(* 18. Mai 1893 in Freystadt/Oberpfalz, + 03. März 1945 Pillau/Königsberg/Ostpr./heute: Baltijsk russisch Балтийск, deutsch Pillau, polnisch Piława/Rußland) war ein Jagdflieger im Ersten Weltkrieg der mit 27 Abschüssen zu den bekanntesten Piloten dieser Ära zählt und sich im Zweiten Weltkrieg sozial engagiert hat.
Zu den wenigen Fliegern, die aus dem Mannschaftsstande hervorgegangen sind, gehört neben » Max Müller und » Fritz Rumey auch Karl Thom, der am 18. Mai 1893 in Freystadt als Sohn eines Arbeiters geboren wurde. Vom April 1899 bis Ostern 1907 besuchte er die Volksschule in Freystadt und ging dann als landwirtschaftlicher Arbeiter als sogenannter Knecht auf einem Bauernhof in Stellung. 1911 meldete er sich als Dreijährig-Freiwilliger zum Husaren-Regiment Nr. 5. Im April 1914 schied er dort aus, nachdem er vorher noch bei einem Jäger-Regiment zu Pferde (Nr. 10) in Ostpreußen war.
Bei der Mobilmachung wurde Thom mit seinem Regiment ins Feld abkommandiert, wurde am 4. September 1914 Unteroffizier und zwei Monate später bereits mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Am 18. November 1914 wurde Karl Thom verwundet und kam ins Lazarett nach Insterburg, später nach Nürnberg. Im Juni 1915 meldete er sich, nachdem er schon wieder ein halbes Jahr bei seinem Regiment war, zur Fliegertruppe und wurde angenommen. In Schneidemühl trat er seine Pilotenausbildung an, die er nach kurzer Zeit erfolgreich abschloß. An der Front flog er zuerst bei der Artilleriefliegerabteilung 216, wo er am 16. Mai 1916 nachts schwer verletzt abstürzte und mehrere Tage bewußtlos im Lazarett in Colmar/Elsas lag. Kaum genesen meldet er sich wieder an die Front, wurde am 24. Juli 1916 zum Vizefeldwebel befördert und drei Tage später zur Feldfliegerabteilung (FFA) 48 versetzt. Am 8. April 1916 erhielt er das Flugzeugführerabzeichen. Mit der FFA 48 kam er nach Rumänien, wo Thom infolge eines Motordefekts notlanden mußte und in rumänische Gefangenschaft kam. Er fand aber bald Gelegenheit sich zu befreien und erreichte unter großen Strapazen seine Abteilung wieder. Hierfür wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse (EK 1) ausgezeichnet. Nach kurzer Zeit bei der Artillerieabteilung 234 kam er am 24. April 1917 zur Ausbildung als Jagdflieger. Nach erfolgtem Abschluß wurde er Mitte Mai 1917 zur Jagdstaffel 21 des Eduard Ritter von Schleich versetzt, wo er bis zum Friedensschluß flog. Am 10. November 1917 wurde er zum Offizierstellvertreter ernannt. Über seine Erlebnisse berichtet Thom selbst:
„Mein erster Luftlampf am 4. August 1917.
Nachdem ich mehrere Wochen als Jagdflieger geflogen bin, wollte ich durchaus einen Luftsieg erringen. Es war mir dieses längere Zeit nicht möglich, weil ich den Gegner nie früher sah, als bis ich aus der nächsten Entfernung beschossen wurde. Es lag wohl daran, dass ich lange keinen Urlaub gehabt hatte, und dass, wie man sagt, die Nerven „überzogen“ waren. –
Ich wurde von meinem Staffelführer in Urlaub kommandiert, weil ich zur alten Aufklärungsabteilung wollte und mich als Jagdflieger als untauglich bezeichnete. Nachdem ich vom Urlaub zurückgekommen war und meinen ersten Flug machte, nahm ich mir fest vor, den ersten Luftsieg zu erringen – unter welchen Umständen es auch passiere. Der Kettenführer, Leutnant » Emil Thuy sah ein feindliches Flugzeug, aber anscheinend lag ihm dieses nicht oder er hatte vorn etwas anderes im Auge. Jedenfalls hielt mich den Moment für gekommen, mich auf dieses „Häschen“ zu stürzen. Nach dem ersten Angriff stürzte dieses Flugzeug ab. Ich selbst aber gab mich noch nicht zufrieden, sondern ging über dem Erdboden mehrmals, etwa drei bis viermal zum Angriff über und behämmerte dieses Flugzeug auf dem Erdboden, weil ich bis dahin einen richtigen Absturz bis zur Erde noch nicht verfolgt hatte. Nachdem in dem Flugzeug alles ruhig blieb, drehte ich ab und folgte dem Kettenführer. Meine Freude innerlich war unbeschreiblich. Aber wie erstaunte ich, als wir auf dem Flugplatz landeten und von dem Kettenführer wegen „Munitionsverschwendung“ eins ausgewischt erhielt.“ Nachdem ich erst etwas ruhiger wurde, hatte ich mir die Sache reiflich überlegt und mußte meinem Kettenführer Recht geben; denn wären wir nach diesem Abschuß in einen Luftangriff verwickelt worden, so hätte ich wahrscheinlich keine Munition mehr gehabt und wäre durch den Gegner umgelegt worden.“
Wie ich das erste Mal in den Heeresbericht kam
„Am 18. September 1917 flog die ganze Staffel vormittags an die Front, um das Gelände zwischen den Fronten und hinter der feindlichen Front auszufegen. Der Staffelführer, Oberleutnant Eduard Ritter von Schleich, hatte die vier Ketten so eingeteilt, dass die Luft von der Erde bis zu 4000 Meter abgesperrt war. Ich selbst führte die zweite Kette von unten und sah zwischen der Front ein recht großes Gewimmel von feindlichen Flugzeugen. Der Staffelführer und ich stürzten uns sofort auf ein „Häschen“. Bei dem Fluge schoß der Staffelführer, ich selbst konnte auch einen Abschuß erringen, aber dann hatten wir alle Pech. Infolge der schlechten Munition hatten wir im MG Hülsenreißer, auch standen die Hebel vom MG hoch. Alles Rütteln und Klopfen nützte nichts, außerdem mußte man noch aufpassen, dass man in diesem Gedränge nicht vom Gegner gefaßt wurde. Der Flug wurde abgebrochen und voller Zorn im Leibe flogen wir nach Hause. Ich bin jedoch an dem Tag in voller Aufregung zweimal zum Staffelführer gegangen und bat um Erlaubnis, an die Front fliegen zu dürfen. Ich erhielt die Erlaubnis. Da ich mit der Front in Verbindung gestanden hatte, wußte ich, dass dort „Betrieb“ herrschte. Da wir sehr nahe an der Front lagen, gings vom Start aus direkt dorthin. Begünstigt durch die Sonne, beobachtete ich ein Aufklärungsflugzeug, das über der Front war und drehte. Bei diesem Frontflug wurde der Gegner mit der äußersten Geschwindigkeit sofort angegriffen. Da wir vereinzelnt Brandmunition bei uns führten, war der Angriff kurz – das Flugzeug explodierte und brannte lichterloh. Lange Zeit zum Schauspiel haben wir nicht, zumal ich ein weiteres feindliches Flugzeug sah. Ich stürzte mich sofort auf den Gegner, griff ihn von der Flanke an und nach kurzem Kampf brannte dieses Aufklärungsflugzeug ebenfalls. Ich wollte daraufhin nach dem Heimathafen fliegen, weil ich strikte Anweisung durch meinen Staffelführer erhalten hatte, vorsichtig zu sein. Da flog jedoch noch ein Gegner, bedeutend höher, seiner Heimat zu. Ich schoß auf ihn trotz weiter Entfernung und brachte ihn zum Kurven; dadurch holte ich ihn ein, nach kurzem Kampf stürzte auch dieser Gegner ab. Nach diesem dritten Kampf wurde der Flug abgebrochen und wir landeten im Heimathafen. Nachdem nun die Begleiter in meiner Kette öffentlich Meldung erstattet hatten, sagte mein Staffelführer. Oberleutnant Schleich: „Donnerwetter, Thom, Sie haben ja drei Luftsiege gehabt, ich muß Sie ja melden. Wahrscheinlich werden Sie in den Heeresbericht kommen.“ Am Abend las daraufhin auch der Staffelführer den Heeresbericht vor, in dem ich mit meinen drei Luftsiegen an einem Tage erwähnt wurde. Ich habe vor Freude hierüber die ganze Nacht nicht schlafen können und wäre am liebsten nur noch geflogen.“
Bei einem Bombenangriff am 23. Dezember 1917 wurde Thom durch ein Artilleriegeschoß verwundet und mußte sich vier Wochen ins Feldlazarett nach Dun zur Behandlung begeben. Trotzdem flog er, obwohl die Wunde noch nicht geheilt war und er nicht gehen konnte, von da ab täglich gegen den Feind. Nun kam das schicksalsschwere Jahr 1918. Thom begeht es mit einem Abschuss, dem bald noch weitere folgen. Der 24. Juli 1918 ist wieder ein sehr erfolgreicher Tag. Thom errang an diesem Tag seinen 22., 23. Und 24. Abschuss.
Am 11. August 1918 wurde Thom im Luftkampf wiederum schwer verwundet. Nachdem er den Hausorden der Hohenzollern verliehen erhalten hatte, wurde er am 28, August 1918 zum Leutnant der Fliegertruppen befördert und erwarb sich die Anwartschaft auf den Pour le Mérite, den nach den Bestimmungen nur Offiziere erhalten konnten. Bis zum November 1918 zog sich die Heilung des Absturzes hinaus, dann flog Thom wieder unentwegt in der Jasta 21 und zu seiner großen Freude erhielt er am Abend des ersten Tages, an dem er wieder fliegen konnte, am 6. November 1918 den Pour le Mérite. Noch drei Tage darauf, am Revolutionstag, stürzte Thom wieder ab, zog sich schwere Gehirnerschütterungen zu. Er konnte nicht mehr geheilt werden, da wenige Tage später der Rückzug begann und Thom mit seinen verrenkten und gebrochenen Gliedern den Transport im Lastauto zurück nach Hause antrat. So kam er nach 28 Abschüssen in die Heimat, für die er Anfang 1914 ausgezogen war.
Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Thom der Luftfahrt treu. Im Zweiten Weltkrieg trat er in Königsberg für die Belange der Frontsoldaten und Kriegsopfer ein. Karl Thom starb noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges am 3. März 1945 in Pillau/Königsberg. Seine Beisetzung fand im Kameradengrab auf dem Friedhof Baltijsk (Балтийск) Russland) statt.
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