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3. April 1915
Wir sind jetzt 8 Tage vorne in Stellung und 4 Tage hinten. Vorne bin ich jetzt stellvertretender Zugführer. Wir sind jetzt lieber vorne als in Bourgogne, da das Nest jetzt zu oft beschossen wird. Ein Vergeltungsfeuer auf Reims bei Nacht sah ganz wunderschön aus. Man sah die Granaten von allen Seiten wie Kometen durch die Luft sausen. Riesige Feuer brachen drüben aus. Damit sie nicht löschen konnten, wurden andauernd Schrappnells hinterher gejagt.

6. April 1915
Die Läuseplage ist ganz fürchterlich. Fenchelöl – Oxalsäure, nichts will helfen. Heute erfahre ich, dass ich mit dem 22. März Fähnrich geworden bin. Stolz mache ich mein Portepee und die silbernen Kokarden fest.

8. April 1915
Wir machten nachts einen wüsten Feuerüberfall auf die feindliche Feldwache, die uns auf 80 m gegenüber liegt. Unsere sämtlichen schweren und leichten Geschütze feuerten. Bei der Knallerei konnte einem ganz schwummerig werden, da ja die Granaten alle haarscharf über uns hinweg pfiffen. Da die Franzosen glaubten, wir würden angreifen, bekamen wir natürlich auch ein ekelhaftes Feuer. Leuchtkugeln sausten durch die Luft, Granaten krepierten, Infanterie-Maschinengewehre hämmerten. Ein Mordslärm. Erst stundenlang hinterher kehrte wieder Ruhe ein. Die feindliche Stellung und die Drahtverhaue sehen wüst aus am nächsten Morgen. Es geht das Gerücht, dass wir fortkommen sollen.

16. – 27. April 1915
Wir werden aus unserer Stellung vor Reims abgelöst und marschieren nach Blanzy, wo bis zum 26. Manöver stattfinden. Ich werde in diesen Tagen Degenfähnrich. (Es hat somit die Wahl zum Offizier stattgefunden.) Auf meinen Degen am Unterschnallkoppel bin ich sehr stolz. Mit der Etappenpost bekomme ich von den Eltern einen Offizierskoffer. Es ist überhaupt rührend, in welchem Maße die Eltern während des Krieges für mich sorgten. Jeder Wunsch, den ich brieflich äußerte, wurde sofort erfüllt. Die andauernden Manöver deuten darauf hin, dass wir im Bewegungskrieg verwandt werden sollten und tatsächlich werden wir auch am 26. in Bazancourt nachts um 1½ verladen. Wohin es eigentlich ging, wusste noch nicht einmal unser Bataillonskommandeur, Hauptmann Schimmelpfeng. Wir Fähnriche wurden mit im Offizierswagen untergebracht (I. Klasse). Die Fahrt durch Deutschland war wunderbar. Überall noch große Begeisterung. Durch das schöne Moseltal und Lahntal fahren wir über Marburg und Kassel bis Hann. Münden, wo wir sehr gut verpflegt wurden. Wohltuend empfindet man während der Fahrt den Anblick der wohlgepflegten Äcker. Das Herz jubelt vor Freude, dass wir einmal wieder unser geliebtes Deutschland unter uns haben. Jedes deutsche Mädchen wird wie ein Wunder angestarrt. Etwas Heimweh will doch das Herz beschleichen, als ich nach 9-monatlicher entbehrungsreicher Kriegszeit so dicht an der Heimat vorüber fahre.

28. April 1915
Am heutigen Abend werden wir in Engelsburg bei Leipzig verpflegt. Es wird uns zur Gewissheit, dass unser Ziel Russland ist und wirklich fahren wir jetzt südwärts. Von weitem sehen wir das Riesengebirge mit den schneebedeckten Kuppen. Ein Kasten Bier und eine Flasche Cognac trösten uns, dass wir bald wieder unser Vaterland verlassen sollen. In Görlitz, wo wir Aufenthalt haben, kaufe ich mir eine Pistole und Munition, ebenso Wickelgamaschen, die zum Gebrauch in Russland besonders empfohlen werden.

29. April 1915
Wir erhalten die erste Verpflegung in Österreich, und zwar in Oderberg. Unsere Bundesbrüder erwarten anscheinend viel von unserer Hilfe, denn wir werden ausgezeichnet verpflegt. Selbst Freibier steht auf dem Tisch. Wir essen als Fähnriche natürlich immer mit am Offizierstisch.

30. April 1915
Heute fahren wir über Isolwa, Varna, Ruttka und Roscahegy. Wir genießen die wunderbare Aussicht über die vollständig mit Schnee bedeckten Häupter der Hohen Tatra. Eigenartig muten uns die Bewohner an, die Kleider aus Schaffell tragen. Die Ungarn jubeln uns begeistert zu, während die Galizier alles unbeteiligt an sich vorüber ziehen lassen.

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