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(* 22. Januar 1892 in Mannheim, + xx.xx.xxxx in ?) war deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg und flog u.a. bei der Jagdstaffel 30.

Ein Portrait von Gastautor Rainer Absmeier.

Oskar Seitz wurde am 22. Januar 1892 im badischen Mannheim geboren. Seine Eltern waren Christoph und Helene Seitz, geborene Heil. Die Familie siedelte bald nach Heppenheim an der Bergstraße in Südhessen um. Dort absolvierte Seitz das Realgymnasium und wurde nach seinem Abschluss Volontärverwalter eines Gutes. Am 1. Oktober 1913 trat Seitz als Einjährig-Freiwilliger in das 5. Bayerische Chevaulegers-Regiment "Erzherzog Friedrich von Österreich" in Saargemünd, Lothringen ein. Vielleicht war sein Umgang mit Pferden ausschlaggebend, dass er sich bei der Kavallerie meldete. Am 1. April 1914 wurde er zum Gefreiten, am 1. Juli 1914 zum Unteroffizier befördert. Am 4. August 1914 zog Seitz mit seinem Kavallerie-Regiment in den Krieg und wurde am 12. März 1915 zum Leutnant der Reserve befördert. In diesem Jahr erhielt er den bayerischen Militärverdienst-Orden 4. Klasse mit Schwertern verliehen. Nachdem die Kavallerie durch die erstarrte Front nicht mehr aufklären konnte und die Reiter in Stellungsgräben hausen mussten, wuchs in ihm der Wunsch, sich zu den Fliegertruppen zu melden. Sein Versetzungsantrag wurde genehmigt und so wurde er am 7. Juli 1916 zur Fliegertruppe kommandiert. Nach seiner Ausbildung (wahrscheinlich bei der FEA Schleißheim) wurde Seitz am 1. November 1916 der bayerischen Flieger-Abteilung (A) 292 (FAA 292b) als Flugzeugführer zugeteilt. Hier flog er bis zum 15. April 1917 Artillerie-Einweisungsflüge und Aufklärungseinsätze über der Front. Einen Tag später wurde er zur Jagdstaffel 30 (Jasta 30) versetzt und dufte von nun an Albatros-Einsitzer fliegen.

Oskar Seitz bei der Jagdstaffel 30 in seiner Albatros D.III 767/17, welche er später mit einem roten "S" auf dem Rumpf verzieren und das Seitenleitwerk mit hellblau-weißen Rauten bemalen ließ. (Foto: Rainer Absmeier Collection) 

Albatros D.III 767/17 von Oskar Seitz mit dem roten "S" auf dem Rumpf und dem Seitenleitwerk mit hellblau-weißen Rauten. (Foto: Rainer Absmeier Collection) 


Die Jasta 30 wurde von Oberleutnant » Hans Bethge geführt und lag in Phalempin im Frontabschnitt der 6. Armee. Schon knapp eine Woche später, am 21. April 1917, stieß Seitz über Gavrelle mit seinem Staffelkameraden Leutnant Nernst im Luftkampf mit FE2bs und Sopwith Triplanes zusammen. Lt. Nernst stürzte daraufhin tödlich ab. Seitz selbst konnte gerade noch im Niemandsland eine Notlandung machen und sich zu den eigenen Linien retten. Er erlitt einen schweren Nervenschock, blieb aber zunächst weiterhin bei der Jagdstaffel 30. Doch war er seit dem tragischen Unfall beim Formationsflug sehr verunsichert und konnte nur schwer seine Position halten. Schließlich schrieb Seitz mit dem folgendem Wortlaut einen Rückversetzungsantrag zu seiner alten Einheit, Fliegerabteilung (A) 292b (FAA 292b):

„Ew. (Ehrenwerten - d. Verf.) Hochwohlgeborenen bitte ich gehorsamst meine Zurückversetzung zur bayerischen Fliegerabteilung (A) 292 genehmigen und höheren Orts befürworten zu wollen. Als Grund gebe ich Folgendes an: Am 21.04.1917 stieß ich jenseits der Linien im Verlaufe eines Luftkampfes mit einer Albatros D.III in 2700 Metern Höhe zusammen, wobei ein Teil des linken unteren Tragdecks, Fahrgestell und Propeller weggerissen wurde. Trotz der schweren Beschädigung des Flugzeuges kam ich bei Gavelle (Gavrelle - d. Verf.) zwischen der deutschen und englischen Stellung heil herunter. Von den Engländern von den Trümmern meines Flugzeuges bis kurz vor den deutschen Stellung verfolgt, gelang es mir auch diese glücklich zu erreichen. Seit dieser Zeit besitze ich beim Fliegen innerhalb eines größeren Geschwaders nicht mehr die nötige Sicherheit, um gleichzeitig mit diesem einen Luftkampf durchzuführen und hatte während meiner 2½-monatigen Tätigkeit keinerlei Erfolg. Nach Rücksprache mit meinen früheren Herrn Abteilungsführer (der FAA 292) kann ich als Flugzeugführer wieder zur bayer. Fliegerabteilung (A) 292 zurück und ich glaube außerhalb eines Geschwaderverbandes meiner Aufgabe als Flugzeugführer gewachsen zu sein.
gez. Leutnant Oskar Seitz“
 


Sein Staffelführer, Oblt. Hans Bethge schrieb am 20. Juli 1917 folgende Beurteilung über Leutnant Oskar Seitz:

„Lt.d.Res Seitz ist bei der Staffel eifrig geflogen, ist jedoch den Anforderungen des Geschwaderflugs und Luftkampfes insofern nicht mehr gewachsen, da er am 21. April 1917 mit einem im Geschwader fliegenden Kameraden in 2500 Metern Höhe zusammen stieß und nur mit Mühe mit dem Leben davon kam. Ich glaube, daß Lt. d. Res. Seitz bei einer Doppelsitzer-Abteilung allen Anforderungen gewachsen sein wird.

Dienstlich zeichnet sich Lt.d.Res. Seitz durch hohes Pflichtbewusstsein und seine gute militärische Erziehung aus. Im Offizierkorps ist er als vorbildlich bescheidener, wohlerzogener, stets liebenswürdiger Kamerad sehr beliebt.
gez.: Oberleutnant Hans Bethge““
 


Am 27. Juli 1917 wurde Seitz nach kurzem Aufenthalt beim Armee-Flugpark 6 (AFP 6) zur bayerischen Flieger-Abteilung (A) 292 zurück versetzt. Doch auch hier konnte er sich nicht mehr in den normalen Flugbetrieb einbinden und wurde schon am 31. Juli 1917 zur bayerischen Fliegerersatz-Abteilung in Schleißheim in die Heimat geschickt. Von dort wurde er am 3. August 1917 als Fluglehrer bei der Flieger-Schule 5 in Gersthofen kommandiert, um sich hier von dem traumatischen Erlebnis zu erholen.

Am 21. April 1918 wurde Seitz wieder an die Front geschickt. Zunächst wartete er bei den AFP 17 und AFP 4 auf neue Aufgaben, bis er schließlich am 28. April 1918 zur bayerischen Flieger-Abteilung (A) 288 (FAA 288b) kommandiert wurde. Hier blieb Seitz bis Kriegsende. Er wurde am 30. Juni 1918 zum Oberleutnant befördert und schließlich am 2. Dezember 1918 entlassen.

Seitz hatte am 17. April 1917 sein Flugzeugführer-Abzeichen erhalten. Er nahm an 79 Jagdflügen der Jagdstaffel 30 mit insgesamt 78 Flugstunden teil. Über das weitere Schicksal von Oberleutnant Oskar Seitz ist nichts bekannt.

Einheiten:
• Fliegerersatz-Abteilung Schleißheim (?)
• Fliegerabteilung (A) 292b (FAA 292b)
• Jagdstaffel 30 (Jasta 30)
• Fliegerabteilung (A) 288b (FAA 288b)

Auszeichnungen:
• Bayerischer Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern

Persönliches Kennzeichen:
Rotes „S“ auf Rumpf, bayerische Rauten auf Seitenruder

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