1. September 1914
Anstrengender Marsch über Dalcur bis Liesse, wo wir erst spät nachts ankommen.
2. September 1914
Nach kurzer Ruhe beginnt um halb fünf schon wieder der bei der Hitze unglaublich anstrengende Verfolgungsmarsch. Wir marschieren über Sally und Firmes und beziehen Biwak auf einem Feld von 11-5 Uhr.
3. September 1914
Wieder anstrengender Marsch über Courville. Rast vor Chattillon. Nachts graben wir uns in den Weinbergen an der Marne ein.
4. September 1914
Sammeln an der Marne. Weitermarsch bei furchtbarer Hitze. Harthausen und ich machen schlapp. Der Feind ist mit der Bahn geflüchtet. Marsch über Marenil a Pont nach Pont a Binson. Auf einem Hügel Rast. Von 3 Uhr bis 7 Uhr Marsch bis Brugny.
5. September 1914
Ab 7 Uhr nach Montmort. Gefecht bei Etoges. Die 6. Kompanie ist an der Spitze. Vier Stunden Rast bei Etoges. Es wird kräftig requiriert. Man sagt, wir sollen Paris mit belagern. Abends gegen 9 Uhr Biwak bei Congy.
6. September 1914
Ab 7 Uhr Gefecht bei Courjonne. Nach etwas Artilleriefeuer nehmen wir das Dorf. Jenseits des Dorfes kommen wir leider in eigenes Maschinengewehrfeuer. Wir nehmen 8 Franzosen gefangen. Die 5. Kompanie landet in einem französischen Bagagewagen. Vier französische Regimentsfahnen. Wir sammeln uns hinter dem Dorf. Die feindliche Artillerie streut das Gelände ab. Abends Biwak an einem Berg, nicht weit von deutschen Artilleriestellungen. Ich bin magenkrank und so elend, dass ich mit dem Patronenwagen zurück nach Cogny fahren muss. Hier penne ich die Nacht glänzend.
7. September 1914
In Cogny viel Wein und Sekt requiriert. Nachmittags vor bis zum nächsten Dorf, wo sehr viele Verwundete liegen. Unser Regiment liegt bei Loizoier au Bois im Schützengraben. Nachts schlafen wir an der Chaussee, nachdem wir ein gekochtes Huhn verputzt haben.
8. September 1914
Morgens fahren wir nach Cogny zurück. Ich sitze hinten auf der Gulaschkanone. Zum Frühstück machen wir uns Pellkartoffeln mit Specksauce. Mittags gebratene Leber. Um 2 Uhr fahren wir zurück zum Dorf mit den vielen Verwundeten. Abends 11 Uhr fahre ich auf dem Patronenwagen in unsere Stellung. Die Kompanie liegt an einer Chaussee im Wald. Die Leute fallen heißhungrig über das Brot her, da sie den ganzen Tag über nichts gegessen haben.
9.-10. September 1914
Sammeln der 40. Brigade. Wir müssen zurück. Sehr anstrengender Marsch über Cogny, Mancy und Epernay nach Hautvillers. Unterwegs essen wir viele Weintrauben. Ich wurde zum Befehlsempfang beordert. Wir requirieren wie verrückt und schlemmen.
11. September 1914
Um 7 Uhr Marsch nach Rolly la Montagne. Um 12 Uhr Einrücken ins Quartier. Befehlsempfang. Ich bekomme von Oberleutnant Daniel Kuchen und Cognac. Abends mit der Wache zusammen Kaffeeschlemmerei.
12. September 1914
Abmarsch 4 Uhr. Bei strömendem Regen Biwak bei Nogent. Da ich als Befehlsempfänger beim Regimentsstab in Nogent wohnen muss, merke ich wenig von dem gräulichen Wetter.
13. September 1914
Marsch nach Beine. Die 77. ist Korpsreserve. Mittagsrast in Beine. Abends geht es im Regen vor. Wir liegen als Reserve in einem Wald.
14. September 1914
Morgens 8:30 marschieren wir über Berre, Fort de Witry weiter. Rast vor Dorf Witry. Abends Gewaltmarsch bis Neufchatel, wo wir in Quartier kommen.
15. September 1914
Bei Luignicourt marschieren wir auf und werden bald in ein Gefecht verwickelt. Wir graben uns bei strömendem Regen ein und bekommen dauernd Artilleriefeuer. Zu essen gibt es nichts als rohe Kartoffeln und Zuckerrüben.
16. September 1914
Dasselbe. Abends kommt die Feldküche. Alle sind heilfroh.
17. September 1914
Dasselbe. Es regnet furchtbar. Die Löcher, in denen wir liegen, sind halb mit Wasser gefüllt. Essen gibt es nur abends.
18. September 1914
Morgens Vorgehen bis in die vorderste Linie, dann müssen Marquart und ich als Befehlsempfänger zum Regiment. Hier liegen wir gegen Sicht gedeckt im Wald und können uns Essen kochen. So hat mir selten die Erbsensuppe geschmeckt! Wir haben wenig zu tun, Befehle sind nicht zu überbringen. Die Franzmänner eröffnen ein furchtbares Granatfeuer auf unsere morgens verlassenen Schützengräben. Abends begeben wir uns mit dem Oberleutnant v. Rognes in die vordere Schützenlinie bei Colina (etwa 5 km von Luignicourt). Ich liege neben Leutnant Lerche bei unserer Kompanie. Nachts fängt es wieder furchtbar an zu regnen. Ich übergebe mich ein paar Mal, weil ich am Tag zu viel gegessen habe.
19. September 1914
Morgens früh ziehen wir in ein zerschossenes Haus, welches direkt an der Schützenlinie liegt. Unten im Keller liegen Verwundete, oben der Regimentsstab. Wir bekommen dauernd Schrappnellfeuer. Ich bin ziemlich elend. Nachts gibt es Brot und Wurst.
20. September 1914
Nachts sind wir im Haus und müssen jeder (die Befehlsempfänger) 1 Stunde Wache halten. Morgens komme ich zum Schlafen. Am Tag gibt es wieder schweres Artilleriefeuer, aber heute regnet es nicht mehr. Trotz des Artilleriefeuers ist es im Zimmer ganz gemütlich. Abends werden wir durch Regiment 16 abgelöst und beziehen Quartier in Luignicourt. In dem Wald hinter unseren Stellungen sehen wir bei dem Rückmarsch sehr viele tote Sachsen.
21. September 1914
Morgens 8 Uhr Marsch über Neufchatel und Pontgivard nach Bourgagne, wo wir mittags 2 Uhr ins Quartier kommen. Ich bin wieder Befehlsempfänger. Wir schlafen diese Nacht wundervoll im Heu.
22. September 1914
In Bourgagne. Wieder Befehlsempfänger. Abends 7:30 marschieren wir nach Fresnes, wo wir in Quartier kommen.
23. September 1914
Aufenthalt in Fresnes. Sonniger Ruhetag. Da ich beim Regimentsstab als Befehlsempfänger kein Essen empfange, gehe ich natürlich zum Brotempfang zur Kompanie. Der Feldwebel schnauzt mich an und will mir nichts geben, worauf ich mich bei Oberleutnant Bartels über ihn beschwere. Daraufhin droht mir der Feldwebel, ich sollte niemals Gefreiter werden. Abends lösen wir die 164. im Schützengraben ab. Ich muss zum Befehlsempfang in ein zerschossenes Haus und bin sehr froh darüber, weil ich im Schützengraben nichts zu essen gehabt hätte.
24. September 1914
Schlechte Nacht, habe meinen Magen wieder erkältet. Ich bekomme von Kameraden zu essen. Es ist ein schöner Tag. Eine französische Kavalleriepatrouille wird abgeschossen, ebenso eine französische Artilleriepatrouille. Die Nacht verbringen wir im Keller. Vorne spielt Hauptmann Schimmelpfeng, Oberleutnant Dieckmann und der Doktor Skat. Es gibt heute Abend Brot. Hurrah! Sehr gemütlich und warm.
25. September 1914
Wir pennen bis 9 Uhr. Haben nichts zu tun. Mittags kochen wir uns schönen dicken Reis. Wir kochen überhaupt andauernd. Abends bekommen wir bei der Feldküche der 7. Kompanie Essen und ein halbes Würstchen. Herrgott, das schmeckt!
26. September 1914
Morgens 3 Uhr Aufbruch. Ich komme im Dunkeln mit als Hilfsträger zur Maschinengewehrkompanie. Die Franzosen werden auf das linke Kanalufer zurückgeschlagen. Starke Beschießung der Kanalbrücke. Abends in Deckung bei Courcy.
27. September 1914
Bei Morgengrauen gehen wir bis in die 3. Schützenlinie vor. Ich habe außer meinem gewöhnlichen Gepäck noch 2 schwere MG Kästen zu schleppen. Wir graben uns ein, soweit es bei dem festen Kalkboden geht. Die 2. Linie vor uns bekommt ein furchtbares Granatfeuer, während wir noch davon verschont bleiben. Um 4 Uhr kommt Befehl, in diesem Feuer bis in die 2. Linie mit dem MG vorzugehen. Wir stürzen wie die Wilden in dem wahnsinnigen Feuer vorwärts, das sich noch verstärkt, so wie wir mit unserem MG zu sehen sind. Die Träger mit dem MG erreichen die Linie, da der Graben aber voll ist, laufe ich auf Befehl des Unteroffiziers hinter eine Strohdieme. Im selben Moment schlägt ein Volltreffer bei dem MG ein und tötet bis auf einen alle Bedienungsleute. Der einzige, der noch lebt, dem aber schon ein Viertel von seinem Fuß abgeschossen ist, will hinter unsere Dieme laufen, bekommt aber noch einen Treffer, der ihm aus der Brust ein über faustgroßes Stück Fleisch reißt. Wir sitzen auf Toten und zwischen Verwundeten und zählen die Sekunden bis zum Abend, denn jeden Augenblick kann das schützende Stroh in Brand geschossen werden. Der schwer Verwundete lebt noch etwa 45 Minuten, nachdem wir ihn verbunden haben, dann stirbt er unter furchtbaren Qualen (Dworrazek). Es ist wahnsinnig heiß und die Luft erfüllt von Blutgeruch, dazu der schreckliche Anblick des Sterbenden. Mir wird es schwarz vor Augen, man wünscht sich den Tod. Zwei Musketiere, die in den Schützengraben laufen wollen, werden sofort durch Sprengstücke getötet. Die feindliche Artillerie schießt glänzend. Bei Eintritt der Dunkelheit werfen wir die Toten aus den Gräben und legen uns selbst hinein. Nach 2 Stunden werden wir durch die 92er abgelöst und marschieren mit dem MG durch Courcy, bis hinter die hohe Kanalböschung, wo schon unser halbes Regiment liegt. Marquart kommt nach diesem Tag zur Erholung in die Heimat.
28. September 1914
Wir graben uns am Kanaldamm Löcher und schlafen im Sitzen. Abends werde ich zur Kompanie zurück geschickt, die nur noch 68 Mann stark ist. Nachts besetzen wir oben den Kanaldamm in Reserve, während die vordere Linie einen feindlichen Angriff völlig abschlägt.
29. September 1914
Wir bleiben den ganzen Tag über in Deckung am Kanal und bekommen etwas Artilleriefeuer. Mehrmals schwirren feindliche Flieger über unserer Stellung herum. Diese Nacht ein Probealarm, sonst Ruhe.
30. September 1914
Noch an der Kanalböschung. Morgens eine Stunde Exerzieren und Gewehr reinigen. Feindliche Flieger. Die Feinde befeuern von unseren Pionieren gebaute Scheinartilleriestellungen, an der ein Pionier ab und zu einen Böller abschießt. Abends kommen wir in vordere Linie, rechts vom Kanal.
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