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(* 20. Mai 1893 in Schorndorf / Württemberg, + 09. Mai 1985 in Schorndorf ) war deutscher Flugpionier und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg mit 15 Abschüssen gegnerischer Flugzeuge.

Ein Portrait von Gastautor Rainer Absmeier.

Paul Strähle wurde als Sohn von dem gelernten Schmied Wilhelm und seiner Frau Luise Strähle am 20. Mai 1893 in Schorndorf in Württemberg geboren. Von 1908 bis 1911 besuchte er die Königlich-Württembergische Fachschule für Feinmechanik-Elektrotechnik und Uhrmacherei in Schwenningen. Im Anschluss volontierte Strähle bei der Firma NSU und war dort bis 1913 in der Versuchsabteilung und als Testfahrer für Motorräder und Automobile tätig.

Ab 1. Oktober 1913 absolvierte Strähle seinen Militärdienst bei der 1. Kompanie des Luftschiffer-Bataillon 4 in Mannheim. Dort flog er mehrere Male in der offenen Gondel des Zeppelin Z VII. Doch statt nun weiter mit den Zeppelinen zu fliegen wurde er nach Brüssel geschickt, um mit anderen dort einen Zeppelin-Hangar aufzubauen. Als dieser fertig war, verließ Strähle das Luftschiffer-Bataillon und fand sich nach Beginn des Ersten Weltkrieges bei der Infanterie im Grabenkampf wieder und wurde am 4. Juni 1915 wurde zum Leutnant befördert. Nach mehreren Versuchen zur Fliegertruppe zu kommen, wurde Strähle schließlich am 8. November 1915 zur Fliegerersatz-Abteilung 8 (FEA 8) in Graudenz kommandiert und wurde dort bis Anfang Mai 1916 bei der Fliegerschule Köslin in Pommern zum Flugzeugführer ausgebildet. Nachdem er sein Pilotenzertifikat erhielt, kam er am 26. Juni 1916 zum Armeeflugpark 4 (AFP 4) und wurde am 16. Juli 1916 der Flieger-Abteilung (A) 213 (FAA 213) zugeteilt. Am 12. September 1916 kam er in die Heimat zurück und wurde zur Fliegerersatz-Abteilung 7 (FEA 7) gesandt, um in Köln auf Einsitzer zu schulen. Am 27. Oktober 1916 wurde er zur neu aufgestellten Jagdstaffel 18 (Jasta 18) beordert. Die Jasta 18 wurde von Rittmeister Karl von Grieffenhagen geführt und lag für dreizehn Monate in Flandern im Frontabschnitt der 4. Armee. Der erste Abschuss eines gegnerischen Flugzeugs erfolgte am 14. Februar 1917, eine FE2d der 20. Squadron über Zuidschoote. Knapp einen Monat später, am 11. März 1917, fiel sein zweiter Gegner und sechs Tage danach erfolgte der dritte Abschuss.

Abschuss Nr.6 von Paul Strähle (Foto via Rainer Absmeier) 


Zwischen dem 29. April und 26. Mai 1917 schoss Strähle dann vier weitere gegnerischer Flugzeuge ab und war somit bei der Abschusszahl sieben angelangt. Hierfür erhielt er am 9. August 1917 das Ritterkreuz mit Schwertern des Hohenzollernhausordens verliehen. Danach riss seine Abschussserie erst mal für lange Zeit ab. Hierbei war wohl auch ab Hochsommer 1917 das unterlegene Flugzeugmaterial schuld, denn Strähle schrieb in sein Kriegstagebuch:

„17. August 1917 - flog Albatros D.III 1970/16. Musste die Patrouille verlassen, da meine Maschine die Staffelformation nicht halten konnte und verfolgte danach fünf oder sechs Feindflugzeuge. Ich gab ein paar Salven auf eine der Maschinen ab, hatte aber kurz darauf in beiden Maschinengewehren Ladehemmung. Meine Maschine ist für den Luftkampf nicht gut genug! 18. August 1917 – kurz nach dem Start wurde unsere Formation von fünf Spads, welche vorher über den Wolken waren, mit Leuchtspurmunition angegriffen. Sie waren uns allen an Geschwindigkeit überlegen, so war ein erfolgreicher Kampf nicht möglich.“

Am selben Tag durfte Strähle später eine erbeutete Spad VII fliegen und fand:

„Sie ist sehr gut, aber etwas unstabil. Man fühlt sich in ihr sicherer als in einer Albatros.“

Im Oktober 1917 flog Strähle eine Albatros D.V 4594/17 - eine Maschine, die er in sieben Monaten bei Einsätzen flog und kam dabei in dieser Zeit zu über 130 Frontflügen. Am 1. Januar 1918 wurde Paul Strähle mit der Führung der neu gebildeten Jagdstaffel 57 (Jasta 57) beauftragt. Die Jasta 57 wurde aus der Flieger-Beobachter-Schule Königsberg formiert und erreichte am 24. Januar 1918 das Flugfeld in Wasquehal, östlich Lille, im Frontabschnitt der 6. Armee. Leider musste sich die Staffel mit zwar nagelneuen, aber zu der Zeit hoffnungslos veralteten Albatros (OAW) D.III abfinden. Strähle führte als Staffelfarbe hellblau ein und persönliche Kennzeichen wurden von ihm nicht geduldet. Jede Maschine der Piloten hatte aber zur Unterscheidung eine andere Bemalung im vorderen Bereich des Rumpfes und der Radkappen. Strähles Farbe war rot. Von seiner alten Staffel 18 durfte er seine alte Albtraos D.V und zwei Piloten mitnehmen. Es waren Uffz. Max Hitschler und Lt. Hans Viebig mit fünf Abschüssen gegnerischer Flugzeuge. Diese beiden „alten Hasen“ flogen im Januar und Februar 1918 dann zusammen mit Strähle die meisten Einsätze und lehrten den anderen Piloten den von Strähle geforderten strikten Formationsflug. Am 27. Februar 1918 flog er drei Übungsflüge mit acht seiner Piloten durch und schrieb in sein Tagebuch:

„Erste Staffelübung, nach detaillierten theoretischen Instruktionen Formationsflug. Flug sehr gut, aber manchmal sehr gefährlich.“ Dann: „Zweiter Testflug noch nicht gut genug.“ Und schließlich nach dem dritten: „Beim dritten Testflug des Tages flog ich neben der Formation, um die Piloten zu sehen, welche hinterher hingen. Bei der Landung sind dann Uffz. Wieprich und Lt. Haffner zusammengestoßen. Beide Maschinen beschädigt, aber die Piloten blieben unverletzt.“

Am 3. März 1918 führte Strähle seine erste Frontpatrouille und schrieb:

„Formation genügend.“ Eine Woche später konnte er glücklich schreiben: “Kampf mit RE8 über Arleuse. Viebig und Gefr. Sielmann konnten je eine abschießen.“

Seine neue Staffel hatte somit ihre Feuertaufe gefeiert und die zermürbende Zeit war vorüber. Strähle konnte für seine Einsätze in den folgenden Wochen zwischen seiner alten Albatros D.V 4594/17 und einer neuen D.III (OAW) 2385/17 wählen. Am 17. April 1918 schoss er als neuer Staffelführer innerhalb von Minuten zwei gegnerische Flugzeuge ab. Eine RE8 und eine Sopwith Camel, Abschüsse acht und neun. Am 16. Mai 1918 musste Strähle eine Notlandung in einem Feld mit Granattrichtern und jede Menge Stacheldraht machen, da die Benzinzufuhr bei seiner alten D.V ausfiel und deshalb der Motor stoppte. Er flog diese Maschine schon seit dem 5. Oktober 1917 - jetzt musste sie komplett abgeschrieben werden. Am 19. Mai 1918 war Strähle mit seiner D.III im Einsatz zurück und schoss eine DH9 der 206. Squadron ab. Seine Albatros D.III erhielt bei diesem Einsatz sechzehn Treffer inklusive zwei Treffer in den Motor. Im Gleitflug erreichte er danach komplett mit Öl und Wasser bedeckt seine Heimatbasis und landete sicher. Strähle erhielt danach eine Albatros D.Va 7401/17 und meldete am 24. Juni 1918 seinen letzten Albatros-Abschuss über eine weitere DH9. Ende Juli 1918 erhielt die Jasta 57 die erste Fokker D.VII und Strähle schoss mit ihr im August 1918 seine letzen vier Gegner des Krieges ab. Er wurde am 27. September 1918 an der rechten Hand leicht verwundet, kehrte aber kurz danach wieder an die Front zurück. Doch hohes Fieber und Influenza hielt ihn in den letzten chaotischen Kriegstagen untätig am Boden. Bis zum Stillstand der Feindseligkeiten zählte Strähle fünfzehn Abschüsse. Der Jasta 57 schoss unter seiner Führung 33 gegnerische Flugzeuge ab, bei dem Verlust von fünf gefallenen Piloten. Einer geriet in Gefangenschaft, vier wurden verwundet und zwei durch Abstürze verletzt.

Paul Strähle blieb auch nach Beendigung des Ersten Weltkrieges der Fliegerei treu. 1919 erwarb er drei entmilitarisierte Flugzeuge vom Typ Halberstadt CL.IV von der Reichs-Treuhandstelle, weil ihm diese für zivile Zwecke geeignet erschienen. Aufgrund des Versailler Vertrages wurden die Maschinen 1920 jedoch beschlagnahmt und konnten erst nach einjähriger Wartezeit zum Zehnfachen des ursprünglichen Preises von der Reparationskommission freigekauft werden. Im Ersten Weltkrieg wurden sie als Aufklärer und Erdkampfflugzeuge eingesetzt und später von Stähle zu Passagier- und Postflugzeugen umgerüstet. Trotz größter Bedenken wurde ihm als einzigem deutschen Privatunternehmer vom Reichsluftamt Berlin 1921 die Konzession zunächst für die Fluglinie Stuttgart (vom Stuttgarter Wasen) nach Konstanz erteilt. Am 3. Januar 1921 um 11:19 Uhr startete Flugpionier Paul Strähle zum ersten Flug. Damit begann auf rein privater Basis der zivile Luftverkehr in Deutschland. Die Verbindung Stuttgart-Konstanz kostete 700 Reichsmark (RM) für Hin- und Rückflug.

Zwei Jahre lang führte die Luft-Verkehr-Strähle diesen Luftpost- und Passagierdienst mit größter Regelmäßigkeit und ohne nennenswerte Unfälle durch. In dieser Zeit wurden 825 Passagiere und 5.235 Kilogramm Post transportiert und insgesamt 119.712 Flug-Kilometer zurückgelegt. Schon 1923 mußte der Flugpionier sein Unternehmen schließen, weil die Lufthansa das Monopol für den gesamten deutschen Luftverkehr erhielt. Mit dem Ende des Flugdienstes wurde auch die D-71 außer Dienst gestellt. Stähle widmete sich der Herstellung von Luftbildaufnahmen.

Das Flugzeug, Typ Halberstadt CL IV, wurde im Sommer 1918 als „Schlachtflugzeug“ gebaut. Der Passagierraum der D-71 ist nicht mal 1 qm groß. Zwei Fluggäste konnten auf den gegenüberliegenden Klappsitzen Platz nehmen. Nach dieser Zeit wurden weitere Linien eröffnet, die zu einem regen innerdeutschen Passagierdienst führten. Paralell zu seinem Flugbetrieb übernahm Strähle im Familienbetrieb die Automobilvertretungen der Firma Magirus, Opel und Adler und eröffnete 1926 eine Autowerkstatt außerhalb Schorndorfs. Später übernahm er als Geschäftsführer die von seinem Onkel Ernst Strähle und von seinem Vater gegründete Strähle Kraftfahrzeuge GmbH & Co. KG. 1927 wurde sein Sohn Ernst-Paul Strähle geboren, der später auch Geschäftsführer der Strähle KG wurde. Aus seiner im Jahre 1921 geschlossenen Ehe mit Martha Häckh wurde im Jahre 1922 die Tochter Annelise geboren.

Im Zweiten Weltkrieg diente Paul Strähle als Major der Flugabwehr in den Niederlanden, Frankreich und an der russischen Front.

Er starb am 9. Mai 1985 in Schorndorf im Alter von 92 Jahren.

Einheiten:
• Luftschiffer-Battaillon IV
• Fliegerabteilung A 213 (FAA 213)
• Fliegerersatz-Abteilung 7 (FEA 7)
• Jagdstaffel 18 (Jasta 18)
• Jagdstaffel 57 (Jasta 57)
• Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK 1)
Auszeichnungen:
• Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK 1)
• Königlicher Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern

Abschüsse:
01. - 14.02.1917 - Jasta 18 - F.E.2b - Zuidschoote
02. - 11.03.1917 - Jasta 18 - Sopwith 1½ Decker - Zillebeke
03. - 17.03.1917 - Jasta 18 - Nieuport Scout (A6617) - Wervicq
04. - 29.04.1917 - Jasta 18 - F.E.2d (A6391) - nördl. von Courtrai
05. - 13.05.1917 - Jasta 18 - F.E.2d - Polygon Wald
06. - 25.05.1917 - Jasta 18 - Nieuport Scout (A6678) - nördl. von Wervicq
07. - 26.05.1917 - Jasta 18 - Nieuport 17 (B1685) - westl. von Roubaix
08. - 17.04.1918 - Jasta 57 - R.E.8 - nordöstl. von Nieppe
09. - 17.04.1918 - Jasta 57 - Sopwith Camel - nordöstl. von Vieux-Berquin
10. - 19.05.1918 - Jasta 57 - D.H.9 - Houthem-Kemmel
11. - 24.06.1918 - Jasta 57 - D.H.9 - östl. von Montdidier
12. - 15.08.1918 - Jasta 57 - SPAD - Tahure
13. - 27.08.1918 - Jasta 57 - Sopwith Camel - westl. von Cherisy
14. - 29.08.1918 - Jasta 57 - Sopwith Camel - Brebieres
15. - 29.08.1918 - Jasta 57 - Sopwith Camel - südl. von Brebieres

Persönliches Kennzeichen:
• weiße Axt auf Albatros D.V bei der Jasta 18
• rote Rumpfspitze, rote Radkappen und rotes Rumpfband bei der Jasta 57

Quellen:
• » Above the Lines von von Norman Franks, Frank W. Bailey, Russel Guest, 1994
• » Albatros Aces of World War 1, Part 2 von Greg VanWyngarden, Harry Dempsey
• » Aviation Awards of Imperial Germany in World War I Vol. IV - Württemberg
• » Das Buch der Deutschen Fluggeschichte, 2. Band, Drei Brunnen Verlag 1958, S. 634
• » Das Neckar Magazin: Flughafen Stuttgart
• » Der Flughafen Stuttgart Böblingen: Passagierflugverkehr
• » Die Halberstadt CL.IV D-IBAO, Band 2, IBAO Verlag, M. Krzyzan, H. Steinle
• » Pusher Aces of World War 1: Jon Guttman, Harry Dempsey, Osprey Publishing, 2009
• » Wikipedia: Paul Strähle (deutsch)
• » Wikipedia: Paul Strähle (englisch)
• » The Aerodrome: Paul Strähle
• » The Jasta Pilots von von Norman Franks, Frank W. Bailey, Rick Duiven. 1996
• » The Jasta War Chronology von Norman Franks, Frank W. Bailey, Rick Duiven. 1998

Siehe auch:
» Portrait von Paul Strähle in unserem Blog

Kommentar: 7 von Admin erstellt am : 03.04.2012 18:10 http://www.Flieger-Album.de gespeichert
Am 02. April 2012 reicht uns  dankenswerterweise Gastautor Rainer Absmeier das kürzlich im Internet erworbene Bild von Paul Strähle vor der Maschine seines 6. Abschusses ein. www.Flieger-Album.de verfügt somit auch über ein Portraitbild von Paul Strähle.

 
Kommentar: 6 von Mystery-Shopper erstellt am : 19.03.2012 10:33 gespeichert
Hallo, als Kaufangebot im Internet fand ich ein Bild auf dem Paul Strähle vor einem vom ihm abgeschossenen britischen Flugzeug zu sehen ist.



 
Kommentar: 5 von K. Werner erstellt am : 16.01.2012 11:16 gespeichert
Hallo Flieger-Album,
einige der obigen Links funktionieren nicht mehr!
Hier ein weiterer Link mit einem Bild und weiteren Einzelheiten von Paul Strähle:
http://flughafenbb.wordpress.com/paul-strahle/

Gruß
K.Werner
Kommentar: 4 von admin erstellt am : 28.06.2011 10:57 http://www.Flieger-Album.de gespeichert
Postmortales Persönlichkeitsrecht – hier Zitat aus dem Allgem. Perönlichkeitsrecht (APR)

Schutzdauer:
"Der Schutz des vermögenswerten Bestandteils des postmortalen Persönlichkeitsrechtes endet zehn Jahre nach dem Tod der Person".
 
Kommentar: 3 von MichiK erstellt am : 27.06.2011 17:14 gespeichert
Daß Paul Strähle als Person des öffentlichen Lebens zählt, wage ich ja zu bezweifeln, und auch diese haben Persönlichkeitsrechte, die erst 70 Jahre nach dem Tod enden. Das wäre dann 2155...
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