(* 06. Dezember 1891 in Roßlau a.d. Elbe; + 23. August 1961 in Bremen) war als Marineflieger im Ersten Weltkrieg an der Westfront, wurde Unternehmer, dann Politiker und 1934 einige Wochen im KZ Lichtenburg interniert.
Gotthard Sachsenberg wurde am 6. Dezember 1891 in Roßlau, einer kleinen Stadt in Anhalt, geboren. Dort war sein Vater Inhaber einer Werft mit Filialen in Deutz und Stettin. Daraus ist das Interesse des Sohnes an der Marine abzuleiten, die für ihn zum Lebensinhalt wurde.
Zusammen mit » Oswald Boelcke war er Schüler im Dessauer Gymnasium und wurde 1913 nach dem Abitur Fähnrich zur See in Pommern. Bereits nach kurzer Zeit meldete er sich zur Fliegertruppe.
Bei Kriegsbeginn wurde Sachsenberg mit einem Freiwilligen-Marine-Fliegerkorps zusammen mit 25 Fähnrichen als Beobachter an die Westfront beordert. Dort wurde er der 2. Marine-Feldflieger-Abteilung zugeteilt, die im Rahmen des 27. Reservekorps bei der IV. Armee im Yperngebiet eingesetzt wurde, während auf dem rechten Flügel der Flandernfront die Marine als Landtruppe stand. Die schlecht ausgerüsteten Marineflieger flogen täglich unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Alfred Ritscher.
Im Februar 1915 begann der Einsatz gegen den sog. Feind. Die erste deutsche Gas-Offensive bei Ypern im April 1915 wurde auch durch Sachsenburgs Beobachter-Fotos möglich, die er bei Flügen in 600-800 m Höhe anfertigte. Im Gegenzug schoss u.a. der zum französischen Nationalhelden stilisierte Einsitzer-Flieger Garros diverse deutsche Flugzeuge ab. Während eines Aufklärungsfluges wurde Sachsenberg von zwei französischen Farmans abgeschossen, die bedeutend schneller waren als sein plumper Doppelsitzer. Bei der Landung brach die durchlöcherte Maschine vollständig zusammen. Sachsenburg erhielt als Fähnrich das Eiserne Kreuz Erster Klasse (EK I) und wurde nach Gent ins Fliegerlager gesandt. Nach der Genesung lernte er als Leutnant in Johannisthal das Fliegen, anschließend besuchte er in Mannheim die Kampfeinsitzerschule und begegnete dort den berühmten Fliegern jener Zeit.
Gotthard Sachsenberg vor seinem D.VII Doppeldecker
Im April 1916 wurde Sachsenberg zur alten Staffel zurückversetzt, da bei der Marine noch keine Jagdstaffeln bestanden. Im Winter 1916 wurde die dritte Marinefliegerabteilung in der IV Armee gegründet. Am 1. Mai 1917 schoss Sachsenberg beim ersten Frontflug zwei englische Flugzeuge ab, ein anderer deutscher Flieger aus Sachsenbergs Staffel schoss eine weitere englische Maschine ab.
Weitere gegründete Jagdstaffeln wurden später zu einem Geschwader zusammengefasst. Kommandeur des 1. Marine-Jagdgeschwaders wurde Gotthard Sachsenberg. Ihm unterstanden 48 Offiziere und 600 Mann.
Zitat Sachsenberg: „Ich bin niemals ein übermäßig talentierter Flieger gewesen, jedenfalls nicht im Sinne eines Flugakrobaten. Es gab Kameraden, wie etwa » Ernst Udet, die auf ihren Maschinen fast unglaubliche Leistungen vollbringen konnten... Aber trotzdem ist es ihnen wie uns ergangen: Man fühlte sich keineswegs vor jedem Start als reiner Held… Wir mussten alle unsere Erfahrungen des Luftkampfes erst erobern. Es gab ja kein Lehrbuch darüber, wie etwa ein Exerzier-Reglement oder ein strategisches Lehrbuch. Genau so, wie wir unsere erste Armierung selbst einbauen und ‘erfinden‘ mussten, so mussten wir auch erst die Taktik des Luftkampfes schaffen. Mit der Zeit … hatten wir dann heraus, dass, um nur ein Beispiel zu nennen, die beste Distanz für das Luftduell eine Entfernung von 50 m war. Beim Angriff suchten wir den Gegner zunächst zu überkurven, um dann aus der Höhe mit voller Maschinenkraft herabzuschießen, bis wir vielleicht 100 m unter dem feindlichen Flugzeug waren. Dann wurde die Maschine steil hochgerissen und geschossen. … Ein Luftduell dauerte selten länger als ¼ Stunde, oft nur wenige Minuten.“
Bei einer Schießerei mit einem englischen Seekampfzweisitzer erhielt Sachsenbergs Maschine einen Schuss in den Schwefelsäure enthaltenden Akkumulator; durch schnelle medizinische Hilfe nach der Landung wurde seine Sehkraft erhalten. Nach einem weiteren Gefecht mit zwei englischen Spad-Einsitzern konnte er die Notlandung auf dem mit großen englischen Flugzeugreserven bestückten belgischen Flugplatz Poperingh knapp vermeiden. Nach 16 Abschüssen erhielt Sachsenberg am 5. August 1918 den » Pour le Mérite als 500. Offizier des Weltkriegs. Drei Monate vor Kriegsende übernahm Sachsenburg die Führung eines Geschwaders, das die U-Boot-Basis Brügge schützen sollte. Sachsenberg wurden insgesamt 31 Abschüsse zugeschrieben.
Nach Kriegsende kämpfte das Geschwader Sachsenberg in Lettland auf der Seite der lettischen Unabhängigkeitsbewegung um Kārlis Ulmanis. Während und nach dem Krieg unterstützte Sachsenberg den Einsatz von Junkers-Flugzeugen, woraufhin er 30 Maschinen vom Typ J-9 und 15 Maschinen vom Typ J-10 erhielt.
Sachsenberg schied im Oktober 1919 aus dem Militärdienst aus und war 1920/21 Gründer und Leiter der Ostdeutschen Landwerkstätten GmbH (OLA) in Seerappen; dort sollte ehemaligen Heeresangehörigen, vornehmlich Handwerkern und Landwirten, der Übergang in bürgerliche Berufe erleichtert werden. Gleichzeitig war er von November 1919 bis zur Auflösung des Unternehmens im April 1921 Geschäftsführer der von Junkers, Albatros und dem Norddeutschen Lloyd gegründeten Lloyd Ostflug GmbH in Königsberg. 1921 wurde er Mitarbeiter von Prof. Hugo Junkers im Bereich der Organisation der deutschen und internationalen Luftfahrt, zunächst als Verwaltungskaufmann, später als Direktor der Abteilung Luftverkehr. Nach der Verstaatlichung der Junkers-Luftverkehrs AG leitete er die Vertriebsabteilung der Junkers-Flugzeugwerke in Berlin. Außerdem war er Aufsichtsratsmitglied der Oberschlesischen Luftverkehrs AG.
In den 1920er-Jahren trat Sachsenberg in die Wirtschaftspartei ein. Bei der Reichstagswahl im Mai 1928 wurde er für diese Partei in den Deutschen Reichstag gewählt. Sachsenberg war bis Juli 1932 MdR, zeitweise auch als Mitglied des Verkehrsauschusses. Im Parlament vertrat er die Wahlkreise Breslau und Liegnitz.
Hier bekannte Stationen in der Zeit des Naziregimes:
Ab 1934 leitete Sachsenberg die familieneigene Schiffswerft Gebrüder Sachsenberg AG in Roßlau. Am 7. Juli 1934 wurde er auf Befehl von Reichsluftfahrtminister Hermann Göring verhaftet und anschließend mehrere Wochen im KZ Lichtenburg interniert. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ihm die Leitungsbefugnis entzogen, da er sich geweigert hatte, das Unternehmen auf Kriegsproduktion umzustellen.
Anfang der 1940er-Jahre wurde Sachsenberg Geschäftsführer der Land- und See-Leichtbau GmbH in Berlin. Weiterhin war er Aufsichtsratsmitglied der Gebrüder Sachsenberg AG in Dessau-Roßlau sowie der Deutschen Vacuum Oel AG in Hamburg.
Nach Kriegsende siedelte Sachsenberg nach Westdeutschland um und beteiligte sich zusammen mit einem ehemaligen Junkers-Mitarbeiter am Aufbau verschiedener Unternehmen, u.a. zum Bau von Tragflächenbooten in der Schweiz und in Bremen. Er war Initiator des Deutschen Grünen Kreuzes sowie Mitbegründer der Biologischen Arbeitsgemeinschaft in Lich, der heutigen BAG Health Care GmbH.
Gotthard Sachsenberg starb am 23. August 1961 in Bremen an den Folgen einer Herzerkrankung.
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