Leiter der Artillerie-Einschießabteilung.
Mit Begeisterung rückte der damalige Unteroffizier Müller am 6. August 1914 mit der unter Führung von Oberleutnant Erhardt zusammen gestellten Fliegerabteilung 1b in den Krieg. Anfangs, noch waren Jagdflugzeuge nicht bekannt, flog Müller Beobachtungs-Flüge. Am 17. August 1914 erhielt er mit seiner Otto-Gitterrumpf-Maschine (mit hinten liegendem Motor) in 100 Meter Höhe 12 Treffer durch deutsche Infanterie, die ihn für einen französischen Farman hielt. Am 18. August 1914 blieb bei einem Flug in Richtung Saarburg - Blamont - Bühl kurz nach dem Start in 20m Höhe der Motor stehen, wahrscheinlich wegen eines Treffers vom Vortag. Das Flugzeug machte eine Bruchlandung, Müller hatte beide Beine gebrochen. Trotzdem gelang es ihm, seinen bewusstlosen Beobachter, Oberleutnant Peter, aus den Trümmern zu ziehen. Daraufhin erhielt er während des Genesungsaufenthaltes in Konstanz das E.K. II.
Bereits am 20. September 1914 meldete sich Max Müller wieder bei seiner Abteilung am Flugplatz Bühl. Am 9. Oktober 1914 wurde er auf seine Bitte zur Umschulung auf den neuen LVG mit vorn liegendem Motor kommandiert. Nach drei Tagen kam er ausgebildet zurück und flog anschließend Bombenflugzeuge. Als Zielvorrichtung schnitt er ein 20cm großes Loch in den Rumpfboden und fügte dort ein 50cm langes Rohr an. Gelegentlich diente auch ein Schuss aus einer Leuchtpistole der Abschreckung französischer Farman-Flugzeuge, obwohl sie im Gegensatz zu den mit Karabinern ausgestatteten deutschen Flugzeugen über eingebaute Maschinengewehre verfügten. Am 27. April 1915 wurde Müller nach einem dreistündigen Beobachtungsflug kurz vor der deutschen Linie von einer französischen Nieuport angegriffen. Mit zerschossenen Höhensteuer und -streben und 12mal getroffen, konnte er seine Maschine dennoch zum Flugplatz zurück bringen und erhielt dafür mit seinem Beobachter, Hauptmann Prestele, das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Im Mai 1915 bekam Müller die erste Maschine mit eingebautem MG, eine Ago C 94 mit 160 PS Mercedes-Motor und Doppelrumpf. Vorher stand seinem Beobachter lediglich die Pistole "08" zur Verfügung.
Im Februar 1916 wurde Müller nach über 200 Frontflügen Offizierstellvertreter. Ende August 1916 kam er zur Jagdstaffel Boelcke und flog zusammen mit » Manfred von Richthofen, » Erwin Böhme u.a. unter Richthofens Leitung. Am 10. Oktober 1916 schoss er zwischen Fraucourt und Mory an der Somme einen gegnerischen FE-Doppelsitzer ab. Am 24. Januar 1917 wurde er der neu gebildeten "Königl. Württembergischen Jagdstaffel 28" zugeteilt und vermittelte den jungen Fliegern die Taktik des Luftkrieges. Müllers Flugzeug wurde damals alle zwei bis drei Wochen anders angemalt, da die Kriegsgegner ihn besonders im Visier hatten.
Nach dem 18. Abschuss am 20. Juli 1917 in der Nähe von Armentières erhielt Müller vom König von Württemberg die Goldene Militär-Verdienst-Medaille, am 28. Juni das Kreuz des Königlichen Hausordens der Hohenzollern mit Schwertern. Nach Beförderung des ursprünglich einfachen Soldaten zum Offizier (Leutnant) erhielt Müller am 3. September 1917 vom deutschen Kaiser den Orden » Pour le Mérite. Der König von Bayern machte ihn nach seinem Tode zum Ritter des Militär-Max-Josef-Ordens, der höchsten bayerischen Militär-Auszeichnung, verbunden mit der Erhebung in den persönlichen Adelsstand.
Am 29. Oktober 1917 kam Müller zur Jagdstaffel 2 "Boelcke" zurück und schoss dort nochmals sieben Gegner ab, insgesamt waren es damit 38. Am 6. Januar wurde er Führer der Jagdstaffel 2. Am 9. Januar 1918 wurde Müllers Flugzeug von einem englischen Dreidecker in Brand geschossen. Müller sprang aus 400m in den Tod. Am 18. Januar 1918 wurde er in seinem Geburtsort Rottenburg beigesetzt.
| Datum | Auszeichnung |
| 12. März 1911 | Prinz-Luitpold-Medaille |
| 20. April 1914 | Eisernes Kreuz 2. Klasse |
| 14. Januar 1915 | Militärverdienstkreuz 3. Klasse Mit Krone und Schwertern |
| 31. März 1915 | Eisernes Kreuz I. Klasse |
| 18. Februar 1916 | Silberne bayerische Militärverdienstmedaille |
| 30. März 1916 | Dienstauszeichnung 3. Klasse |
| 28. Juni 1917 | Württembergische goldene Tapferkeitsmedaille |
| 20. Juli 1917 | Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern |
| 03. September 1917 | Pour le Mérite |
| 16. September 1917 | Goldene bayerische Militärverdienstmedaille |
| 18. Dezember 1917 | Militärverdienstorden 4. Klasse |
| 07. November 1918 | Militär-Max-Josefs-Orden (rückwirkend) |
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Der Flieger von Rottenburg Hans Haller erzählt das Leben des Schlossergesellen und Kriegsfliegers Max Ritter von Müller. Das Buch stützt sich auf Briefe, Tagebuchblätter, und Erzählungen Max Müllers, auf amtliche Unterlagen, schriftliches und mündliches Material von Verwandten, militärischen Vorgesetzten, Kriegskameraden und Freunden. 111 Seiten, altdeutsch © Gauverlag Bayreuth 1939 Status: Im Archiv der Redaktion. |
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