(* 30. August 1897 in Neukloster/Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin; + 14. September 1968 in Braunschweig) war ein deutscher Pilot bei der Flieger-Ersatzabteilung 2 im Ersten Weltkrieg und später Flugzeugkonstrukteur in Bulgarien.
Hermann Winter wurde am 30. August 1897 in Neukloster geboren. Er schloss die Realschule in Wismar 1914 mit der mittleren Reife ab. Vom 1. April bis 31. Juli 1914 absolvierte er in Harburg (Elbe) ein Volontariat in der Schlosswerft.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldete er sich als Kriegsfreiwilliger beim Rostocker Füsilier-Regiment 90 und wurde im November 1914 zum Reserve-Infanterie-Regiment 210 beordert. Im Kampfeinsatz an der Flandernfront wurde Hermann Winter schwer verwundet. Nach seiner Gesundung wurde er Ausbilder im Füsilier-Regiment 34 in Krackow bei Stettin.
Am 20. Dezember 1917 meldete er sich freiwillig bei der Fliegertruppe, Flieger-Ersatzabteilung 2 (FEA 2) in Köslin und erwarb den Pilotenschein. Außer diversen Aufklärungseinsätzen an der Frontlinie kam Hermann Winter als Jagdflieger nicht mehr zum Einsatz.
Während der Aufstände im Verlauf der Novemberrevolution erhielt Hermann Winter bei einem Gefecht nahe Zarnikau einen Schuss in den rechten Oberarm, der eine lebenslange Behinderung nach sich zog. Damit war seine Laufbahn als Pilot beendet. Im Lazarett beschloss er, Ingenieur für Luftfahrt zu werden. Per Selbststudium bereitete er sich auf das Abitur vor, das er am 24. Juni 1919 abschloss. Ein Studium in Maschinenbau begann er im Februar 1920 an der TU Charlottenburg. Dort gründete er im Jahr 1921 zusammen mit einigen Kommilitonen die „Berliner Flugwissenschaftliche Vereinigung“. Ein Jahr später konstruierte Winter sein erstes Segelflugzeug, die schwanzlose „Charlotte“, mit 15,2 m Spannweite und 100 kg Leergewicht. 1922 nahm es, allerdings erfolglos, am III. Rhönwettbewerb teil.
Winter erhielt 1924 sein Ingenieur-Diplom und anschließend eine Anstellung als leitender Konstrukteur bei der „Stahlwerk Mark Flugzeugbau“ in Breslau. Im November wechselte er nach Berlin-Johannisthal zu Albatros. Ein halbes Jahr später wechselte Winter 1925 auf Ersuchen der bulgarischen Regierung nach Boshurischtsche bei Sofia. Dort baute er unter schwersten Bedingungen die Staatliche Luftfahrtindustrie Bulgariens (DAR) auf und konstruierte die ersten eigenen Flugzeugtypen des Landes, z. B. das Schulflugzeug DAR-1 und den Aufklärer DAR-3. Seitdem wird Hermann Winter in Bulgarien als Begründer des bulgarischen Flugzeugbaus betrachtet.
1929 kehrte Winter nach Deutschland zurück und begann als Konstrukteur bei den Bayerischen Flugzeugwerken. Bis 1931 nahm er noch Einfluss auf die Konstruktionen der DAR.
Hier bekannte Stationen in der Zeit des Naziregimes (und evtl. danach):
Von September 1930 bis Februar 1934 arbeitete er an der Technischen Hochschule Danzig am Lehrstuhl für Flugzeugbau. Später wechselte Winter zur DVL Berlin und Ende 1935 zu Fieseler nach Kassel. Von August 1938 bis zu seiner Entpflichtung (Datum unbekannt) arbeitete Winter an der Technischen Hochschule Braunschweig als Professor für Flugzeugbau und Leiter des Instituts für Flugzeugbau und Leichtbau. Dort entstanden auch einige Arbeiten zu verschiedenen Themen der Luftfahrt.
Hermann Winter starb am 14. September 1968 in Braunschweig.
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