(* 24. März 1891 in Ditterswind, Unterfranken; + 15. März 1920 in Harburg an der Elbe) war deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg und Führer des Jagdgeschwaders II.
Ein Portrait von Gastautor Rainer Absmeier.
Rudolf Berthold trat nach dem Abitur 1910 in das Königlich Preußische Infanterieregiment Graf Tauentzien von Wittenberg (3. Brandenburgisches) Nr. 20 (Wittenberg) ein und wurde am 30. Januar 1912 zum Leutnant befördert.
Nach Kriegsbeginn wurde er mit der Feldflieger-Abteilung 23 (FA 23) an der Front eingesetzt und flog dort zuerst Erkundungsflüge als Beobachter. Zu Beginn des Jahres 1915 vollendete Berthold seine Ausbildung zum Flugzeugführer und bekam am 19. Januar 1915 das Flugzeugführer-Abzeichen. Bis Januar 1916 verbrachte er eine verhältnismäßig ereignislose Zeit und flog vor allem Fernaufklärungsflüge an Bord von AEG-Zweisitzern. Anfang Januar 1916 wurde das Einsitzer-Kommando Vaux (KEK V) zusammengestellt und Berthold zu diesem von seiner Abteilung abkommandiert. Nun flog er einen Fokker-Eindecker und schoss damit am 2. Februar 1916 einen französischen Voisin-Doppeldecker bei Chaulnes als erstes gegnerisches Flugzeug ab. Danach schoss Berthold innerhalb kurzer Zeit vier weitere Flugzeuge ab, bevor er dann bei einem Absturz mit einer Pfalz E.IV ohne gegnerische Einwirkung am 22. Mai 1916 schwer verwundet wurde. Mit schwerer Schädelverletzung, Nasen-, Oberschenkel- und Beckenbruch kam er in ein Feldlazarett und sollte dann in ein Heimatkrankenhaus verlegt werden. Am 10. August 1916 entzog er sich aber dieser Anordnung und floh mit einem von seiner Abteilung gestellten Automobil zurück zur Einheit. Noch nicht ganz von seinen Verletzungen geheilt, erfolgte am 24. August 1916 der sechste Abschuss.
Nach Umbenennung des KEK Vaux Ende August 1916 in die Jagdstaffel 4 (Jasta 4), schoss Berthold hier zwischen dem 17. und 26. September 1916 vier weitere Gegner ab, bevor er am 16. Oktober 1916 die Jagdstaffel 14 (Jasta 14) als Staffelführer übernahm. Hier schärfte er seinen aggressiven Führungsstil und flog weitere Einsätze, bis er am 24. April 1917 leicht und am 23. Mai 1917 bei einem Luftkampf schwer verwundet wurde. Nach seiner Wiederherstellung wurde ihm ab 12. August 1917 die Leitung der Jagdstaffel 18 (Jasta 18) übertragen. Hier formte er bald eine Schar von fähigen Jagdfliegern, die ihm loyal ergeben waren. Als vorbildlicher Staffelführer schoss er binnen sechs Wochen sechzehn Gegner ab. Der 16. Abschuss hatte einen hohen Preis, denn er geriet in eine feindliche MG-Garbe, wobei sein rechter Oberarm schwer verletzt und in einer Heimatklinik behandelt wurde. Die Ärzte konnten dort seinen Arm vor einer Amputation retten, dieser blieb aber für immer gelähmt. Bald hielt es den ruhelosen Berthold aber nicht in seiner Heimat und so kam er am 1. März 1918 mit seinem eiternden und schmerzenden Arm an die Front zur Jasta 18 zurück, wurde aber schon am 17. März 1918 nach dem Tod von Hptm. » Adolf Ritter von Tutschek mit der Führung des » Jagdgeschwaders II (JG II) beauftragt.
Als eine seiner ersten Amtshandlungen als Geschwaderführer ließ er gleich den Personalstamm der Jagdstaffel 15 (Jasta 15) von seiner alten Jasta 18 austauschen. Obwohl Berthold durch seine Armverletzung nicht fliegen konnte, führte er sein Geschwader mit „eiserner“ Hand und als im Mai 1918 einige Staffelführer nicht die geforderten Erfolge nachweisen konnten, wurden diese nach und nach ausgetauscht. Er ließ seine Maschine umbauen und flog unter Schmerzen wieder Einsätze, um seine fliegende Truppe auch in der Luft an den Gegner heranzuführen. Seine Formel für den Einsatz war, dass man den Feind so nah wie möglich, aus der niedrigstmöglichen Höhe und mit dem geringsten Munitionsaufwand angreift. Er selbst hatte drei Grundsätze, wenn die Flugzeugführer die Patrouillen mit diversen Entschuldigungen verließen: „Abbiegen kenne ich nicht, Motordefekte kenne ich nicht, Munition ausgegangen kenn ich nicht!“ Wenn ein Flugzeugführer Ladehemmung hatte, musste er durchhalten, denn der Gegner wüsste es ja nicht. Verärgert war er über diejenigen, die über längeren Zeitraum mit der Munition nicht haushalten konnten und er verlangte von jedem Flugzeugführer, dass dieser seinen Posten jederzeit in der Formation behielt. Sein Prinzip war: „Wir sind nicht hier um einen Luftkampf unter Gentlemen in 5000 Metern Höhe auszutragen – die Infanterie an der Front wartet auf uns und wir haben die Pflicht ihnen zu helfen.“ Berthold machte es selber den jungen Flugzeugführern vor, denn trotz seiner Einschränkung schoss er zwischen Ende Mai und dem 10. August 1918 sechzehn weitere gegnerische Flugzeuge ab. Am Tag des letzten Abschusses, wurde er abermals selbst im Luftkampf abgeschossen und stürzte aus 800 Metern steuerlos auf ein Haus im Dorf von Ablaincourt. Der Aufschlag war so heftig, dass der Motor das Dach durchbrach und am Boden aufschlug. Deutsche Truppen zogen den bewusstlosen Hauptmann aus dem Wrack und waren überrascht, dass dieser noch lebte. Sein übliches „Berthold-Glück“ hatte ihn nicht verlassen und wie durch ein Wunder überlebte er. Seine vorherige Armverletzung zwang ihn, sich wieder in Behandlung zu begeben. Nach erneutem unerlaubten Entfernen aus dem Hospital, wurde er widerwillig und auf Befehl des Kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte (Kagohl), in die Heimat zur Behandlung verlegt.
Einige Flugzeugführer des » Jagdgeschwaders II empfanden die Nachricht des verletzten Kommandeurs zu diesem Zeitpunkt als Erleichterung. Das anfänglich gute Verhältnis zu seinen Fliegern wurde mit der Zeit durch cholerische Ausbrüche ihres Kommandeurs getrübt. Nach seiner schweren Verletzung im Oktober 1917 musste er gegen seine Schmerzen regelmäßig Morphium nehmen. Unter diesem Einfluss nahmen seine unberechenbaren Ausbrüche zu und er verblieb ohne weiteren Einsatz bis zum Kriegsende in der Universitätsklinik in Berlin.
Nach dem Krieg organisierte Berthold ein Freikorps, um gegen die Kommunisten zu kämpfen. Als Führer der so genannten „Eisernen Schar“ wurde er am 15. März des Revolutionsjahres 1920 von linksgerichteter Miliz gefangen genommen, misshandelt und erschossen. Dass er mit seinem Halsband des Orden » Pour le Mérite erwürgt worden sein soll, ist nicht gesichert und wurde zur Propaganda kommuniziert. Fest steht allerdings, dass er von eigenen Landsleuten getötet wurde.
Auf seinem Grabstein stand geschrieben:
„Geehrt von seinen Feinden – erschlagen von seinen deutschen Brüdern.“
|
Rudolf Berthold Biografie seines Lebens 1914-1918 mit Geleitwort von Hermann Göring. Verfasser: Ludwig F. Gengler 170 Seiten Schlieffen Verlag Berlin © 1934 Dieses Buch ist aufgrund des Erscheinungsjahrs und im Hinblick auf die Vermaktung ehemaliger deutscher "Helden" durch das Nazi-Regime als Propaganda zu bewerten! Status: Nicht im Archiv der Redaktion |
|
||||||||||||


