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(* 22. Juni 1892 in Bayreuth, + 24. Mai 1945 in Salzburg) war deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg und nahm sich nach Misserfolgen im Zweiten Weltkrieg das Leben.


Robert von Greim wurde am 22. Juni 1892 in Bayreuth als Sohn des Hauptmanns Ludwig Greim geboren. Nach Gymnasium und Realgymnasium wurde er Kadett und nach bestandener Schlussprüfung Fähnrich im bayerischen Eisenbahner-Bataillon. Als junger Offizier ließ er sich zum 8. Feld-Artillerie-Regiment versetzen. Nach der Kriegsschule meldete er sich im Oktober 1913 als königlich bayerischer Leutnant des 8. bayerischen Feldartillerie-Regiments mit Epauletten und Schärpe bei seinem Regimentskommandeur.

Die Schlacht in Lothringen, die Kämpfe um die Côte Lorraine und die Stellungskämpfe um St. Mihiel machte Greim als Adjutant seines Regiments mit. Hier erwachte in ihm wieder seine alte Begeisterung zur Fliegerwaffe, und es gelang ihm bald, als Beobachter bei der Feldfliegerabteilung 3 B zu fliegen (10.08.1915). Am 10. Oktober 1915 meldete er unter Führung von Leutnant Jung seinen ersten Luftsieg. Zahlreiche Flüge folgten in den nächsten Monaten. Neben der Lichtbilderkundung, Fern- und Nahaufklärung, Bombenangriffen, Jagd- und Patrouillenflügen oblag ihm als Artillerist das Einschießen auf feindliche Batterien und Stellungen.

Ende November 1916 gelang es Greim trotz des damals herrschenden Mangels an eingearbeiteten Beobachtern, zur Fliegerschule Schleißheim zur Ausbildung als Flugzeugführer kommandiert zu werden. Nach der Ausbildung kam er wieder zur Fliegerabteilung 3b zurück, die mittlerweile die Bezeichnung bayerische Flieger-Abteilung 46 erhalten hatte. Nach einigen Beobachtungsflügen hatte er nach kurzer Zeit die Bedingungen zum Jagdflieger erfüllt. Im April 1917 kam er als solcher zu der von Oberleutnant Eduard Ritter von Dostler geführten Jasta 34 nach Mars la Tour. Nach Dostlers Abberufung zum Jagdgeschwader » Richthofen wurde Greim Staffelführer. Über Verdun bis Pont à Mousson wurden Abschüsse unter hohen Verlusten auf deutscher Seite erzielt. Nach Verlegung der Staffel zur 5. Armee nach Mont (nordöstlich von Verdun) kam sie im November 1917 zur 7. Armee nach Curieu. Nach 8 Abschüssen verließ Greim die Gegend von Laon und kam mit seiner Staffel wieder zurück nach Verdun. Nördlich von Verdun bei Chenois bezogen sie bei der 5. Armee den auf einer Anhöhe gelegenen Flugplatz, den sie, abgesehen von einer Quartierverlegung nach St. Mard devant Virton, bis März 1918 beibehielten. Luftkämpfe mit defensiv agierenden französischen Flugzeugen verliefen weitgehend unentschieden, im Erdkampf siegten die Franzosen des Öfteren. Nach umfangreichen Vorbereitungen auf eine Überraschungsoffensive erfolgte am 11. März 1918 die Verladung Richtung Norden und weiter nach Cateau. Die dort im Abschnitt der 2. Armee zusammengezogenen Jagdstaffeln wurden in einzelne Jagdgruppen (9 und 10) eingeteilt. Greim übernahm den nördlichen Abschnitt des Jagdgeschwaders Richthofen, wurde mit der Führung der Jagdgruppe 9 beauftragt und führte nun diese Gruppe unter dieser Bezeichnung bis zum Juni und von da ab unter eigenem Namen als "Jagdgruppe Greim". Nach mehrmaligem Platzwechsel von le Cateau-Bonvincourt-Vraiges-(Proyat)-Foucaucourt mit diversen Erfolgen sowie auch Verletzungen (bei einer Notlandung im Trichtergelände bei Herleville-Foucancourt) erfolgte die englische Gegenoffensive am 8. August 1918. Kurz vorher hatte Greim mit seiner Staffel Foucancourt verlassen und einen Platz bei St. Christ an der Somme bezogen. Hier wurde er vom A.O.K 2 mit dem Einsatz der gesamten Jagdstreitkräfte der 2. Armee und den von anderen Armeen herangezogenen einzelnen Staffeln beauftragt - mit Ausnahme der Jagdstaffel 5, die nördlich der Somme im Anschluss an die nördlichen Streitkräfte eingesetzt wurde.

Nach 28 Luftsiegen und dem Abschuss eines Tanks durch MG-Feuer vom Flugzeug aus erhielt Greim am 10. Oktober 1918 den » Pour le Mérite, den Hohenzollern-Hausorden hatte er bereits ein halbes Jahr vorher erhalten. Von St. Christ aus erfolgte der Rückzug etappenweise bis Charleroi. Bei Kriegsende am 11. November 1918 flog von Greim mit seiner Staffel von Gosselis nach Deutschland zurück. Greim wurde Leiter der Fliegerschule Würzburg des Deutschen Luftsport-Verbandes. Zusammen mit » Ernst Udet flog er bei verschiedenen Kunstflugveranstaltungen. Nach Misserfolgen im 2. Weltkrieg nahm er sich am 24. Mai 1945 in Salzburg das Leben.

Aus dem Tagebuch von Robert Ritter v. Greim im Orginaltext

Jagdflieger gegen Tanks
Es war der 23. August 1918 zwischen der Somme und der Römerstraße in Höhe von Foucaucourt. Das schwere feindliche Trommelfeuer gegen unsere Front, das am Abend vorher eingesetzt und die ganze Nacht ununterbrochen angehalten, hatte sich gegen die frühen Morgenstunden noch ganz erheblich gesteigert. Wir waren seit Tagesgrauen trotz des unsichtigen Wetters in Bereitschaft. Eben kam die telephonische Meldung, daß starker englischer Angriff bevorstehe und feindliche Infanteriepanzerflugzeuge bereits hie und da aufgetaucht seien. Im Nu waren wir am Start. Ein kurzes Abbremsen – und in rascher Folge hoben sich die Maschinen vom Boden ab und verschwanden in den grauen Nebelschleiern über den feuchten Sommeniederungen.
….Nach wenigen Minuten waren wir über den Linien. Dicke Schwaden künstlichen Nebels krochen und wälzten sich über dem zerrissenen Trichterfeld, vermischten sich mit den dunkleren Rauchwolken der krepierenden Geschosse und wurden wieder jäh aufgewirbelt von mächtigen Erdfontänen neuer Einschläge.
….Dicht unter uns lag unser alter Flughafen, den wir kurz vorher unfreiwillig vor der Übermacht hatten räumen müssen. Quer durch den mit Trichtern übersäten Platz ging, durch Magnesiumfeuer und die abgeschossenen Sternchenpatronen kenntlich, die Linie. Deutlich hob sich der große gelbe Laufgraben ab, den völlig zuzuschütten wir nicht mehr die Zeit hatten. Von denen aber, die wir suchten, von feindlichen Infanteriefliegern, war nichts zu sehen. Wir flogen zur Somme, wir flogen nach Süden, wütend begrüßt von zahllosen englischen Maschinengewehren und Revolverkanonen. Aber nirgends tauchte ein Gegner auf.
….Eben hielt ich mit Hilfe meines getreuen Kameraden, des Vizefeldwebels Pütz, wieder aus fünfhundert Meter Umschau nach lohnenden Zielen, - da, was ist das? Aus einer dichten Staubwolke da unten wälzt sich, einer riesigen Raupe gleich, über die Trichter hin ein eigentümliches Wesen, unbehindert durch die einschlagenden Granaten, alles zermalmend, was sich ihm in den Weg stellt: ein Tank! Und schon schiebt sich ein zweiter aus dem Rauch und Qualm. Blitzschnell jagen die Gedanken: Wie ihn angreifen? Von vorn, von hinten, von der Seite? Wo liegt die stärkste, wo die schwächste Seite der Panzerung? Ist nicht jeder Versuch zwecklos? Denn bisher ist aus der Luft noch keines dieser Ungetüme zur Strecke gebracht worden. Patronen habe ich ja noch reichlich im Gurt, Leuchtspur- und Panzermunition. Drum sei's gewagt!
….Zum ersten Angriff wähle ich mir die Breitseite. Pütz hat meine Absicht bemerkt und nimmt sich den zweiten Tank vor. Vorerst nur mit Panzermunition aus einem Gewehr schießend, rasen wir auf die beiden Riesenwürmer herunter. Erst auf nahe Entfernung lasse ich beide Gewehre spielen. Doch fehlgeschossen! Die ungeschlachten Gesellen setzen ihren Weg unbeirrt fort. Wesentlich fühlbarer ist der Kampf schon für uns: Ein verheerendes Maschinengewehrfeuer aus den Tanks war die Antwort, Grund genug, um meinen Einsitzer mit flatternden Tragdeckfetzen in scharfer Kurve wieder hochzureißen.
….Diese Art der Bekämpfung führt also nicht zum Erfolg. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit wälzen sich die Ungetüme vorwärts. Wie aber, wenn ich den Tank senkrecht von oben zu fassen bekäme? In wenigen Sekunden haben wir die fünfhundert Meter wieder erklettert. Also noch einmal drauf! Gas weg – die Maschine auf den Kopf gestellt – in rasendem, senkrechten Sturz aus beiden Gewehren feuernd stoße ich hinunter. Knapp über dem Tank fange ich die Maschine ab; wohl ächzen die Streben und Holme, aber sie halten aus. Und siehe da, diesmal habe ich es in dem sausenden Flug überhört? Doch – nein – der Tank stand. Auch der zweite, den Pütz in gleicher Weise angenommen, lag regungslos. Mißtrauisch beobachtete ich noch längere Zeit die beiden. Aber keinerlei Bewegung verriet mehr Leben. Befriedigt flogen wir ab. Kaum waren wir gelandet, da traf auch schon die Meldung von der vorderen Linie ein, die unseren Erfolg bestätigte: Die beiden Tanks waren und blieben erledigt!

Quelle: "Flieger am Feind" von Werner v. Langsdorff © 1934  

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