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(* 28. Januar 1892 in Stuttgart, + Mai 1949 in Rostenberg/Südafrika) war jüdischer Herkunft, gehörte als deutscher Flieger zu den „Alten Adlern“ und wurde Fluglehrer und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.

Willi Rosenstein (auch Willy) wurde am 28. Januar 1892 in Stuttgart geboren. Sein Vater war der Regierungsrat Dr. Nördlinger. Über den schulischen Werdegang von Willi Rosenstein ist hier nichts bekannt.

1910 bewarb sich Willi Rosenstein bei den Rumpler-Werken und wurde dort als Flugschüler angenommen. Am 3. November 1911 bestand er das Examen und erhielt 1912 das Flieger-Patent Nr. 170 bei der Fliegerschule Johannisthal. Somit gehörte auch Willi Rosenstein zu den sog. „Alten Adlern“, die vor Kriegsbeginn ihre Fluglizenz erworben hatten. Anschließend wurde Rosenstein als Fluglehrer bei Rumpler in Johannisthal angestellt und erteilte angehenden Fliegeroffizieren den ersten Ausbildungskursus auf den bekannten „Rumpler-Tauben“. Er beteiligte sich an einigen der Rumpler-Flugwochen, konnte aber mit den Schulflugzeugen keine erwähnenswerten Leistungen erreichen.

1913 verließ Willi Rosenstein die Rumpler-Werke und wechselte zur Gothaer Waggonfabrik, um dort den Flugzeugbau einzuführen. Zuerst arbeitete er vier Monate bei deren Zentrale für Aviatik in Hamburg. Während dieser Zeit nahm er mit einer „Gothaer Taube“ an dem Mecklenburger Rundflug teil, erzielte den ersten Preis im Gesamtklassement und gewann sämtliche Ehrenpreise.

Nach seinem Umzug nach Gotha flog Rosenstein die neuen Militärmaschinen ein, beteiligte sich an den Neukonstruktionen, nahm an Abnahmeflügen teil und bildete weitere Flugschüler aus. Während seiner Fluglehrerzeit bildete Rosenstein 80 Offiziere und 40 Zivilflieger aus. In dieser Funktion absolvierte Willi Rosenstein in Hamburg den 2000. und in Gotha den 3000. Flug. Beim 3000. Flug war seine Mutter als Passagierin an Bord. Sehr erstaunlich ist, dass Rosenstein auf den meist gänzlich unerprobten Flugapparaten keinen nennenswerten Bruch mit Körperschaden erlitt.

Willi Rosenstein (hier in der Schreibweise "Willy") und seine Gotha-Taube von der Gothaer Waggonfabrik (Sanke Postkarte Nr. 242).  


Zu Beginn der Mobilmachung des Ersten Weltkrieges meldete sich Willi Rosenstein als Kriegsfreiwilliger und wurde im Januar 1915 zum Armeeflugpark 5 nach Montmedy im Nordosten Frankreichs beordert. Im Februar 1915 wurde er zur Feldfliegerabteilung 19 (FFA 19) nach Porcher versetzt. Dort flog er mit Leutnant Martin als Beobachter. Ein Jahr später erfolgte seine Beförderung zum Leutnant d.R. der Fliegertruppe. Im April 1916 unterlag Willi Rosenstein während eines Fernaufklärungsfluges jenseits der Maas bei Verdun im Kampf einem französischen Jagdflugzeug. Leutnant Martin erhielt einen schweren Oberschenkelknochenschuss und zwei weitere Steckschüsse in das andere Bein. Er wurde sofort ohnmächtig. Rosenstein wurde durch drei Dumdum-Schüsse in beide Beine getroffen. Mit dem einen Bein steuerte er sein Flugzeug noch zum Flughafen und landete glatt. Er wurde sofort ins Lazarett transportiert und operiert. Aus der Narkose aufgewacht, fand der er das Eiserne Kreuz 1. Klasse (EK 1) vor.

Ausweis
Seine Majestät der Kaiser und König haben dem Leutnant der Reserve Rosenstein der Feldflieger-Abteilung 19 am 28. April 1916 das Eiserne Kreuz 1. Klasse zu verleihen geruht, was ich hiermit bescheinige.

K.H. Qu., den 28. April 1916
Generalleutnant und Stellvertreter des
kommandierenden Generals V. Armeekorps.  


Rosenstein gesundete rascher als Leutnant Martin. Ohne ihn wollte er jedoch keine Beobachtungsflüge mehr ausführen. Er meldete sich als Jagdflieger zunächst bei der Armee-Fokker-Staffel in der Champagne, dann bei der Jagdstaffel 27 (Jasta 27) in Flandern, bei der er dann die ersten beiden gegnerischen Flugzeuge abschoss.

Zur Erholung zum Grenzschutz in die Heimat nach Karlsruhe kommandiert, erhielt er für einen Abschuss über Hagenau den Orden „Zähringer Löwe“ verliehen. Nach vollständiger Genesung erhielt Willi Rosenstein die Order, sich bei der Jagdstaffel 40 (Jasta 40) bei Lille einzufinden.

Bereits beim ersten Frontflug schoss er ein englisches Flugzeug ab, das brennend dicht neben ihm abstürzte. Unter der Führung von Leutnant Pegelow schoss Willi Rosenstein sechs weitere Flugzeuge ab. Dafür wurde er zum Hohenzollern-Hausorden vorgeschlagen, dessen Aushändigung allerdings die Revolution verhinderte.

Nach dem Krieg widmete sich Willi Rosenstein der Sportfliegerei und emigrierte auf der Flucht vor den Nazis in den dreißiger Jahren nach Südafrika. Er heiratete und wurde Vater eines Sohnes, der im Zweiten Weltkrieg als Kampfpilot bei der Royal Air Force (RAF) am 2. April 1945 im Luftkampf in Italien fiel.

Willi Rosenstein verunglückte bei einem Flugunfall Mitte Mai 1949 nahe seiner Farm in Rostenberg/ZA - während eines Ausbildungsfluges mit einem Flugschüler.

Leutnant Willi Rosenstein war Angehöriger der folgenden Einheiten:

  • Armee-Oberkommando 3 (AOK 3)
  • Flieger-Abteilung 19 (FA 19)
  • Jagdstaffel 9 (Jasta 9)
  • Jagdstaffel 27 (Jasta 27)
  • Jagdstaffel 40 (Jasta 40)
  • Kampfeinsitzerstaffel 1 B (KEST 1 B)


Abschüsse von Leutnant Willi Rosenstein:

Nr.  Datum  Einheit  Gegner / Abschuss  Ort 
01  21.09.1917   Jasta 27  D.H.4  Zonnebeke 
02  26.09.1917  Jasta 27  Sopwith Camel (B6275)  Blankartsee 
03  26.06.1918  Kest 1b  D.H.4  Hagenau/Karlsruhe 
04  14.07.1918  Jasta 40   S.E.5a  südöstl. von Vieux Berquin 
05  29.09.1918  Jasta 40  Bristol F.2b   
06  03.10.1918  Jasta 40  SPAD XIII  Roulers 
07  04.10.1918  Jasta 40  Sopwith Camel   
08  07.10.1918  Jasta 40  Sopwith Camel  Ghent 
09  27.10.1918  Jasta 40  Sopwith Camel  Wynghene 

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Kommentar: 1 von raineranton erstellt am : 18.07.2010 17:57 gespeichert
Es gab zwei Gründe, warum Rosenstein die Jagdstaffel 27 verließ und zu einem Heimatverteidungsverband versetzt wurde. Erstens war er wohl durch sechs Jahre ununterbrochenem Fliegen "abgeflogen", d.h. er hatte es mit den Nerven und brauchte eine Auszeit. Der andere Grund lag wohl in Unstimmigkeiten gegenüber seinem Staffelführer Hermann Göring, bzw. in einer antisemitischen Bemerkung Görings, welche dieser vor Rosensteins Staffelkameraden geäußert hatte.
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