(* 09. August 1888 in München, + 15. November 1947 in Dießen am Ammersee) wurde im Ersten Weltkrieg „The Black Knight of Germany“ genannt. Im Zweiten Weltkrieg war er SS-Luftwaffengeneral und starb in amerikanischer Gefangenschaft.
Eduard-Maria Joseph Schleich wurde am 9. August 1888 in München geboren. Sein Vater war der Maler Eduard Schleich der Jüngere (1853-1893). Nach Umzug der Familie verbrachte Schleich die Jugend- und Schulzeit in Bad Tölz. Er heiratete Micheline Heusch.
Die aktive Dienstzeit absolvierte er beim 11. Infanterie-Regiment in Regensburg und rückte mit diesem ins Feld. Nach Heilung einer Verwundung am 25. August 1914 meldete Schleich sich 1915 zu den Fliegern. Ab Mai 1915 bei der Flieger-Ersatz-Abteilung I (FEA 1) in Schleißheim und Schneidemühl stationiert, übernahm er bis 20. November 1915 die Führung der Fliegerschule Schleißheim sowie die Führung der FEA 1 von Mitte 1915 bis 12. Februar 1917. Anschließend wurde er Führer der Schutzstaffel 28 und danach zur Jagdstaffel 1 in Valenciennes versetzt, deren Führer der 1928 als Verkehrsflieger abgestürzte Hauptmann » Martin Zander war. Als Oberleutnant übernahm Schleich die Führung der preußischen. Jagdstaffel 21. Am 25. Mai 1917 schoss er den Franzosen Gorme, der 30 Luftsiege verantwortete, über Moron-Petit-Villers ab.
| Eduard Ritter von Schleich vor seinem Albatros D.V. Doppledecker bei der Jagdstaffel 21. |
In Schleichs 21. Staffel (Jasta 21) flogen auch Vizefeldwebel » Karl Thom und Leutnant » Emil Thuy die Albatros D.V, mit dem Kennzeichen D.2164/17 und der Kennung "T", beide spätere » Pour le Mérite Flieger. Nach ihrem Einsatz in der Gegend des „Toten Mann“ wurde die Staffel in die Nähe von Verdun verlegt. Hier schoss Schleich am 13. September 1917 mit Flugzeug Nr. 13 den 13. Gegner ab. Seine Maschine strich er nun schwarz an, daher nannten ihn die Engländer den „Black Knight“, vergleichbar Manfred von Richthofen den „Red Baron“ oder „Red Knight“ und Ernst Udet den „Great Knight“.
Nach Erbeutung eines französischen Spad, der von Schleichs Staffel auf den deutschen Linien zur Landung gezwungen worden war, flog Schleich mit dieser Maschine mit deutschem Abzeichen über die Front. Beim Flug in 4000 m Höhe begegneten ihm fünf französische Spads, die keine Notiz von ihm nahmen. Schleich folgte ihnen als sechster und flog ca. drei Minuten mit ihnen zusammen. „Wie mir zumute war“, schrieb er, „sage ich nicht gerne; auf jeden Fall so dämmerig, dass ich mein Herz am Halse klopfen spürte!“ Indem er vor den „Kollegen“ Kurven flog, damit diese die Eisernen Kreuze sehen konnten, gab er sich zu erkennen. Die fünf griffen an, Schleich flog jedoch höher, war daher im Vorteil und schoss eine Spad ab. Danach musste er wegen Munitionsmangels zurück fliegen.
Nach dem 25. Abschuss erhielt er am 4. Dezember 1917 die Führung der Jagdstaffel 32. Nach der Beförderung zum Hauptmann wurde Schleich zum Ritter des bayerischen Militär-Max-Josef-Ordens ernannt und am 30. September, nachdem er seit 15. März Führer der Jagdgruppe geworden war, Kommandeur des Jagdgeschwaders 4.
Aus dieser Zeit stammt Schleichs Eintrag in seinem Tagebuch:
„Ich will gerade mit meiner Staffel zurück zum Flugplatz, da sehe ich schräg vor mir über Vimy eine Staffel von achtzehn englischen Sopwith-Kampfeinsitzern in 4000 m Höhe. Ich ziehe ihnen mit meinen zwölf Einsitzern sofort entgegen, um sie zu veranlassen herunterzukommen und mich anzugreifen. Merkwürdigerweise aber turnt eine einzelne englische Maschine, die rechts vom Führer liegt, herab und ist sofort von meinen Flugzeugen umringt. Ich schieße ihm, im Karussel hinter ihm fliegend, den Motor kaputt. … Auf einer Wiese hinter unserer Front setzt der Engländer seine Maschine hin. Ich lande sofort neben ihm und springe aus meinem Flugzeug, um ihm, falls er verwundet ist, erste Hilfe zu leisten. Zu meinem Erstaunen aber ist der Engländer schon wie ein Wiesel herabgeklettert und hat sich hinter dem Rumpf seiner Maschine versteckt, so dass nur sein Kopf zu sehen ist. Ich nähere mich ihm etwas unentschlossen, da ich befürchte, er könne mit irgendeinem Schießeisen den Krieg am Boden fortsetzen. Mit einem „Hello, good old Fritz!“ gelingt es mir aber, seinem jungen spitzbübischen Gesicht ein Lächeln zu entlocken, so dass ich ihm über den Rumpf seiner Maschine weg meine Hand entgegenstreckte, die er herzlich schüttelt. Da ich mir meinen Gegner doch etwas näher daraufhin ansehen will, ob sein schöner Ledermantel mir in der Größe passt, bitte ich ihn, doch aus seinem Versteck hervorzukommen.
Nach langem Zögern kriecht er langsam hervor, aber seinen Mantel will er absolut nicht ausziehen. Schließlich sage ich ihm etwas ungeduldig, dass er doch mein Gefangener und seine Ausrüstung meine Beute sei. Da gibt er denn endlich schweren Herzens nach und steht in einem kurzen weißen Tennishöschen vor mir. Da ich laut heraus lache, schämt er sich fürchterlich; als ich aber meine Kombination ausziehe – und im Pyjama vor ihm stehe, stimmt er herzlich in mein Gelächter mit ein und unter Händeschütteln erzählt er mir sein „error of judgement“ in der Luft. Er hatte gedacht, sein Staffelführer würde uns angreifen, und so stieß er in seinem Eifer auf uns herunter, während seine Staffel aber über uns weiterzog und verschwand. Inzwischen waren Offiziere im Auto gekommen, die den Engländer, Leutnant Stanley Blake Reece von der 64. Squadron, nach Douai brachten.“
46 Abschüsse, davon 35 offiziell anerkannte, wurden Major Eduard Ritter von Schleich im Ersten Weltkrieg zugeschrieben.
In der Nachkriegszeit gehörte von Schleich der Inspektion des Luftfahrtwesens an und somit auch der Heeresfriedenskommission. Er wurde Flugleiter der Süddeutschen Lufthansa in München, 1929 Flugleiter und Vorsitzender beim ehemaligen „Leichtflugzeugklub München“ und Privat-Fluglehrer. 1930 übernahm von Schleich die Leitung einer Privatfliegerschule in München-Schleißheim. 1932 ernannte ihn der Leichtflugzeugklub zum Präsidenten.
Im Sommer 1932 reiste Schleich - bereits in schwarzer SS-Uniform - auf Einladung seines früheren Gegners, des englischen Kampffliegers Major Draper, nach England. Zufällig traf er dort auf dem Flugplatz in Hanwort Lt. Reece wieder, der nach dem vierten Fluchtversuch nach England zurückgekehrt war und seitdem in einer Autofabrik in Liverpool arbeitete.
Zusammen mit seinem ehemaligen Kriegsbeobachter, Rittmeister Schmalschläger und Major Häfner stellte Schleich die SS-Fliegerstaffel-Süd auf, deren Führer er wurde. Nach kurzer Zeit als Kommandeur der Luftreserve 8 Weimar wurde von Schleich Generalmajor und Kommodore des Jagdgeschwaders 132 „Schlageter“ in Düsseldorf und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges General der Flieger.
Das Jagdgeschwader 26 unter Schleichs Leitung nahm zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ab 1. September 1939 am Angriff auf Polen teil. Ende September wurde es an die Westfront verlegt, wo es zu diesem Zeitpunkt nur wenige Kampfhandlungen gab. Im Dezember 1939 wurde Schleich aus der Kampfeinheit abgezogen, zum Generalmajor befördert und zu einer neu gegründeten Jagdfliegerschule nach Schwechat bei Wien versetzt. Im Herbst 1940 wechselte er in das mit Deutschland verbündete Rumänien, um die Rumänische Luftwaffe bei Organisation und Schulung zu unterstützen.
Kurz vor dem Angriff auf die Sowjetunion wurde Schleich am 12. Juni 1941 als Kommandierender General der Deutschen Luftwaffe ins besetzte Dänemark versetzt. Von Januar bis Oktober 1944 übernahm er die Leitung des „Luftgaus Norwegen“. Nach Zusammenlegung der Kommandos für fliegende und Bodentruppen wurde er am 10. Oktober für einen Monat Kommandierender General der Deutschen Luftwaffe in Norwegen. Zwischenzeitlich zum Generalleutnant befördert, wurde Schleich am 15. November 1944 in die inaktive Reserve versetzt.
Bei Kriegsende wurde Schleich am 9. Mai 1945 gefangen genommen. Bis zu seinem Tod am 15. November 1947 befand er sich in einem US-amerikanischen Kriegsgefangenenlager.
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