1. November 1914
In Condie. Wieder Artilleriefeuer. Zwei Mann tot.
2. November 1914
In Condie.
3. November 1914
Morgens 4 Uhr Ablösung der 92er. Wir marschieren über Luignicourt nach Mennerille, wo wir in Quartier kommen. Da die Kompanien von nun an zwei Befehlsempfänger stellen sollen, schlage ich Bruno Harthausen vor. Er wird auch kommandiert, nun verleben wir miteinander sehr nette Stunden. Wir teilen alles was wir von zu Hause bekommen. Heute erhalte ich zwei große Pakete von O. Achilles und von Leni Feise.
4. November 1914
Abends greifen die 79. und 164. die französischen Stellungen an. Man hört gewaltiges Artilleriefeuer. Ich glaube sie wurden abgeschmiert.
5. November 1914
In Mennerille . Man sieht sehr viele deutsche Flieger, da in der Nähe der Flugplatz ist.
6. November 1914
In Mennerille. Wir Befehlsempfänger schlafen oben auf kaltem Boden. Wenig Holz zum kochen vorhanden. Wir leben recht gut, da es viele Pakete gibt.
7. November 1914
Marquart wird zum Gefreiten befördert. Mittags überbringe ich mit dem Rad eine Meldung nach Pignicourt. In der Nacht ist schlimmes Artilleriefeuer zu hören.
8.-9. November 1914
Nichts Besonderes. Nachts ist wieder starkes Artillerie Feuer zu hören.
10. November 1914
Es kommen wieder viele Liebesgaben, in der Hauptsache Wollsachen. Offiziere und Unteroffiziere bekommen etwas Bier.
11. November 1914
Heute ist ein Glückstag. 1. ist mein großes Paket angekommen 2. bekomme ich den Befehl, mit Unteroffizier Hering zusammen einen gefangenen 92er nach Köln zu transportieren. Ich werde allgemein beneidet. Am Abend hört man starkes Artillerie- und Infanteriefeuer. Die Franzosen greifen an. Unser Bataillon steht Abmarsch bereit in den Quartieren.
12. November 1914
Ich kann vor lauter Furcht, die Zeit zu verschlafen keine richtige Ruhe finden. Um 6 Uhr müssen wir schon nach Luignicourt. Unterwegs treffen wir einen Wagen, mit dem wir weiter fahren. Hierbei passiert mir das Unglück, das ich während der vollen Fahrt rücklings aus dem Wagen falle, glücklicherweise ohne mich zu verletzen. Um 9 Uhr fahren wir bis Laon, wo wir um 12 Uhr ankommen. Abends um 9 Uhr fahren wir nach Mizieres Charleville.
13. November 1914
Um 5 Uhr morgens kommen wir in Charleville an, von wo wir um 9 Uhr ohne Unterbrechung über Sedan nach Luxemburg fahren, wo wir Mittag essen. Bald fahren wir weiter über Trier nach Köln.
14. November 1914
Um 4 Uhr morgens kommen wir in Köln an. Wir sind erstaunt über die Ruhe in der Stadt. Unseren Gefangenen bringen wir mit einem Auto zum Festungsgefängnis und machen dann die Besorgungen für die Offiziere, nachdem wir vorher auf dem Bahnhof ein warmes Wannenbad genommen haben. Im Hotel „Deutsches Haus“ essen wir gut zu Mittag. Nachmittags bummeln wir durch die Stadt, besichtigen den Dom und gehen dann in ein Kino. Abends essen wir in Möllers Hotel, wo wir uns auch einquartiert haben.
15. November 1914
Da wir ein Vierteljahr nicht mehr im Bett geschlafen haben, pennen wir natürlich lange. Dann machen wir einen kleinen Bummel durch die Stadt und essen Mittag und trinken Kaffee in Müllers Hotel, wo wir die Bekanntschaft mit mehreren Hannoveranern und Braunschweigern machen. Wir besuchen noch ein Café mit Künstlermusik und essen dann wieder famos bei Müller. Um 11.30 Uhr werfen wir uns dann wieder vergnügt in unser langersehntes Federbett.
16. November 1914
Wir pennen natürlich wieder lange, denn diese günstige Gelegenheit muss man ausnutzen. Ich wechsele auf einer Privatbank meine belgischen Banknoten. Dann machen wir einen Bummel durch die Stadt und besichtigen den Rhein, die große Rheinbrücke und das Innere des Domes. Darauf speisen wir im „Deutschen Haus“. Am Nachmittag machen wir noch Einkäufe in der Stadt und fahren dann um 7.45 Uhr nach Trier ab.
17. November 1914
Wir kommen um 3 Uhr in Trier an und fahren gegen 5 Uhr weiter nach Luxemburg. Hier besichtigen wir die Stadt mit ihren wundervollen Anlagen und Brücken und frühstücken auf dem Bahnhof. Um 11.30 Uhr fahren wir weiter nach Athus, wo wir im Hotel zu Mittag essen. Um 4 Uhr fahren wir im ungeheizten Packwagen über Sedan nach Montmedi, wo wir in der warmen Wachstube auf den nächsten Zug warten.
18. November 1914
Früh morgens fahren wir bis Charleville wo wir bis 6 Uhr abends Aufenthalt haben. Wir trinken in einer Kneipe schönes bayerisches Bier und besichtigen dann eine französische Kaserne wo wir auch essen. In einem Cafe führen wir uns eine wunderbare Torte zu Gemüte. In Charleville ist das Hauptquartier. Die Wohnung des Kaisers ist riesig scharf von Posten bewacht. Um 7 Uhr geht’s weiter nach Laon, wo wir im ungeheizten Wartesaal schlafen. Es wird schon empfindlich kalt.
19. November 1914
Zu unserem Schrecken erfahren wir, dass unser Regiment urplötzlich an den rechten Flügel befördert ist, können aber weiter nichts erfahren, als dass es in Richtung Lille abtransportiert ist. Wir setzen uns also wieder auf die Bahn in Richtung St. Quentin, um unser Regiment zu suchen. Im Zug treffen wir einen Hauptmann vom Regiment 78, dessen Regiment ebenfalls hinauf gekommen ist und schließen uns ihm an. In St. Quentin macht der Hauptmann Quartier für uns. Abends besuchen wir ein französisches Kino. Wir wohnen ganz famos bei einem Mechaniker. Um 9 Uhr gehen wir schon wieder ins Bett.
20. November 1914
Morgens fahren wir weiter bis Lille, wo wir gegen 5 Uhr ankommen. Der Hauptmann macht wieder Quartier. Wir wohnen in einem Gasthaus Place de Maurice 29. Die Stadt hat sehr unter der Beschießung gelitten. Ganze Stadtteile liegen in Schutt und Asche. Trotzdem geht alles seinen gewohnten Gang. Alles ist geöffnet und in Betrieb. Auf der Straße wird man alle 10 Schritte von Weibern angequatscht. Wir essen auf dem Bahnhof und legen uns schon wieder um 9 Uhr in die Klappe.
21. November 1914
Die Erkundigungen des Hauptmanns nach den Regimentern sind bisher fruchtlos gewesen, wir bleiben also noch einen Tag in Lille.
22. November 1914
Wir erfahren vom Hauptmann, dass wir am nächsten Morgen um 8 Uhr mit einem Auto zur Front fahren sollen. Heute gibt es tadelloses Essen bei unserem Wirt. Ein französischer Flieger wirft in der Nähe des Bahnhofs eine Bombe, die aber keinen Schaden anrichtet.
23. November 1914
Wir warten morgens vergeblich auf das Automobil und erfahren endlich, dass wir erst am nächsten Tag fahren können. Erfreut kehren wir in unser warmes Quartier zurück, da es draußen schon sehr kalt ist. Wir erfahren, dass unser Regiment 6 Offiziere verloren hat, dass erfüllt uns mit Besorgnis für unsere Freunde Oberleutnant Bartels, unser Kompanieführer ist auch verwundet. Mittags essen wir wieder gut und nachmittags spielen wir Dame und so weiter.
24. November 1914
Natürlich warten wir wieder vergeblich auf das Auto. Endlich, nach 3 Stunden trifft es ein. Wir zwängen uns mit unserem ganzen Gepäck hinein und fort geht es in rasender Fahrt bis Tembrielen. Hier bestätigen sich die großen Verluste des Regiments und zwar hat es 900 Mann bei einem vergeblichen Sturm auf die englischen Stellungen verloren. Wir brauchen noch nicht in Stellung und schlafen diese Nacht beim Feldwebel. Es ist ein unheimliches Artilleriefeuer zu hören. Ypern wird von 32cm Mörsern beschossen.
25. November 1914
Heute ordnen wir die Postsachen der Toten und Verwundeten und pflegen uns noch einmal ordentlich. Ich muss leider erfahren, dass mein großes Paket bei dem schnellen Aufbruch in Menneville geöffnet und unter die Mannschaften verteilt wurde. Heute Abend wird unser Bataillon abgelöst und der Feldwebel bezieht eine andere Wohnung, während wir wohnen bleiben und uns spät am Abend mit Bernhard und Bruno Harthausen zusammen einen steifen Grog brauen. In der mollig geheizten Bude pennen wir tadellos.
26. November 1914
Ich lasse mich als Befehlsempfänger ablösen und mache heute zum ersten Mal wieder Dienst in der Kompanie mit. Die ganze Nacht durch muss ich helfen, die Postsachen zu ordnen, denn das Regiment hat die ganze Post von 14 Tagen auf einmal bekommen. Mir geht es sehr schlecht, der Hummer aus dem einen Paket war sicherlich nicht ganz gut.
27. November 1914
Gegen 5 Uhr verlassen wir Tembrielen und marschieren über Werwicque nach Liselles, wo wir in Quartier kommen. Hier kann man noch alles kaufen. Abends probieren wir in sämtlichen Kneipen den Rum und sind deshalb sehr lustig.
28. November 1914
Morgens um 10 Uhr Abmarsch nach Tourcainy, wo wir nach anstrengendem Marsch verladen werden. Niemand weiß wohin wir fahren. Die Fahrt im geräumigen Güterwagen ist äußerst gemütlich. In Cambrai gibt es Verpflegung. Essen und Kaffee.
29. November 1914
Morgens werden wir in Luignicourt ausgeladen. Dass wir wieder in eine uns bekannte Gegend kommen, hebt die Stimmung. Noch im Dunkeln marschieren wir früh morgens über Menneville nach Pignicourt. Mittags werde ich hier zum ersten Mal Wachthabender der Fahnenwache. Ich verlebe einen gemütlichen Abend mit Bruno Harthausen.
30. November 1914
Da bis mittags 1 Uhr auf Wache, bin ich nachmittags dienstfrei.
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