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6. Februar 1915
Wir liegen in Bourgogne. Heute wurde ich durch Leutnant Mackensen dem Regimentskommandeur vorgestellt und als Fahnenjunker angenommen. Mittags und abends aß ich am Mittagstisch der Offiziere der 5. und 6. Kompanie (Leutnant Mackensen, Becker, Giesecke, Meyer). Mit dem Fahnenjunker Müller (5. Komp.) ziehe ich zusammen in ein Stübchen im Hause der Offiziere. Durch die Annahme als Fahnenjunker habe ich manche Diensterleichterung.

15. Februar 1915
Wir liegen abwechselnd 4 Tage im Schützengraben und zur Reserve in Bourgogne. Unsere Stellung liegt anschließend rechts vom Kanal, sie ist der eigentlichen Linie 800 m vorgeschoben und ist verstärkt durch fest eingebaute Maschinengewehre, die im Falle eines Angriffs das Vorfeld vor den eigentlichen Schützengräben schützen sollen. Die Stellung ist sehr gut ausgebaut, während wir bei Berry au bac lagen. Sogar Unterstände für 15 – 20 Mann sind in den Felsen getrieben. Wir liegen direkt oben auf dem Damme des Kanals, der sich mindestens 10 m über der Wasserfläche befindet. Unsere Stellung ist stark befestigt durch Drahthindernisse und rechts sogar durch ein Minenfeld. Der Franzose liegt auf 80 m gegenüber. Nachts habe ich verschiedene Patrouillen gemacht, bei denen wir auf dem Bauche kriechend fast bis zum feindlichen Drahthindernis gekommen sind. Es ist selbstverständlich, dass man als Fahnenjunker an jeder Patrouille teilnimmt. Sonst leiste ich Dienst als Unteroffizier, wohne aber bei Lt. Meyer mit im Unterstand. Jeden Tag wechseln wir auf Feldwache mit einem anderen Zuge unserer Kompanie, die in einem Einschnitt des Dammes 500 m weiter zurück liegt und ebenfalls in Unterständen ganz gut untergebracht ist. Ich nehme Verbindung auf mit dem Fahnenjunker Viereck, der als Gewehrführer bei der M.G.K. auf vorne mit in Stellung liegt. Die Züge der Kompanie, die hinten liegen (2), müssen nachts schanzen und arbeiten an der Vervollkommnung des Grabensystems. Hinten in Bourgogne sind die Quartiere sehr gut. Die Straßen tragen deutsche Namen und sind sauber gehalten. Abends muss ich öfter am gemütlichen Beisammensein der Offiziere im Kasino teilnehmen. Mittags spielt auf dem Marktplatz die Regimentskapelle. Die Zeit wird ausgefüllt mit Exerzieren, Appell usw. Sonntags morgens werden wir zum Gottesdienst in eine riesige Höhle geführt, in der unser ganzes Bataillon Platz findet. Hunderte von Stufen führen hinab in die Tiefe. Erleuchtet wird der riesige Felsendom durch elektrische Kerzen.
Am 15. war ich zum Bataillonskommandeur, Hptm. Schimmelpfeng zum Essen eingeladen. Er ist ein allerseits beliebter, famoser Herr, der keinen guten Tropfen verschmäht, aber ein Herz für seine Leute hat. Seine mit allen möglichen Drahtinstrumenten, Blechdeckeln usw. versehene Kapelle spielte die Beschießung von Bourgogne, ein lustiges, selbst erfundenes Musikstück, in dem das Geräusch einer Granate nachgemacht wird, die mitten in die auf dem Marktplatz spielende Kapelle einschlägt. Auch Lt. Dieckmann, der seinen Vetter Fähnrich Dieckmann eingeladen hatte, war sehr nett. Ab und zu wurde Bourgogne beschossen. Zur Strafe dafür machte dann jedes Mal unsere Artillerie einen Feuerüberfall auf Reims. Einmal traf eine Granate direkt unser Hausdach. Es war ein unangenehmes Gefühl zu wissen, dass jeden Augenblick so ein Biest von Granate kommen konnte, wenn man nichts ahnend im Hause saß. Aber auch hieran gewöhnte man sich bald und ging bei einer Beschießung kaum noch in den Heldenkeller.

19. Februar 1915
Ich nehme an einem mehrwöchentlichen Gruppen- und Zugführerkursus in Bourgogne teil, der von Hauptmann von Losch I.R. 92 geleitet wird. Während der 4 Tage, in denen sich die Kompanie in Bourgogne befindet, esse ich mit den Offizieren zusammen. Der Dienst in dem Kursus wird sehr scharf gehandhabt. Wir alle stehen mit dem Gewehr in der Front, die nach und nach von jedem übernommen wird.

22. Februar 1915
Ich werde zum ersten Male zum E.K. II eingegeben, wegen der Kiste am 27. September, ich werde es aber diesmal noch kaum bekommen, da das ganze Regiment nur 10 zugeteilt bekommen hat. Lt. Mackensen hat vom Regimentskommandeur die Erlaubnis bekommen, mich sofort nach meiner Beförderung zum Fähnrich zum Offizier einreichen zu dürfen. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich.

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