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1. Mai 1915
Endlich werden wir in Neu-Sandec ausgeladen. Wir marschieren nach dem Ausladen noch etwa 15 km und kommen dann ins Quartier auf einem abgelegenen Bauernhofe.

2. Mai 1915
Heute geht es sehr früh los und wir marschieren bei fürchterlichster Hitze und unheimlichem Staub bis Gorlice. Der Feind ist heute völlig geschlagen, der erste Ansturm unserer Garde vor uns ist geglückt. Leider hat diese auch erhebliche Verluste gehabt. Wir schlagen im Dunkeln auf dem Marktplatz in Gorlice Zelte auf und gehen zur Ruhe über.

Tote Russen

3. Mai 1915
Sehr früh wird geweckt. Als wir aus den Zelten kriechen, sehen wir erst, wo wir die Nacht zugebracht haben. Die Stadt ist ringsumher völlig zerschossen. Am Nordrand befinden sich die gut ausgebauten russischen Stellungen, die voller Toter sind. Unserer Artillerie muss meisterhaft geschossen haben. Leider liegt auch manch deutscher Gardesoldat (Bayern) vor den Gräben und in der Stadt, in der die Rusci anscheinend Haus für Haus verteidigt haben. 20 km sind die Russen gestern zurückgegangen. Unser Corps gehört zur 11. Armee, die von Generalfeldmarschall Mackensen geführt wird.

4. Mai 1915
Gewaltmarsch bei rasender Hitze, dann Bivrnac bei Kryg. Tausende von Gefangenen kommen an uns vorüber.

5. Mai 1915
Wir nehmen Zmigrod, das hoch auf einem Berge liegt, im Sturm. Die Russen haben anscheinend nur wenige Leute zurück gelassen, denn das Feuer ist schwach, in Folge dessen haben wir nur geringe Verluste. In Gruppen durchstreifen wir das Nest und schließen uns auf der anderen Seite wieder zur Marschkolonne zusammen. Bei der Einnahme der Stadt werden zahlreiche Gefangene gemacht. Eine russische Feldküche kann die 15. Kompanie gut gebrauchen. Die 13., 14. und 15. Kompanie hatten nämlich nur Rollwagen mit darauf montierten Kesseln als Feldküchen. Abends beziehen wir Alarmquartier, da unser Emmich schon sehr weit vorgerückt ist und wir ringsum von Feinden umgeben sind. Noch im Dunkeln nach starkem Gewehrfeuer Alarm.

6. Mai 1915
Wir marschieren auf einer von feindlicher Artillerie beschossenen Straße schnell vor und liegen dann geschlossen an einem Abhange mit der Front nach Dukla. Unseren Rücken deckt das III. Bataillon, das bei einem Sturm auf eine sehr stark befestigte Höhe starke Verluste erleidet. Wir schicken Patrouillen aus, die die Russen abfangen, die von einem anderen Korps aus dem Duklapass gedrängt werden. Emmich(?) hat sich mit unserem Korps wie ein Keil in die russische Front geschoben und verschließt somit den Ausgang des Passes. Abends beschießt unsere ganz frei auf der Höhe stehende Feldartillerie andauernd die Duklastraße. Die Artilleristen, die sich anscheinend in ihrer Haut ganz sicher fühlen, haben sogar große Feuer bei den Geschützen angezündet und singen. Andauernd werden Gefangene eingebracht. Auch ich hole mir einen russischen Leutnant und einige Mann während einer Patrouille. Unsere Armee hat bisher schon über 20.000 Gefangene gemacht.

8. Mai 1915
Wir nehmen nach scharfen Märschen an mit Leichen besäten Feldern vorüber Quartier in Klimkowka.

9. Mai 1915
Wir liegen als Reserve bei Besko (Rymanow).

10. Mai 1915
Im Dunkeln lösen wir die Truppen vor uns ab und besetzen eine sehr steile Höhe bei Besko. Ein Zug liegt in 2 Grabenreihen übereinander auf der Höhe, während ich mit den beiden anderen den Rest der Nacht auf dem diesseitigen Abhang in schnell gegrabenen Erdlöchern verbringe. Kaum haben wir unseren Kaffee zu uns genommen, als plötzlich schlagartig scharfes Gewehrfeuer einsetzt. Wir besetzen sofort einzeln die vorderen Gräben und sehen, wie sich ungeheure Russenmassen im wahrsten Sinne des Wortes zu Klumpen geballt wie eine führerlose Herde, gedeckt durch Nebelschwaden, heranwälzt. Unheimlich knattern die feindlichen Geschosse, schwere Artillerie deckt uns ein, schießt aber meistens etwas zu weit. Unser Glück. Nun sind sie nahe genug heran, der Feuerbefehl wird gegeben und aus unserer Etagenstellung speien Maschinengewehre und Gewehre Verderben. Aber nun, was ist los? Wie fortgefegt sind die braunen Massen. Deckung haben sie gesucht in Gräben, hinter Bäumen usw. Mit fabelhafter Geschwindigkeit graben sie sich ein. Nun erscheint ein Beobachtungstrupp von unserer Mörserbatterie, die wir gestern in Stellung gesehen hatten. Nach Sekunden schon sausen die Zuckerhüte von 21 cm durch die Luft. Man kann ihre Bahn verfolgen. Furchtbar müssen sie wirken. Ein Fabrikgebäude, hinter dem sich eine Kompanie Russen verborgen hatte, wird eingedeckt. Das Infanteriefeuer ist eingeschlafen, da sich der Feind nicht regt und nur vereinzelte Gewehrschüsse heran sendet. Leider haben wir bei dem 1. Feuer mehrere Verluste an Toten zu beklagen. Alles beobachtet die grausige Wirkung der schweren Geschosse vor uns in der weiten Ebene. Da, plötzlich sehen wir eine ganze russische, anscheinend schwere Batterie herankommen, für Infanteriefeuer unerreichbar, aber schon hat der Beobachter das Ziel erfasst. Ein Schuss zu weit, der nächste mitten hinein in die Kolonne. Alle Geschütze stoben auseinander, fürchterlich war die Wirkung. Wir sehen die Batterie am nächsten Tage im Vorbeimarsch. Ein Geschütz war in einem Bauernhof stecken geblieben, eines in einen Fluss gefahren, die Pferde ertranken. In eins war auf der Straße ein Volltreffer hinein gesaust und hatte es völlig zerrissen. Ein halber Leichnam hing zerfetzt oben im Baum.
Doch nun zurück zum Gefecht. Wir sehen plötzlich, dass sich auf der Höhe rechts vor uns etwas bewegt. (Links geht der Blick in die weite Ebene.) Bei genauem Hinsehen mit dem Feldstecher stellen wir fest, dass es ein an einem Bajonett befestigter weißer Lappen ist. Nun winkt unser Leutnant Mackensen und plötzlich erscheint mit erhobenen Händen ein Rusci und läuft mit riesiger Geschwindigkeit zu uns über und will allen die Hand drücken. Andauernd fegen die Granaten noch in die feindlichen Linien. In dem Moment aber, wo der Russe unsere Linie erreicht hat, wimmelt auf einmal die Ebene vor uns. Erst denken wir an einen Angriff, dann sehen wir aber, wie alles Tücher schwingt und die Gewehre mit dem Bajonett nach unten in den Boden rammt und sich eiligst mit erhobenen Händen nähert. Wir treten aus den Gräben und nehmen die Kerls in Empfang. Unheimliche Massen ergeben sich, wir sind gar nicht in der Lage, sie zu zählen. Nun ziehe ich mit einigen Leuten auf Patrouille. Wir durchsuchen die halb rechts vor uns liegende Höhe und die Fabrik, nichts ist mehr vom Feinde zu sehen, er ist ausgekniffen oder hat sich größtenteils ergeben. Wir marschieren noch im Dunkeln vor.

Aufbruch am Morgen

11. Mai 1915
Marsch über Corcy (?). Unterwegs sehen wir, wie 5 Galizier von Österreichern wegen Leichenberaubung aufgehängt werden. Ein Österreicher macht an einem kleinen Baum eine Schlinge, der nächste hebt den Verbrecher hoch, steckt den Kopf durch die Schlinge und lässt dann los. Der Galizier zuckt noch ein paar Mal und hat sein Lebenslicht ausgeblasen. In Gurki (?) beziehen wir Quartier.

12. Mai 1915
Anstrengender Marsch bis Lutschka.

13. Mai 1915
Marsch über Blarowa (?) nach Borektari (?).

14. Mai 1915
Marsch bis Tytschin.

Essensausgabe bei Pelkinie

15. - 17. Mai 1915
Marsch über Przcwork (?) und Rozborz (?) bis Pelkinie (?). Die Märsche sind immer wahnsinnig anstrengend. Feste Straßen gibt es ja in Galizien so gut wie gar keine, deswegen marschieren wir die meiste Zeit auf Sandwegen, auf denen man teils bis zum Knöchel einsinkt. Dazu kommt die afrikanische Hitze, die das ihrige dazu beiträgt, uns das Leben sauer zu machen. Nebenbei muss ich als 3. Quälgeist das Ungeziefer erwähnen. Jeder Offizier und alle Leute sind voll von Läusen und Flöhen. Am Spätnachmittag langen wir bei Pelkinie (?) an, wo wir Mittagessen empfangen. Nicht weit entfernt ist einer unserer Flieger gelandet, der Meldung vom Feinde bringt. Im Laufe der Nacht werden wir allmählich weiter vorgezogen, es gilt im Morgengrauen den Übergang über den Pass zu erzwingen. Von Ferne hören wir das scharfe Knattern von Infanteriegewehren und Maschinengewehren. Vor uns befinden sich die 92er und die unsrige M.G. Kompanie schon im Kampf mit den Russen.

Pontonbrücke

18. Mai 1915
Gerüchteweise verlautet, dass die 10er Pioniere versuchen, eine Brücke zu schlagen, trotzdem der Feind noch das andere Ufer besetzt hält. Hinter uns, etwa 100 m entfernt, steht eine Batterie unserer Feldartillerie. Salve auf Salve jagt sie aus ihren Rohren. Zischend und pfeifend jagen die Granaten über uns hinweg, indem sie einen deutlich sichtbaren feurigen Schweif hinterlassen. Trotz des unheimlichen Getöses schlafen wir auf einem Bündel Stroh, bis wir im Morgengrauen ein vor uns liegendes Dorf durchschreitend in weit auseinander gezogenen Schützenlinien vorgehen, um nach Überschreitung einer Ebene kurze Zeit an der Uferböschung des San Deckung zu finden. Die 92er und unsere M.G.K. haben durch das Wasser watend das andere Ufer trotz des starken feindlichen Feuers gewonnen, nachdem die Pioniere nach starken Verlusten vergeblich versucht hatten, eine Pontonbrücke zu schlagen. Nun haben unsere Truppen aber einen kleinen Brückenkopf drüben gebildet, so dass die Brücke fertig gestellt werden kann. Ununterbrochen bersten bei uns die feindlichen Granaten. Einem Pionier werden beide Beine abgerissen, mehrere Mann unseres Zuges verwundet, da kommt der Befehl, die nun vollendete Brücke zu überschreiten. Einzeln gewinnen wir im Artilleriefeuer das andere Ufer, wo wir mit Gewehrfeuer aus der rechten und linken Flanke empfangen werden, denn bisher sind nur wenige hundert Meter des Ufers von uns besetzt. Nun wird eine Kompanie nach der anderen in der Mitte eingesetzt, während sich die Flügel an den Ufern entlang fortschieben. Ein undurchsichtiges Dickicht müssen wir durchschreiten, während wir von unsichtbaren Feinden stark beschossen werden. Meine Gefechtsordonanz neben mir bricht zusammen, etwas von seinem Gehirn klebt an meinem Helmüberzug. Doch ununterbrochen schieben wir uns langsam vor, nur immer mit dem Gedanken, aus diesem elenden Dickicht heraus zu kommen. Alle paar Meter stoßen wir auf verlassene Schützenlöcher, aus denen wir soeben noch beschossen worden sind. Endlich erreichen wir einen Wall, der Busch hört auf und wir sammeln uns aufatmend im Schutze der Erhöhung. Lt. d. Res. Viereck M.G.K. 92 wird schwer verwundet an uns vorüber getragen.
Vor uns, hinter einer Ebene durchzogen von einzelnen Bäumen, liegt das Dorf Wiacrownica (?), das wir sobald wie möglich stürmen wollen. Schnell werden die Schützenlinien, die in dem Dickicht auseinander gezogen und zerstört waren, wieder hergestellt, und gruppenweise stürzen wir auf Befehl vorwärts, umschwirrt von Infanteriegeschossen und Granaten. Unsere M.G. hämmern, Schrappnells sausen in den Dorfrand und wir jagen an Geschossen heraus, bis die Läufe glühend heiß sind. Die Sonne brennt, keuchend springen wir vor, immer dichter kommen wir an das Dorf heran. Das feindliche Feuer wird schwächer, und als wir auf Sturmentfernung heran sind, laufen uns die Russen mit erhobenen Händen entgegen. Ich stürme mit meinem Zug weiter, die Artillerie, die uns eben noch aus nächster Entfernung beschossen hat, wollen wir fassen. Da, am jenseitigen Dorfrande angekommen, sehen wir sie in Karriere (?) verschwinden. 1000 - 1400 M. Visier 1200. Lebhaft feuern. Jeder schießt, was er rauskriegt. Wir sind aber von dem anstrengenden Sturm zu ermattet, wir schießen unsicher, die Batterie entkommt. Wir überschreiten die soeben verlassene Batteriestellung und halten auf Befehl an einem Chausseegraben, wo die Schützenlinie wieder hergestellt wird. Da - eine Salve Schrappnells, sie geht zu weit. Mit fabelhafter Geschwindigkeit graben wir uns in den weichen Sand ein. Bei der vierten gut sitzenden Salve sind wir schon geschützt. Ich habe selten so gearbeitet wie in den Sekunden. Die soeben wieder aufgefahrene Batterie sendet uns hohnvoll ihre Grüße, kein Wunder, wenn wir eine Wut zum Platzen haben. Ein Galizier, bekleidet mit einem weißen Lammfellmantel, sucht nach Feindesseite zu entwischen. Eine Kugel meines Nebenmannes legt ihn um. Inzwischen ist es dunkel geworden. Das Feuer hat aufgehört, die Feldküchen rollen heran und wir empfangen bei einem Friedhof Essen.

19. Mai 1915
In der Dämmerung bauen wir einen Schützengraben oder vielmehr wir graben einzelne Schützenlöcher, in denen wir bis zum Mittag liegen bleiben, während wir andauernd vom Feinde beschossen werden. Ein unvorsichtiger Kamerad neben mir wird durch Kopfschuss getötet. Endlich, am Nachmittag, kommt der Befehl zum Angriff. Sprungweise gehen wir über die Steppe vor. Da unser Anschlussregiment links schon etwas weiter vor ist, lässt das zuerst starke Feuer bald nach. Die Russen kneifen. Bald können sich die Kompanien sammeln und mit einem dünnen Schützenschleier mehrere hundert Meter vorgeschoben, folgen wir geschlossen nach und marschieren bis Kubachy, einem kleinen Dorfe nahe an der Lubaczowka, wo wir wieder eine Front bilden und uns an einem Waldrande eingraben. Einige Postierungen werden bis über die Lubaczowka vorgeschoben. Die Nacht über bleiben wir hier liegen.

20. Mai 1915
Ebenso. Heute bekomme ich zu meiner großen Freude das Eiserne Kreuz II. Klasse, nachdem ich schon zweimal vergeblich eingereicht war, für den Sturm auf Wiaczownika (?).

21. Mai 1915
Wir werden aus der Front herausgezogen und lösen die Garde 10 km östlich von uns in ihren Stellungen ab. Auf dem Wege dorthin kommen wir über das Schlachtfeld an Bergen von eroberten Gewehren, Granaten, M.G.s usw. vorbei. Die Verpflegung ist wieder sehr schlecht, glücklicherweise kommt die erste Post seit unserem Abtransport von Frankreich wieder durch. Die Garde hatte uns schon brusttiefe Schützengräben hinterlassen. Wir bauen uns im Verlaufe der Nacht noch Unterstände.

22. Mai 1915
Wir liegen noch rechts von Buczyni im Graben und werden dauernd sehr scharf von feindlicher Artillerie beschossen. Ein Kugelbaum dicht hinter unserem Graben dient anscheinend als Richtpunkt.

23. Mai 1915
Mittags erfahre ich, dass ich mit dem 8. Mai zum Leutnant befördert bin. Daraufhin erhalte ich die Führung des 3. Zuges. Mittags werden wir aus den Stellungen heraus gezogen und etwas westlich verschoben in den Wald von Olchowa, in dem wir zur Reserve liegen und uns zum Schutze gegen Artilleriefeuer eingraben.

24. Mai 1915
Heute werden wir alarmiert. Das III. Bataillon liegt vor uns in hartem Gefecht. Über eine weite Ebene hat es die stark befestigten Stellungen des Feindes erstürmt und sich darin eingenistet, weil das weitere Vorgehen wegen des starken feindlichen Feuers nicht möglich ist. Bei dem Angriff ist Bernhard Harthausen gefallen. Wir liegen an einem Waldrande in Reserve, bis der Befehl kommt, wir sollten die vorderen Linien verstärken. Einzeln, manchmal gruppenweise, gehen wir in dem scharfen Feuer vor. (Ich bin lieber in der vordersten Linie, da man als vorgehende Reserve demselben Feuer wie vorne ausgesetzt ist, aber doch vorne wenigstens selber feuern kann.) Mit verhältnismäßig geringen Verlusten langen wir unter Ausnutzung der vorhandenen Löcher in der Dämmerung vorne an und nisten uns auch im Graben ein. Bei Dunkelwerden holen die Essenholer von jeder Gruppe in je 9 Kochgeschirren das Essen von der nach vorne gezogenen Feldküche. Bruno Harthausen beerdigt persönlich seinen Bruder und schmückt das Grab mit Blindgängern. In einem kleinen russischen Unterstand verbringe ich die Nacht mit Lt. Mackensen zusammen.

Alarm in der Reserve

25. Mai 1915
Am Morgen werden wir nach rechts verschoben. Ein unter schwerstem Artilleriefeuer liegender Berg wird von uns umgangen, bis sich das Bataillon im dichten Walde sammelt. Ich melde mich bei Major Schimmelpfeng zum Leutnant befördert und erhalte sofort den ehrenvollen Auftrag, das vor uns liegende Dorf im Angriff zu nehmen. Gedeckt im Walde entwickele ich meinen Zug und trete plötzlich in Schützenlinie heraus. Unerwarteter Weise ist das Feuer nicht sehr stark und bald habe ich mich, vorgehend über eine weite Wiesenfläche, in den Besitz des Dorfes gesetzt. Das Bataillon zieht sich wieder zusammen und, nachdem wir um die Mittagszeit in einem Chausseegraben in Stellung gelegen haben, marschieren wir, immer belästigt durch leichtes Schrappnellfeuer, bis Katy. In Katy empfangen wir aus den Feldküchen Essen und schicken einen Zug zur Deckung nach vorne, der 200 m vor dem Dorfe einen Schützengraben auswirft, während die anderen Züge sich hinter und im Dorfe im Schutze der Häuser eingraben. Ich schlafe mit Lt. Mackensen in einem schnell erbauten an eine Hauswand angelehnten Unterstand.

26. Mai 1915
Am Morgen findet Lt. Mackensen 32 Flöhe, während ich gar nichts gemerkt habe. Wir bauen einen Laufgraben bis zum Dorfe, da die Feinde uns andauernd durch Infanteriefeuer belästigen. Gegen Nachmittag beginnen sie, das Dorf mittels schwerer Granaten zu beschießen und bald steht das ganze Dorf in Flammen. Ich komme mit meinem soeben aus dem vorderen Graben abgelösten Zuge kaum durch das Flammenmeer zurück. Da die am Abend gebauten Unterstände wegen der großen Hitze und des furchtbaren Qualms nicht mehr benutzbar sind, bezieht die Kompanie etwa 200 m zurück ein Biwak. In der Dämmerung erhalte ich den Befehl, mich bei der 13. Kompanie zu melden. Das Regiment hatte für die Offensive 15 Infanterie- und 3 Maschinengewehrkompanien erhalten. Ich melde mich bei Lt. d. Res. Herms, dem neuen Kompanieführer, zur Stelle und erhalte die Führung eines Zuges. Herms ist ein Artillerieoffizier, der wegen der großen Offiziersverluste zu unserem Regiment kommandiert worden ist. Die 13. Kompanie liegt rechts von Katy auf einer Höhe eingegraben. Das vor uns liegende Dorf Buczina wird ebenso wie Katy von den Russen in Brand geschossen.

27. Mai 1915
Wir bleiben in der gestrigen Stellung. Ich schlafe fast dauernd in einem kleinen Quergraben, in dem ich mich gerade ausstrecken kann. Nachts ist es ziemlich kalt. Die russische schwere Artillerie beschießt sehr stark unsere Stellungen. Man gewinnt den Eindruck, dass ein Angriff bevor steht.

Zapalow 7 Uhr morgens

28. Mai 1915
Morgens beginnt ein ganz schweres Artilleriefeuer. Die Wiesen vor uns liegen noch im Nebel. Das Feuer wird immer schärfer, der Angriff wird uns zur Gewissheit und plötzlich sehen wir auch dichte Kolonnen von Russen an dem Rande des brennenden Buczina hervorbrechen. Langsam kommen sie näher, gedeckt durch einen toten Schusswinkel. Nun setzt aber unser Feuer ein. Sie werden unruhig, sprungweise nur kommen sie vorwärts, immer ungesehen von den Kompanien rechts von uns. Nun wird es diesen aber zu langweilig, sie kriechen aus den Gräben heraus und schießen stehend. Die Russen weichen. Wir eröffnen ein rasantes Schnellfeuer auf die Weichenden und verfolgen sie mehrere hundert Meter. Unsere Leute ziehen den Gefallenen die schönen Juchtenstiefel aus, um sich selbst damit zu versehen. Im Laufe des Tages tritt wieder Ruhe ein, nur die russische Artillerie schießt wutentbrannt ob des missglückten Angriffs.

Im Wald von Olchowa

31. Mai 1915
Wir liegen zur Reserve im Walde von Olchowa. Die Russen greifen das vor uns liegende III. Bataillon mit sehr starken Kräften an, es gelingt ihnen auch, an einigen Stellen in den Graben zu kommen. Unter schweren Verlusten werden sie wieder daraus vertrieben, nachdem einige Züge des Reservebataillons eingesetzt sind. Wir verlieren auch mehrere Offiziere, darunter 2 Artilleristen, die erst gestern zum Regiment kommandiert worden sind. Ich beobachte den Betrieb bei dem etwas zurück liegenden Verbandsplatz. Abends lösen wir das III. Bataillon ab und beginnen, die Toten vor unserem Kompanieabschnitt zu sammeln und in einem Massengrab zu beerdigen. Wir zählen weit über 100 Leichen, dabei liegen immer noch welche vor unserer Front.

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